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Unvergessene „Dichterschiffe“: Die OZ sucht Zeitzeugen

Rostock Unvergessene „Dichterschiffe“: Die OZ sucht Zeitzeugen

Neben der vor knapp einem Jahr gesunkenen „Georg Büchner“ betrieb die Deutsche Seereederei noch drei weitere Ausbildungsschiffe: die „Heine“, die „Körner“ und die „Fichte“.

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Das Fracht- und Lehrschiff „J. G. Fichte“ passiert Warnemünde. Das Bild zeigt die Rückkehr des Schiffs von seiner letzten Kuba-Reise am 23. Mai 1979. Nach dem Verkauf als „Sunrise“, „Sunrise IV“ sowie „Pegancia“ unterwegs, wurde das Schiff schließlich 1981 in Pakistan verschrottet.

Rostock. Die „Georg Büchner“ ist unvergessen. Vor knapp einem Jahr, am 30. Mai 2013, kenterte das ehemalige Ausbildungsschiff der Deutschen Seereederei (DSR) vor der polnischen Ostseeküste und sank. Zahllose aktive und ehemalige Seeleute aus ganz Deutschland und darüber hinaus meldeten sich daraufhin bei der OSTSEE-ZEITUNG. Sie machten ihrem Ärger Luft, stellten kritische Fragen, berichteten von ihren Erlebnissen an Bord, brachten Fotos und Dokumente vorbei. Schließlich entstand aus diesen Erinnerungen ein Buch — die zweite Auflage ist mittlerweile ausverkauft.

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Die „Körner“ auf Reede Warnemünde. Nach Verkauf „Nedi 2“, 1973 in Taiwan verschrottet.

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Am Rande tauchten auch immer wieder folgende Fragen auf: Was wurde eigentlich aus den anderen drei DSR-Ausbildungsschiffen? Wo und wie endeten die „Heinrich Heine“, die „Theodor Körner“ und die „J.

G. Fichte“? „Viel ist auch im Internet nicht zu finden“, beklagt zum Beispiel Arnold Leisler. Der Rostocker fuhr viele Jahre als technischer Offizier zur See und verdiente sich als Lehrling auf der „Büchner“ erste Sporen. Leisler interessiert sich sehr für das Schicksal der vier sogenannten „Dichterschiffe“. „Doch es gibt kaum Veröffentlichungen“, kritisiert er.

Fakt ist: In den 1950er Jahren brauchte die DSR mehr und mehr Lehrlinge. Junge Leute für den Ausbau der Handelsflotte — im Dienste des DDR-Außenhandels. Immer mehr Schiffe waren zu bemannen. Oftmals liefen sie mit Minimalbesatzungen aus. Die Lösung: frachtfahrende Schulschiffe. Sie sollten die seemännische Ausbildung forcieren.

Die „Halbschwestern“ der „Büchner“ waren einzigartig in der DSR-Flotte: Die „Heine“ (1938 als „Mar del Plata“ gebaut) und die „Körner“ (1938 als „Copacabana“) wurden 1958 der belgischen CMB-Reederei abgekauft, von der auch die 1967 übernommene „Büchner“ („Charlesville“) stammte. In Belgien dienten sie hauptsächlich zum Transport von Waren und Passagieren in die damalige Kolonie Belgisch-Kongo.

Zu den Dichterschiffen gehörte zudem ab 1962 auch die „Fichte“. Als „Claude Bernard“ 1950 bei der französischen Reederei Maritime de Chargeurs Réunis in Le Havre in Dienst gestellt, war das Schiff ursprünglich im Liniendienst nach Südamerika und Afrika unterwegs.

Alle vier Schiffe einte die Tatsache, dass sie durch Veränderungen in der politischen Geografie überflüssig wurden. Die Reedereien sahen keine Zukunft für die kombinierten Fracht-und Passagierschiffe — Gästekabinen, große Gemeinschaftsräume, Messen und zum Teil sogar kleine Kapellen an Bord waren nicht mehr gefragt. Doch für die schwimmende Lehrlingsausbildung waren sie wie gemacht. Tausende angehende Matrosen, nautische und technische Offiziere und Funker lernten an Bord das Seemannshandwerk. Reisen im sogenannten Cubalco-Liniendienst nach Kuba und später bis nach Mexiko waren für die DSR lukrativ.

Doch die Zeiten änderten sich: Untersuchungen zeigten, dass die Ausbildung auf stationären Lehrschiffen effektiver sei: Reede- und Werftliegezeiten entfallen, es gibt keine Seekrankheit. Und so verabschiedete sich die DSR 1977 — mit der Stationierung der „Büchner“ in Rostock-Schmarl — von der Bordausbildung auf speziellen Lehrschiffen. Seeleute übernahmen die praktische Ausbildung auf mehr als 200 Schiffen aller Typen der Reederei. International, vor allem im Ostblock, blieben jedoch frachtfahrende Lehrschiffe noch lange gängige Praxis.

Sind Sie auf einem DSR-Lehrschiff gefahren?
Die OZ sucht Seeleute, die auf einem der vier DSR-Lehrschiffe gefahren sind. Haben Sie Fotos über Ihre Zeit auf der „Heine“, „Körner“, „Büchner“ oder „Fichte“? Möchten Sie uns Ihre persönliche Geschichte erzählen — über Stürme, Häfen, Äquatortaufen? In einer kleinen Serie wollen wir über Ihre Erlebnisse berichten. Rufen Sie an: 0381/36 53 81
oder schreiben Sie uns: Thomas Luczak, Ressort MV,
R.-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock;

Mail: schulschiffe@ostsee-zeitung.de

 



Reinhard Kramer und Thomas Luczak

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