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Vom Volksmarine-Schleppboot zum Austernfischer

Vom Volksmarine-Schleppboot zum Austernfischer

Der kleine Hafen Lauwersoog in der niederländischen Provinz Groningen läuft langsam leer. „Ablaufend Wasser, denn man los!“, gibt der Skipper das Kommando zum Ablegen.

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Früher war der Schlepper vom Typ Elbe für die Volksmarine im Einsatz, heute ist er in der Nordsee als Fischerboot im Einsatz.

Quelle: Foto: Schmidt–walter

Der kleine Hafen Lauwersoog in der niederländischen Provinz Groningen läuft langsam leer. „Ablaufend Wasser, denn man los!“, gibt der Skipper das Kommando zum Ablegen. Die 100 Jahre alte Tjalk „Willem Jacob“, früher ein Frachter für den Ziegeltransport, schiebt sich behäbig durch die Ausfahrt hinaus ins Wattenmeer.

Nach zwei Stunden, gegenüber der Insel Schiermonnikoog, knirscht es unter dem Plattbodenschiff. „Wir sind da, alles aussteigen!“, ruft der Skipper. Seine Gäste ziehen die Schuhe aus und waten durch graues Nordsee-Wasser an Land. Jaap Kloosterhuis und sein Kollege Johan Medenblik führen die Wattwanderung. Gegen Ende der beeindruckenden Erkundungtour tuckert ein kleines Boot, dem Typ nach könnte es ein Schlepper sein, heran. Ein baumlanger, hagerer Mann watet freundlich lächelnd auf die Gruppe zu und fragt in bestem Deutsch: „Habt ihr Appetit auf frische Wild-Austern? Ich habe gerade welche aus dem Wasser gefischt“. Jaap Vegter bringt seinen Fang an Bord. Mit einem Spezialmesser klappt er versiert die Schalentiere auf, legt Zitronenstückchen und Pfeffer dazu. „Eet smakelijk, guten Appetit!“

Sein Schiff mit der Fischereifahrzeug-Kennung UQ 4, die für den Heimathafen Usquert steht, ist ein DDR-Oldtimer. Das ehemalige Schleppboot vom Typ Elbe wurde 1965 auf der VEB Yachtwerft in Berlin-Köpenick gebaut und diente in der Volksmarine in Warnemünde unter der Militärnummer 21-201. Er habe das 14,50 Meter lange Schiff 2011 gekauft und sei sehr zufrieden damit, erzählt Jaap. „52

Jahre alt und nicht kaputtzukriegen“, lächelt der bärtige Hüne und freut sich über das Austern-Gelage seiner deutschen Gäste.

Das Boot war vorgesehen für Binnen- und Haffgewässer mit Verstärkung zum Brechen von leichtem Eis. Deshalb hat dieser vielseitige Typ aus dem DDR-Schiffbau, von dem rund 60 gebaut wurden, in vielen Varianten von der Yacht bis zur Fähre, bis heute überlebt.

Jaap will aber verkaufen. „Ich brauche für Gäste-Mitfahrten mehr Platz. 65000 Euro und du kannst den Stormvogel haben.“

Peer Schmidt-Walther

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