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Usedomer verstärkt Retter in der Ägäis

Zinnowitz/Lesbos Usedomer verstärkt Retter in der Ägäis

Mann mit Mission: Maik Just will Flüchtlinge vor dem Ertrinken bewahren — als Freiwilliger einer internationalen Hilfsinitiative

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Zinnowitz/Lesbos. Bedrohlich nahe drängen Wellen das kleine Schlauchboot an die Klippen. In der Nussschale bangen, dicht an dicht, zwei Dutzend Menschen um ihr Leben. Kinder klammern sich an die Rettungswesten ihrer Eltern. Die suchen selbst nach Halt, um nicht über Bord zu gehen. In ihren Augen flackert Angst. Angst davor, hier auf dem Meer zu sterben, wo das Ziel doch so nahe ist. Angst davor, in ihre Heimat zurückzumüssen, deren Gewalt und Terror sie doch gerade erst entkommen sind.

Es sind Bilder wie diese, die Maik Just keine Ruhe lassen. Noch kennt der Usedomer die dramatischen Szenen, die sich tagtäglich im Ägäischen Meer abspielen, nur aus den Medien. In wenigen Wochen wird er mittendrin sein. Just hat sich als Freiwilliger gemeldet, um zu helfen. Er will nicht untätig mit ansehen müssen, wie Menschen auf der Flucht ertrinken. Anfang Mai bricht der Seenotretter aus Zinnowitz deshalb auf in die Ägäis, um dort die Einsatzkräfte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zu verstärken. Für den Vater zweier Mädchen eine Herzensangelegenheit. „Kinder im kalten Wasser zu verlieren, so etwas darf einfach nicht passieren.“

Die Lebensretter der DGzRS sind Teil einer internationalen Hilfsinitiative. Zu der haben sich 125 Organisationen aus 48 Ländern zusammengeschlossen, um griechische Einsatzkräfte auszubilden und für bestimmte Zeit bei der Flüchtlingsrettung zu unterstützen. Die DGzRS ist seit dem 7. März mit dem Seenotkreuzer „Minden“ vor der Küste der griechischen Insel Lesbos unterwegs. Seither haben die Besatzungsmitglieder mehr als 600 Menschen, darunter 120 Kinder, vor dem Ertrinken bewahrt. Als Maik Just zum ersten Mal von der Initiative hörte, war für ihn sofort klar: Er geht an Bord. Darin bestärkt habe ihn seine Familie. „Meine Frau denkt wie ich und unterstützt mich.“

Der Ägäis-Einsatz ist für die Lebensretter eine Belastungsprobe — körperlich wie mental. Maik Just fühlt sich auf das, was ihn im Mittelmeer erwartet, gut vorbereitet. Seit mehr als zwölf Jahren ist er Seenotretter und als solcher mit allen Wassern gewaschen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat der 49-Jährige sein Wissen bei einem Intensivtraining der DGzRS aufgefrischt. Angst davor, dass beim Hilfseinsatz etwas schiefgehen könnte, habe er nicht. „An Bord ist die nötige Technik vorhanden und wir haben genug Erfahrung, dass uns nichts passieren sollte.“ Auch seelisch sei er gewappnet, obwohl er nur erahnen kann, wie es sich anfühlt, mit so viel Leid konfrontiert zu sein. „Ich werde den Einsatz positiv angehen. Man darf nicht nur das Horrorszenario sehen, sondern die Chance, Menschen zu retten. Solche positiven Erlebnisse motivieren.“ Zwei Wochen lang wird Maik Just an Bord der „Minden“ sein. Seinen Job legt der selbstständige Bauingenieur für diese Zeit auf Eis. Ein kleines Opfer angesichts der vielen Leben, die er retten kann.

Von Antje Bernstein

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