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Tödlicher Lärm: Wale in Gefahr

Stralsund/Vilm Tödlicher Lärm: Wale in Gefahr

Der Schweinswal ist in der Ostsee vom Aussterben bedroht. Windpark „Baltic II“ sorgt für Diskussionen.

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Die Schweinswale sind in der Ostsee vom Aussterben bedroht. Der Bau von Windkraftanlagen beeinträchtigt ihr Gehör.

Quelle: Fotos: Ozeaneum

Stralsund. Von Juni bis August gebären die Schweinswale ihre Kälber. Anschließend ernährt sich der Nachwuchs vier bis fünf Monate lang von Muttermilch. In den Fresszeiten der erwachsenen Tiere bleiben die Kinder allein. Die Rückkehr der Walkühe wird über Klick- und Pfeiftöne sichergestellt. Doch was passiert, wenn das empfindliche Gehör der Meeressäuger durch Baulärm geschädigt wird?

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Walforscher Harald Benke

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Der vor zwei Wochen gestartete Bau des Windparks „Baltic II“ in der Ostsee vor Rügen stößt bei Tierschützern und Walfreunden auf Kritik. Auf 27 Quadratkilometern werden 80 Windräder errichtet. „Das Einrammen der Fundamente erzeugt ungeheuerlichen Lärm, so dass die Ortungssysteme der Meeressäuger in Mitleidenschaft gezogen werden können“, erklärt Harald Benke, Chef des Ozeaneums in Stralsund und Walforscher. „Wale können ertauben und verhungern qualvoll.“

„Die Schweinswale werden durch die von uns veranlassten Schutzmaßnahmen ausreichend geschützt“, widerspricht Friederike Eggstein. Die Konzernsprecherin des Bauherren Energiewerke Baden-Württemberg (EnBW) verweist darauf, dass ein „optimierter doppelter großer Blasenschleier“ verwendet wird. Zwei ringförmige Wände aus Luftblasen sollen die Lärmbelastung erheblich reduzieren. Außerdem würde vor dem Beginn der Baumaßnahmen versucht, die sich im Umfeld befindlichen Wale zu vergrämen. „Akustische Signalgeber werden ins Wasser gesetzt und erzeugen für Meeressäuger unangenehme Geräusche“, so Eggstein. Der Rammstart würde schließlich sanft erfolgen, um die eventuell in der Nähe verbliebenen Tiere zu vertreiben.

Die Bauarbeiten haben 32 Kilometer nördlich der Insel Rügen und damit in internationalen Gewässern begonnen. „Wir werden nicht zulassen, dass es ähnliche Vorkommnisse wie beim ersten Baltic-Projekt gibt“, teilt Henning von Nordheim mit. Der Leiter der Außenstelle Vilm des Bundesamtes für Natur berichtet, dass es beim Bau des Windparks „Baltic I“ vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst nur unzureichende oder keine Schallschutzmaßnahmen gab. „Baltic I“ wurde innerhalb der Zwölf-Seemeilen-

Zone erbaut — die Landesregierung war zuständig. Von Nordheim: „Der Bauherr hat diesmal Auflagen einzuhalten, die wir im Sinne der Schweinswale akribisch überprüfen werden.“ So müssen die EnBW-Verantwortlichen detaillierte Messprotokolle erstellen.

„Es bedarf Techniken, die ohne das Rammen auskommen“, fordert Ursel Karlowski vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Denn: „Neben der Kommunikation ist in der trüben Ostsee das Sonar-System der Schweinswale besonders für den Nahrungserwerb und die Orientierung wichtig.“ Ähnlich sieht dies die Umweltorganisation Greenpeace. „Das Rammen muss durch alternative Verfahren ersetzt werden“, fordert Sprecher Thilo Maack. Beispielsweise gebe es die Technik des Einbohrens. In einer im Februar im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz veröffentlichten Studie heißt es: „Ein Vorteil gebohrter Fundamente sind die gegenüber der Rammung geringeren Lärmemissionen.“

Der Schweinswal
Die Schweinswale sind mit den Delfinen verwandt und gehören in der Ostsee zu den am meisten gefährdeten Tierarten. Die Meeressäuger werden bis zu 2,50 Meter lang und erreichen ein Körpergewicht von 200 Kilo. Schweinswale leben in Gruppen zusammen. Ist der Nachwuchs geboren, sammeln sich Mutter-Kind-Gruppen.


Die Tiere fressen alles, was ihnen vor die Schnauze kommt. Als Lieblingsspeise gilt der Hering. Durch dessen hohen Fettanteil bekommen die Säuger zusätzliche Energie. Auch Sandaale, Grundeln oder Plattfische verschmähen die Schweinswale nicht.


Für Aufsehen sorgte die Rückkehr der Schweinswale in die Elbe. Viele Tiere bezahlten dies jedoch mit dem Leben. Experten gehen davon aus, dass die Wale den Futterfischen folgten, die sich zum Laichen in den Fluss begaben. Die Säuger kamen aller Wahrscheinlichkeit nach den Häfen zu nahe. Lärm störte ihr hochsensibles Gehör und die Wale verhungerten.

 

 

Matthias Trenn

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