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Seewirtschaft Wie kommt das Pestizid in den Lachs?
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00:00 20.06.2016
Lachs auf dem Teller – doch die Produkte sind häufig belastet.

Geräuchert oder gebraten – Lachs ist beliebt. Doch kann man die Fischprodukte aus den Supermärkten noch unbeschwert essen? In Zuchtlachsen wurden bei Tests hohe Mengen einer Chemikalie entdeckt, die die Gesundheit schädigen könnte. Dabei handelt es sich um die Substanz Ethoxyquin. Der Stoff wurde lange im Pflanzenschutz als Pestizid eingesetzt, seit 2011 ist er jedoch in der Europäischen Union (EU) verboten – zumindest als Pflanzenschutzmittel.

Als Futtermittelzusatz ist Ethoxyquin weiterhin zugelassen, teilt das Schweriner Landwirtschaftsministerium auf OZ-Anfrage mit. Auch in Mecklenburg-Vorpommern. „Da die Aquakultur in MV auf den Zukauf von Futtermitteln des internationalen Marktes angewiesen ist, muss auf ethoxyquinhaltiges Futtermittel zurückgegriffen werden“, erklärt Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth. Das gelte für fast alle Fischarten, außer Karpfen, die mit Naturnahrung aufgezogen werden.

Im Fokus der Kritik steht vor allem der Lachs. Das NDR-Magazin „Markt“ hatte vor kurzem geräucherte, tiefgekühlte und frische Lachsprodukte der Supermarktketten Aldi, Rewe, Edeka und Real getestet.

Mit dem Ergebnis: In allen Proben wurde Ethoxyquin und die Variante Ethoxyquin-Dimer nachgewiesen – und alle untersuchten Produkte lagen über der für Ethoxyquin festgelegten Höchstmenge, die etwa für Fleisch, Gemüse und Obst gilt. Für Fisch gibt es eine solche Höchstmenge nicht – der Verkauf des mit Ethoxyquin belasteten Fischs ist also legal.

Dabei steht Ethoxyquin im Verdacht, die Erbsubstanz (DNA) zu schädigen und somit krebserregend zu sein. Im Zusammenhang mit den Tests warnte der Toxikologie Prof. Edmund Maser von der Kieler Christian-Albrechts-Universität daher vor möglichen Schäden durch Ethoxyquin. „Wir sind als Mensch einer Unzahl von Chemikalien ausgesetzt, die wir zum Beispiel über Lebensmittel oder andere Aufnahmepfade in unseren Körper bringen. Und da müssen wir mit Additionseffekten rechnen“, sagte Maser. Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert daher, auch für Fisch einen Ethoxyquin-Höchstwert einzuführen.

Doch wie gelangt diese giftige Substanz überhaupt ins Futter? Der Ursprung ist das Fischmehl. Dem wird Ethoxyquin häufig als sogenanntes Antioxidans beigemischt. Das soll verhindern, dass das Futter ranzig wird. Fischmehl ist Bestandteil von Fisch,- aber auch etwa von Schweinefutter.

Der dänische Fischfutterhersteller BioMar teilt auf OZ-Anfrage mit, dass er „in der Produktion von Lachsfutter keine Zugaben von Ethoxyquin“ verwendet. Allerdings könnte „eine geringe Menge an Ethoxyquin vorhanden sein, da unser Futter Fischmehl enthält“. Durch regelmäßige Kontrollen – auch von Behörden – werde sichergestellt, dass der Ethoxyquin-Gehalt keine Grenzwerte überschreite.

Vollkommen ethoxyquinfrei sei das Futter für die biologische Fischzucht, das mit lokal hergestelltem Fischmehl produziert werde, heißt es bei BioMar. Von diesem Fischmehl gebe es allerdings nur so wenig, dass damit „weniger als ein Prozent der Nachfrage“ gedeckt werden könne.

Auch in MV werden Futtermittel untersucht, sagt Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth. So habe das Landesamt für Lebensmittelsicherheit (Lallf) in diesem Jahr zwei Fischfutter auch auf Ethoxyquin kontrolliert – ohne Beanstandungen. 150 Milligramm Ethoxyquin sind pro Kilogramm Futtermittel für alle Tierarten zugelassen. Ausnahme: Bei Hundefutter seien es 100 Milligramm.

Im Nordosten produzieren 21 Aquakulturbetriebe Fische oder anderes Wassergetier, Lachse jedoch nicht. Tiere aus den Aquakulturen in MV seien allerdings bislang nicht auf Ethoxyquin untersucht worden, heißt es beim Lallf.

Warum ausgerechnet Lachs so hohe Werte aufweist, ist unklar. Der Aquakulturexperte Prof. Harry Palm von der Universität Rostock nimmt die Branche in Schutz. „Das Problem liegt nicht bei der Aquakultur, sondern beim Futtermittelproduzenten.“ Allerdings unterliege das Futter auch in Norwegen strengen Kontrollen. Denkbar sei, dass beim Anbau der Pflanzen, etwa Soja, Ethoxyquin außerhalb der EU verwendet wird und auf diese Weise in die Futtermittel gelangt.

Fischmehl soll im Futter reduziert werden

1,2 Kilogramm Fischfutter müssen derzeit in den norwegischen Aquakulturen verfüttert werden, um ein Kilogramm Lachs zu mästen. Pflanzliche Rohstoffe bekommen daher bei der Futtermittelherstellung eine immer größere Bedeutung. Fischmehl oder -öl als Futter sei eine „limitierte Ressource“, erklärt der Aquakulturexperte Prof. Harry Palm von der Universität Rostock. Derzeit wird weltweit an der Reduzierung des Fischmehlanteils im Fischfutter geforscht.

Um nicht mehr Fische als nötig für das Futter zu verwenden, werden diese zunehmend durch Rohstoffe aus pflanzlicher Herkunft ersetzt. Dabei wird getestet, wie weit sich pflanzliche Proteinträger wie Soja, Erbsen, Kartoffeln, Raps, Mais oder Sonnenblumenkerne als Rohstoffe für Futtermittel eignen.

Axel Meyer

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