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Wirtschaft Selbstbedienung am Düngerterminal
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00:01 11.05.2017
Das Yara-Düngemittelwerk in Poppendorf bei Rostock produziert pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen Dünger. Im Vordergrund: das neue Verladeterminal. FOTOS (4): DIETMAR LILIENTHAL

Kraftfahrer Andreas Sachtleben von der Rostocker Spedition SMV-Transporte gibt am Pult seine PIN-Nummer ein, beantwortet am Bildschirm mehrere Fragen, drückt den Startbefehl – dann wird sein Lkw automatisch beladen. Staubfrei prasseln 25 Tonnen Dünger aus dem Silo ins Innere des Wagens. Fast 19 Millionen Euro hat das Yara-Düngemittelwerk in Poppendorf bei Rostock in ein neues Verladeterminal investiert. Pro Stunde können 200 Schüttgut-Säcke – sogenannte Big Bags – und 300 Tonnen loser Mineraldünger verladen werden.

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Yara-Werk in Poppendorf bei Rostock investiert 19 Millionen in Verladetechnik

Als jedoch das Projektteam bei der offiziellen Inbetriebnahme gestern den symbolischen blauen Knopf drückt, passiert gar nichts. Rostocks Yara-Chef, Donald Höpfner, nimmt’s mit Humor: „Der klassische Vorführeffekt.“ Einige Minuten später füllen sich die Säcke. „Mit der neuen Anlage können wir effektiver und flexibler arbeiten“, erläutert der 44-Jährige, der an der Rostocker Universität Chemie studiert und promoviert hatte und das Werk seit 2013 leitet.

Künftig sollen pro Jahr bis zu 400000 Tonnen Yara-Dünger in Big Bags abgefüllt werden – zehnmal so viel wie bisher. Mit 250 Mitarbeitern sei das Poppendorfer Werk eines „der zuverlässigsten und effizientesten im Yara-Konzern“, so Höpfner. Insgesamt produziert der Betrieb jährlich 1,5 Millionen Tonnen Stickstoffdünger und ist damit im weltweiten Yara-Verbund der zweitgrößte Nitratdünger-Hersteller.

Aus dem Schweriner Agrarministerium kommt Applaus für das Yara-Engagement. „Wir begrüßen, dass ausländische Konzerne in Mecklenburg-Vorpommern investieren. Und wenn sie es wie Yara ohne Fördermittel tun, freuen wir uns doppelt“, meint Agrar-Staatssekretär Jürgen Buchwald.

Das heißeste Eisen des Tages spricht Buchwald ohne Umschweife an: „Wir müssen mit Dünger aber anders umgehen.“ Um die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft zu reduzieren, soll künftig bedarfsgerechter gedüngt werden. Buchwald: „Wir tragen Verantwortung dafür, dass unsere Kinder in einer gesunden Umwelt leben und sauberes Trinkwasser zur Verfügung haben.“ Konkret heißt das: „Die Nährstoffeinträge in Gewässer sind zu minimieren. “

Der Yara-Konzern verschließt sich dem nicht. „Wir wissen, dass wir um das Umweltthema nicht herumkommen“, sagt Markus Himken, Geschäftsführer der Yara-Verkaufsorganisation für Deutschland, die Schweiz und die Benelux-Staaten. Er meint jedoch: „Fachleute wissen, dass die meisten Probleme beim Überdüngen nicht vom Mineraldünger, sondern vom organischen Dünger kommen.“ Beim Ausbringen der Gülle müssen die Bauern künftig genauer hinschauen. Das schreibe auch die neue Düngerverordnung vor. Himken: „Die Zeit einfacher Standardkonzepte ist vorbei.“

Yara bietet den Bauern Unterstützung für die standortgerechte Düngung an. „Der Nährstoffbedarf der Pflanzen ist auf jedem Feld anders, manchmal sogar von Quadratmeter zu Quadratmeter.“ Deshalb müsste modernste Technik genutzt werden – Wettersatelliten, Drohnen und Sensoren zum Beispiel. Für den Raps sei eine App entwickelt worden, mit der Landwirte messen können, wie viel Stickstoff die Pflanzen schon aufgenommen haben. Der Mineraldünger aus Poppendorf wird vor allem in Norddeutschland verkauft, neben Mecklenburg-Vorpommern auch in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Rund 50 Prozent gehen ins Ausland, unter anderem nach Skandinavien und Polen.

In MV wird der größte Teil des Mineraldüngers bisher als lose Ware verkauft, in Polen dagegen haben sich Big Bags schon stärker durchgesetzt. In den Kunststoffsäcken, die 600 bis 1000 Kilo Dünger fassen, sei die Ware besser vor Feuchtigkeit geschützt, erläutert Manager Himken. Außerdem könne der Dünger direkt in die Agrarbetriebe gebracht werden, ohne Zwischenlagerung bei Großhändlern.

„Dieser Transportweg wird sich durchsetzen“, ist Himken überzeugt. Allerdings: Für die Bauern wird der Dünger dadurch etwas teurer – pro Tonne werden fünf Euro mehr fällig, einschließlich der späteren Entsorgung der Säcke.

Der Yara-Konzern: weltweit 15500 Beschäftigte

30 Standorte hat der Yara-Konzern weltweit. Neben Skandinavien gibt es Werke unter anderem in den Niederlanden, Frankreich, Italien, Kanada, den USA und Brasilien. In Deutschland hat das 1905 in Norwegen gegründete Unternehmen drei Standorte: Rostock-Poppendorf (250 Mitarbeiter), Dülmen in Nordrhein-Westfalen (400 Mitarbeiter) und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein (220).

Weltweit beschäftigt der Konzern 15500 Mitarbeiter. Yara verkauft Mineraldünger in 160 Länder.

Richtige Menge zur rechten Zeit

Chemiefabriken sind oft Dreckschleudern. Trifft das auch auf das Rostocker Düngemittelwerk zu?

Donald Höpfner: Nein, die Umweltbelastung durch unser Werk ist gering. Als es 1984 in Betrieb ging, war es das modernste Düngemittelwerk der Welt. Von einer französischen Firma errichtet, erfüllte es schon Standards, nach denen wir heute noch produzieren dürften. Seitdem sind rund 100 Millionen investiert worden, viel davon in die Verbesserung der Umwelttechnik. Heute unterbieten wir die gesetzlichen Emissionswerte im Schnitt um 60 Prozent, beim sensiblen Stickstoffmonoxid gar um 80 Prozent.

Eine neue Verordnung setzt Bauern strengere Grenzen beim Düngereinsatz. Behindert das Ihre Geschäfte?

Wir gehen davon aus, dass der Mineraldüngerverbrauch auf längere Sicht um gut zehn Prozent sinkt. Bisher haben Bauern beim Düngen viel mit Standardkonzepten gearbeitet. Künftig kommt es darauf an, die richtige Menge zur rechten Zeitam richtigen Standort zu düngen. Dabei unterstützen wir Bauern.

Wie geschieht das?

Yara betreibt auf dem Hannighof in Dülmen ein Institut für Pflanzenernährung, dort forschen 25 Wissenschaftler an effektiven Verfahren. Sie haben Sensoren und Stickstoff-Tester entwickelt, die den Nährstoffbedarf der Pflanzen messen, damit Bordcomputer Düngerstreuer exakt steuern können. ee

Elke Ehlers

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