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Zander-Zucht: Vom Ei zum Speisefisch

Hohen Wangelin Zander-Zucht: Vom Ei zum Speisefisch

In Hohen Wangelin erforscht das Institut für Fischerei den Lebenszyklus der Tiere

Hohen Wangelin. Das Leben – ein ewiger Kreislauf: Beim Zander, einem begehrten Speisefisch, dauert es von der Larve bis zur Laichreife etwa zwei Jahre. Dann können sich die Tiere fortpflanzen, und der Kreis schließt sich. Voraussetzung: Der Zander schwimmt in für ihn angenehm temperiertem, sauberem Wasser, bekommt genug Kraftfutter und hat keinen Stress. Diese – hier grob skizzierten – optimalen Bedingungen haben die Tiere in der Labor- und Experimentalanlage für die Zander-Zucht in Hohen Wangelin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Diese Aquakultur ist ein in Deutschland einzigartiges Projekt. 2011 wurde die rund 4,5 Millionen teure Pilotanlage der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) in Betrieb genommen. Das damals verkündete Ziel lautete: Rund 40 Tonnen Zander sollen ab 2015 pro Jahr in den Becken produziert werden.

Von dem Plan sind die Betreiber inzwischen jedoch abgerückt. Stattdessen liege der Schwerpunkt nun auf der Zucht und der Produktion von Jungfischen für den Besatz, erklärt der Leiter des Instituts für Fischerei der LFA, Carsten Kühn. Die Satzfische werden mit einem Gewicht zwischen zehn und 300 Gramm an Fischer, Angelvereine oder Fischmastbetriebe verkauft – rund sechs Tonnen pro Jahr, also „mehrere 10000 Stück“.

Damit ein Jungzander die Anlage gesund und munter verlassen kann, erforschen und optimieren die Wissenschaftler in Hohen Wangelin die geschlossene Warmwasserkreislauftechnologie. „Die Jungtiere sind in der Lebensphase nach dem Schlüpfen bis zu einem Gewicht von 50 Gramm besonders stressanfällig“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Fischerei, Marcus Stüeken.

Daher sei es eine Aufgabe der Forscher, möglichst robuste Bestände heranzuzüchten. Und das fängt bei der Auswahl der stärksten Stämme an. Denn genetisch ist Zander nicht gleich Zander. Als geeignet haben sich Zander etwa aus den Regionen Müritz und Potsdam erwiesen.

In der LFA-Aquakulturanlage wird der gesamte Lebenszyklus der Zander erforscht und erprobt – vom Ei zum Speisefisch. Leise und sauber geht es in der Halle auf dem weitläufigen Betriebsgelände des Unternehmens Müritz-Fleisch zu. Maschinen summen, Wasser plätschert und in den runden Becken ziehen Zander verschiedener Größen ihre Kreise.

Bei der Zucht beginnt alles mit einem künstlichen Winter, der den Fischen durch weniger Licht und niedrige Temperaturen vorgegaukelt wird. Anschließend laichen die Muttertiere auf Kokosmatten ab.

Zwei bis drei Tage dauert es, bis die Larven im sauerstoffreichen Wasser schlüpfen. Wenn der Dotter aufgezehrt ist, werden die wenige Millimeter großen Tierchen mit winzigen Krebsen gefüttert, bis sie – inzwischen etwa einen Zentimeter groß – nach weiteren ein bis zwei Wochen in größere Becken umgesetzt und an Trockenfutter gewöhnt werden. Und so geht es weiter durch die Becken – bis die Tiere entweder als Besatzfische verkauft oder zu stattlichen Exemplaren aufgezogen für die weitere Reproduktion genutzt werden.

Doch warum ausgerechnet Zander? „In ganz Europa gibt es nicht genug Satzfische, um den steigenden Bedarf zu decken“, betont Kühn. Der Zander sei ein Speisefisch, der hochpreisig und daher lukrativ für die Wirtschaft sei. Kleine Filets in Supermärkten würden häufig aus überfischten Beständen in Osteuropa stammen. „Diesem Raubbau wollen wir mit der Aufzucht in Aquakulturen entgegentreten“, sagt der Diplom-Biologe.

Axel Meyer

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