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00:52 14.05.2017
Urgestein: Peter Urban kommentiert seit 20 Jahren den Eurovision Song Contest. Quelle: Andreas Arnold
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Hamburg (dpa) – Als Peter Urban zum ersten Mal beim Eurovision Song Contest (ESC) für das deutsche Fernsehen hinter dem Mikrofon sitzt, ist mal wieder Ralph Siegel am Start. Dessen Schützling Bianca Shomburg landet am Ende auf Platz 18. Es ist die Zeit, als noch vom Grand Prix Eurovision de la Chanson die Rede ist. Das Jahr nach dem ersten Finale ohne Deutschland, weil Leons „Blauer Planet“ 1996 eine Vorauswahl nicht überstand. Innerhalb der ARD ist seit mehr als einem Jahr der Norddeutsche Rundfunk (NDR) verantwortlich für die Show und dessen Musikexperte Urban gibt in Irland seinen Einstand. 20 Jahre ist das her - und zum 20. Mal wird er nun ein Finale kommentieren.

„Als ich 1997 nach Dublin flog, war für den Sender nur noch der verantwortliche Redakteur dabei, sonst niemand“, erinnert sich der heute 69-Jährige an jene Zeit, bevor die ESC-Auftritte von Guildo Horn (1998) und Stefan Raab (2000) Schlagzeilen und Einschaltquoten lieferten. „Der ESC-Kosmos ist im Laufe der Jahre so viel größer geworden“, sagt er. „Heute reist ein Team aus Fernsehleuten, Online- und Radioreportern und Filmteams mit – und das ist bei allen Ländern so.“ Nahmen 1997 noch 25 Länder teil, waren es in Kiew bei den Halbfinalshows insgesamt 42 gewesen.

Auch die Arbeitsweise von Urban, seit mehr als 40 Jahren beim NDR, sah bei seiner Premiere als deutsche Stimme des ESC noch anders aus: „Ich war so locker-naiv, dass ich mir nur Stichpunkte notiert hatte, die ich manchmal gar nicht mal mehr entziffern konnte.“ Dem Zufall überlässt er in seiner Kommentatorenkabine längst nichts mehr. „Auch wenn es manchmal so spontan klingt, was ich sage: Es ist alles vorher überlegt und aufgeschrieben.“ Er habe schließlich für jeden Beitrag nur 30 Sekunden Zeit. Nach wie vor lese er vom Papier ab, alles andere sei ihm zu riskant.

Ironie und Wortwitz sind die Markenzeichen des Moderators, der Anglistik und Geschichte studierte und seine Doktorarbeit der Musik widmete („Rollende Worte - Die Poesie des Rock“). Manchmal reagierten Zuschauer sehr empfindlich auf seine Worte. „Dem deutschen Beitrag gegenüber bin ich immer loyal, während ich mich bei den anderen auch ein bisschen amüsiert oder süffisant äußern kann“, erklärt er. „Aber ich mache keine Bemerkungen über Nationalitäten, ich kommentiere die Songs.“ Die Kommentare des Mannes mit der markanten Stimme sind Kult. „Keiner bringt das Gesehene besser auf den Punkt als er“, sagte Moderatorin Barbara Schöneberger, selbst ESC-Expertin, mal über „The Voice of ESC“.

Urban wisse, „wie man mit wenigen wohlgesetzten Worten ein Brimborium auf Normalmaß zurechtstutzt“, schrieb Medienkritiker Hans Hoff über ihn. „Erst durch Urbans Ironie wird die Show zum Ereignis, ohne ihn wäre sie ein Nichts.“ Oder wie es der NDR mal über sein Urgestein formulierte: „Reden ist Silber, Peter Urban ist Gold“. Ganz selten bereute der Experte einen Kommentar: „wenn ich mal zu böse mit einem Lied umgegangen bin, das viele Leute dann doch sehr gut fanden.“ Einmal habe er einen Beitrag schon vor dem ersten Ton komplett niedergemacht - „das geht nicht“. 

Das musikalische ESC-Niveau habe sich sehr verbessert, findet der Fachmann, der selbst gelegentlich mit eigener Band auftritt. „Heute klingt alles internationalisiert nach moderner Popmusik.“ Ihm fehle aber der nationale Charakter. „Viele Länder setzen auf schwedische Komponisten und Produzenten, weil sie denken, damit mehr Erfolg zu haben. Das macht vieles leider einheitlich.“ Spezielles wie in diesem Jahr aus Portugal könne da gut herausstechen: „eine Ballade, die aus den 20er Jahren stammen könnte, von Streichquartett begleitet und auf Portugiesisch – das geht sofort ans Herz.“ Zu seinen Favoriten zählt auch Belgien, „und an Italien kommt man diesmal sowieso schwer vorbei“.

Und Deutschlands Levina („Perfect Life“)? „Ich bin ziemlich sicher, dass es für sie wenigstens ein Platz um die 15 herum wird“, ist Urban nach den letzten Platzierungen der vergangenen Jahre zuversichtlich. „Aber die Konkurrenz ist hart.“ Natürlich jubele er hinterm Mikrofon lieber, als dass er trösten und nach Erklärungen für Niederlagen suchen müsse. „Für mich kann es aber auch ein gelungenes ESC-Jahr sein, obwohl Deutschland schlecht abgeschnitten hat. Es ist schließlich die größte TV-Musik-Show der Welt“, sagt der Journalist, der seit 2013 offiziell im Ruhestand ist, aber noch immer fürs NDR-Radio moderiert.

Dienstältester sei er unter den ESC-Kommentatoren, sagt er - und will das möglichst noch lange bleiben. „Mr. Grand Prix“ nennen ihn viele - ein Titel, den er mit dem unermüdlichen ESC-Kämpfer Siegel gemeinsam hat. „Der Mann ist so voller Leidenschaft für diese Sache – der ESC ist wie eine Droge für ihn“, sagt Urban über den 71-Jährigen. Zum 25. Mal ist Siegel dabei, diesmal mit San Marino. Urban musste nur einen Einsatz (2009) absagen, wegen einer Operation an der Hüfte. Acht solcher Eingriffe habe er hinter sich, erzählt der Vater einer Tochter, die gerade Abitur macht, und eines Sohnes (7. Klasse). „Den ESC wird es ewig geben“, sagt er. „Und ich fühle mich fit für die nächsten Jahre.“

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