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Wirtschaft „Selbstständigkeit nicht einen Moment bereut“
Nachrichten Wirtschaft „Selbstständigkeit nicht einen Moment bereut“
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00:00 08.06.2017
Drechow

Welche Voraussetzungen und wie viel Mut braucht man, um sich mit einer Geschäftsidee selbstständig zu machen? OZ sprach mit Carola Bänder (46) aus Drechow bei Stralsund, Herausgeberin der Familien-Zeitschrift „Land-“ bzw. „Sommerknirpse“ und etlicher anderer Druckerzeugnisse. Neustes Produkt aus ihrem cbm-Verlag: die Kolumnen-Sammlung „Ach Mami“, die auch in den OZ-Verlagshäusern erhältlich ist.

Sie sind Wirtschaftswissenschaftlerin, hatten einen sicheren, unbefristeten Job. Warum haben Sie den aufgegeben, um sich selbstständig zu machen?

Carola Bänder: Ich war mit meiner Tochter in Elternzeit und hatte viele Fragen: Wo finde ich eine Krabbelgruppe? Wo gibt es eine Sportgruppe für meinen damals fünfjährigen Sohn? Er will ein Instrument lernen – wer kann behilflich sein? Da habe ich die Familien-Zeitschrift „Wribbel“ aus Rostock gesehen – und die hat solche und viele andere Fragen beantwortet. So entstand die Idee, etwas Ähnliches auch für den Osten des Landes zu machen.

Seit 2007 gibt es Ihre Zeitschrift – haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit schon bereut?

Nein, nicht einen Moment! Mein Büro ist bei mir zu Hause, ich kann mir meine Arbeit frei einteilen, meine Inspirationen und Ideen verwirklichen. Ich beschäftige ab und an freie Mitarbeiter, den Großteil mache ich selbst: Redaktion, Layout, Anzeigen, Verlag ...

Wie wichtig ist Eigenkapital, wie viel brauchten Sie zum Start?

Ich brauchte gar kein Eigenkapital – ich bekam für zweieinhalb Jahre EU- und Landesfördermittel. Das war ein großes Glück und hat mir sehr geholfen. Seit 2009 bin ich zu 100 Prozent selbstständig.

Ihre Zeitschrift ist kostenlos – sie liegt unter anderem in Kitas, Bibliotheken, Ämtern und Freizeiteinrichtungen aus. Wie wird sie finanziert?

Zu 100 Prozent durch Anzeigen. Die Frage „Habe ich auch im kommenden Quartal genug Einnahmen, um zu erscheinen?“ macht zwar Stress, aber: Mittlerweile habe ich mir einen Namen gemacht, mir Vertrauen erworben, mit Verlässlichkeit viele Stammkunden gewonnen.

Woher kommen die Themen?

Die kommen aus meinem eigenen Familienumfeld. Und ich frage mich immer: Was will ich selbst lesen? Und woran könnten meine Leser Interesse haben?

Hatten Sie Angst vor dem Schritt in die Selbstständigkeit?

Nein. Meine Eltern haben sich 1979 selbstständig gemacht – da war ich acht Jahre alt und später oft mit eingespannt. Mein Partner arbeitet selbstständig, meine beiden Brüder ebenso – da lag das quasi auf der Hand.

Dennoch: Die Zahl der Existenzgründer in MV sinkt seit Jahren. Was müsste sich ändern, damit mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen?

Hier im Osten Deutschlands war es ja jahrzehntelang nicht selbstverständlich, Unternehmer zu werden. Umso wichtiger ist es, dass man schon in der Schule selbstständig an Projekten arbeiten kann, dass an der Uni Eigenverantwortung unterstützt und gefordert wird.

Wie muss ein guter Unternehmer sein?

Er muss für seine Idee brennen, sich mit ihr identifizieren, in ihr aufgehen. Er muss entscheidungsfreudig sein – und Spaß an der Sache haben.

Interview: Thomas Luczak

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