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Zu wenig Geld für Kanäle und Schleusen

Kiel/Rostock Zu wenig Geld für Kanäle und Schleusen

Altersschwache Wasserstraßen bremsen Schiffe aus. Für eine zügige Modernisierung fehlt es auch an Ingenieuren und Juristen.

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Schleuse am Wesel-Datteln-Kanal in Datteln.

Quelle: Arnulf Stoffel/dpa

Kiel. Stuttgart 21, Berliner Flughafen, marode Autobahnen: Probleme mit Schiene, Luftfahrt und Straße lösen oft Aufregung aus.

Kanäle und Flüsse fristen eher ein Schattendasein, obwohl ihre wirtschaftliche Bedeutung enorm ist. Der Sanierungsstau an den mehr als 2000 Schleusen, Hebe- und Pumpwerken, Wehren und Brücken ist es auch. „Die Hälfte der Schleusen ist 80 bis 100 Jahre alt“, sagt Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schiffbau.

„Die Wasserstraßen stehen leider nicht so im Fokus“, beklagt Verkehrs- und Haushaltsexperte Eckhardt Rehberg, Beauftragter der Union im Bundestag für die Maritime Wirtschaft.

„Wie bei Straße und Schiene ist es in den letzten zwei Jahrzehnten bei unterschiedlichen parteipolitischen Konstellationen versäumt worden, ausreichend Geld für die Infrastruktur bereitzustellen.“

Allein zum Erhalt der Substanz würde laut Witte jährlich eine Milliarde Euro benötigt. 2014 gibt es für Ersatz und Ausbau nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums 727 Millionen, 2015 dann 691 Millionen. In der Prioritätenliste folgen dem Nord-Ostsee-Kanal das westdeutsche Kanalnetz, Main, Mosel, Neckar, Rhein, die Verbindungen nach Berlin und die Anbindung der Seehäfen. 227 Millionen Tonnen Güter wurden 2013 auf deutschen Flüssen und Kanälen befördert. 400 000 Arbeitsplätze hängen von Binnenschifffahrt und Häfen ab.

„Die Bundeswasserstraßen werden seit Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren“, kritisiert Jörg Rusche vom Bundesverband der Binnenschifffahrt. „Um den Sanierungsstau zu beheben, müssen Investitionsmittel konsequent nach volkswirtschaftlichem Nutzen priorisiert und zusätzliche Planungskapazitäten geschaffen werden“, fordert Dieter Schweer aus der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

Außer Geld fehlen Ingenieure und Juristen. „Mit unserem heutigen Planungspersonal können wir ein Investitionsvolumen von 450 bis 500 Millionen Euro im Jahr umsetzen“, betont Verwaltungschef Witte. Der Substanzerhalt erfordere das Doppelte an Kapazität. 2013 wurden 200 Millionen Euro aus dem Wasserstraßenetat nicht abgerufen, weil Projekte nicht baureif waren.

Von den fünf Milliarden Euro, die der Bund bis 2017 zusätzlich in die Infrastruktur steckt, sind nur 350 Millionen für Wasserstraßen bestimmt. Der Löwenanteil entfällt auf den Nord-Ostsee-Kanal zwischen Kiel und Brunsbüttel, den jährlich mehr als 30 000 Schiffe passieren. In Brunsbüttel soll bis 2020 eine neue Schleuse entstehen.

7300 Kilometer Wasserweg
Die Wasserwege sind ein wichtiger Teil des deutschen Verkehrsnetzes. Allein die Bundeswasserstraßen ziehen sich auf mehr als 7300 Kilometern durch die Republik — drei Viertel der Strecken sind Flüsse und ein Viertel Kanäle. 450 Schleusenkammern und 290 Wehre müssen erhalten oder ausgebaut werden. Geldmangel verzögert das oft, so steigen die Kosten.

 



Wolfgang Schmidt

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