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Seewirtschaft „Wir können Gesetze nicht aushebeln“
Nachrichten Wirtschaft Seewirtschaft „Wir können Gesetze nicht aushebeln“
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00:05 06.02.2017
Holger Brydda, Chef WSA Stralsund Quelle: Foto: D. Lilienthal
Stralsund

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund ist für die Sicherheit des Schiffsverkehrs zwischen Kühlungsborn und Polen zuständig – nach der Fusion mit dem benachbarten WSA Lübeck soll es ein Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee für die gesamte deutsche Ostseeküste geben. Die OZ sprach mit dem designierten Leiter des Ostseeamtes Holger Brydda, der derzeit das WSA Stralsund leitet.

Projekte für 2017

Baggerarbeiten Nordansteuerung Stralsund, vor Sassnitz, Ladebow bei Greifswald, Berndshof bei Ueckermünde, Boddenkette westlich der Meiningenbrücke und Timmendorf/Poel inkl.

Umbau Lotsenanleger

Baumaßnahmen Dänholmkanal

Modernisierung Verkehrszentrale Hohe Düne

Wiedervernässung Polder Werre

Neubau Richtfeuerlinie Hohen Wieschendorf

Herr Brydda, der Seekanal Rostock soll laut Bundesverkehrswegeplan von 14,5 auf 16,5 Meter vertieft werden, so dass künftig Schiffe mit einer Maximalbeladung von 120 000 Tonnen anlegen können. Wie ist der Stand der Planungen?

Holger Brydda: Mit dem Wasserstraßenausbaugesetz und der Verabschiedung des Bundeshaushalts ist die Vertiefung beschlossene Sache – drei neu eingestellte Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Planung. Wenn das Planfeststellungsverfahren und alle anderen Formalien erfüllt sind, kann es losgehen.

Wann wird es so weit sein?

Nach derzeitigem Planungsstand wollen wir Ende 2018/Anfang 2019 das Planfeststellungsverfahren beantragen. Wenn alles glatt läuft, würden 2020 die ersten Bagger kommen, die dann rund zweieinhalb Jahre zu tun haben werden.

Bis zum Stadtjubiläum 2018 sollte auch der Rostocker Stadthafen ausgebaggert werden. Jetzt bremst Gift im Sediment die Arbeiten...

Ja, der Schadstoffgehalt im Warnow-Schlick übersteigt die Grenzwerte für eine Ablagerung auf unseren oder den städtischen Spülfeldern. Wir müssen eine Alternative finden. Doch die dürfte teuer werden und bringt unseren Zeitplan vollkommen durcheinander.

Noch ein Problem in Rostock: Gibt es eine Lösung für die Warnowschleuse Mühlendamm?

Nein, bislang nicht. Fakt ist: Die Schleuse ist nicht wirtschaftlich zu betreiben und kein Teil einer Schleusenkette. Dennoch hat der Bund angeboten, 50 Prozent der Sanierungskosten zu tragen, wenn sich ein Sanierungsträger und ein neuer Eigentümer finden. Den Rest plus Kosten für die Unterhaltung müssten Stadt, Land oder ein noch zu findender Dritter tragen.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Unser Plan war, die Schleuse mit Sand zu verfüllen und eine Bootsschleppe in der Schleusenkammer zu errichten. Damit wäre allen Ruderern und Kanuten schnell geholfen. Aber eine Reaktion seitens des Landes MV steht nach wie vor aus. Technisch wäre es aber auch denkbar, den Warnow-Zugang zu öffnen und den Oberlauf durch ein flexibles Schlauchwehr gegen seeseitiges Hochwasser zu sichern. Dann könnten Schiffe und Sportboote beliebig – außer bei Hochwasser – die derzeitige Schleuse passieren.

Die Ansteuerung Wismar soll auf 11,5 Meter vertieft werden. Wie steht es um die Vorbereitungen?

Die Planungen sind deutlich komplizierter als die in Rostock: In der Wismarbucht gibt es mehrere FFH-Gebiete mit hohem Schutzstatus – zum Beispiel Muschelbänke. Hier müssen wir klären, welche Folgen die Baggerarbeiten auf die Umwelt hätten. Wie verändert sich der Salzgehalt? Wächst die Gefahr von Hochwasser? Problem: Die vorbereitenden Untersuchungen hat unser Schwesteramt in Lübeck vorgenommen und 2012 einstellen müssen. Da ist viel veraltet und wir müssen schauen, was erneuert werden muss.

Das hört sich recht kompliziert an – wann können die Bagger starten?

Das wird noch einige Zeit dauern.

Aber Genting drängelt...

Das ist klar, und der Bund bemüht sich auch, hat zum Beispiel drei zusätzliche unbefristete Stellen konkret hierfür im Bundeshaushalt 2017 bewilligt. Aber dennoch können wir Recht und Gesetz nicht aushebeln. Wir haben hier eine hochwertige und schützenswerte Natur, die es zu wahren gilt. So ein Abwägungsprozess muss rechtssicher durchgeführt werden, das dauert in einem Rechtsstaat nun mal.

Das letzte Sturmhochwasser hat vielen Stränden in MV arg zugesetzt – zum Beispiel in Zempin auf Usedom. Zusätzlich gibt es Probleme mit dem Sandabbau in der Ostsee, um die Strände wieder aufzuspülen. Hat Herr Backhaus schon angerufen und gefragt, wo Sie baggern und ob Sie vielleicht Sand übrig haben?

Nein, nicht persönlich. Aber wir haben Kontakt zu seinen zuständigen Beamten. Wir hätten zum Beispiel einige hunderttausend Kubikmeter sandiges Material – auf dem Spülfeld Peenemünde. Das stammt von Baggerarbeiten für die Herstellung der Zu- und Abläufe des Kernkraftwerks Lubmin. Eine ähnliche Zusammenarbeit gab es Ende 2015 – da hatten wir Sand aus der Nordansteuerung Stralsund für eine Strandvorspülung vor Hiddensee geliefert. Das könnten wir in diesem Jahr wiederholen. Ebenso wäre eine Zusammenarbeit im Bereich Zufahrt Rostock möglich.

Künftig soll es bundesweit statt 39 Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern 17 Reviere geben. So soll ein Ostseeamt die Aufgaben der Ämter in Stralsund und Lübeck übernehmen – und Sie sind für die Organisation der Fusion zuständig. Wann geht es los?

Die Verschmelzung startet noch in diesem Jahr. Mitte März gibt es eine erste Kick-off-Veranstaltung.

Die Fusion betrifft rund 250 Mitarbeiter in Lübeck und 280 in Stralsund – wie ist die Stimmung?

Viele sehen den Änderungen optimistisch entgegen, einige sind aber auch verunsichert. Fakt ist: Die beiden Standorte bleiben erhalten, es werden keine Mitarbeiter entlassen, und niemand wird gegen seinen Willen versetzt. Dennoch ist das eine ziemliche Herausforderung. Ziel ist, eine Reformrendite zu erzielen und die gewachsene Aufgabenfülle besser zu erledigen. Interview:

Thomas Luczak

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