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Windenergie auf See ergiebig

Berlin/Hamburg Windenergie auf See ergiebig

Umweltschützer kritisieren dennoch ungezügelten Ausbau

Berlin/Hamburg. Windkraftwerke auf dem Meer erzeugen mehr und zuverlässiger Strom als bislang angenommen. Nach einer Studie des Instituts Fraunhofer IWES produzieren die Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee an 363 Tagen des Jahres Energie, teilte die Stiftung Offshore Windenergie als Auftraggeberin mit. Bei der Vorgängerstudie hatte dieser Wert noch bei 340 Tagen gelegen.

 

OZ-Bild

Windpark „Nordsee 1“ vor Spiekeroog (Ostfriesland).

Quelle: Foto: Dpa

Die Anlagen lieferten somit relativ konstant Strom, und die Erträge seien gut vorhersehbar. Die erhöhte Verfügbarkeit senke den Bedarf an Reservekraftwerken für windstille Stunden und damit die Kosten. Energiewirtschaftlich sei die Offshore-Energie sowohl Windkraftwerken an Land als auch der Photovoltaik überlegen.

Aus Sicht der Offshore-Windindustrie legt das Ergebnis der Studie einen deutlich stärkeren Ausbau der Windenergie auf See nahe. „Die Offshore-Windenergie trägt erheblich zur Versorgungssicherheit bei“, sagte Ursula Prall, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Offshore-Windenergie. „Die Bundespolitik sollte sich daher den Forderungen der Küstenländer und der Branche aus dem Cuxhavener Appell vom September anschließen.“ Darin wurde ein Ausbau der Offshore-Windenergie auf mindestens 20 Gigawatt bis 2030 und 30 Gigawatt bis 2035 gefordert. Durch ein höheres Ausbauvolumen seien auch weitere Kostensenkungen möglich. Die Studie von Fraunhofer IWES reicht noch weiter und nimmt das Jahr 2050 in den Blick – 33 Jahre in der Zukunft gelegen, wenn Kohle, Öl und Gas keine Rolle mehr spielen sollen. Für diese Zeit hält die Studie einen Ausbau der Offshore-Windenergie auf eine Leistung von 57 Gigawatt für energiewirtschaftlich optimal.

Bei Umweltschützern wachsen indes Zweifel, ob Nord- und Ostsee einen derartig starken Ausbau der Offshore-Windenergie verkraften könnten. Je nach Leistungsfähigkeit der Anlagen könnten in den nächsten Jahrzehnten bis zu einem Drittel der Meeresfläche mit mehreren tausend Windrädern bebaut werden, die Nordsee zu einem Industriepark verändern. „Dann müssen wir uns um den Schutz vieler Arten keine Gedanken mehr machen“, sagte Kim Detloff vom Naturschutzbund Nabu. Die Nordsee werde für See- und Rastvögel weitgehend nutzlos; betroffen seien durch die Bauarbeiten Schweinswale und andere Meeressäugetiere. Weiteres Problem: Die Nutzung des Meeres durch Schifffahrt, Tourismus, Fischerei und Pipelines.

Eckart Gienke

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