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Siemens schaltet bei Wachstum zurück

Börsenpläne für Medizintechnik Siemens schaltet bei Wachstum zurück

Noch läuft es rund bei Siemens - aber schon in den kommenden Monaten könnte der Konzern wieder etwas an Tempo verlieren. Mit der Medizintechnik soll eine Ertragsperle des Konzerns an die Börse.

München. Der Elektrokonzern Siemens rechnet nach einem guten Geschäftsjahr mit mehr Gegenwind. Vorstandschef Joe Kaeser sprach am Donnerstag von unsicheren Aussichten fürs Geschäft und Investitionsklima.

Die Prognose für 2016/17 (Ende September) sei ambitioniert und lasse nicht viel Raum für Fehler. Dem Aktienkurs tat das keinen Abbruch: Das Papier legte zeitweise um 4,5 Prozent zu und markierte einen Höchststand seit Anfang 2008. Viele Branchenexperten rechnen bei dem Dax-Konzern mit mehr Umsatz und Gewinn als das Unternehmen selbst.

Konkret rechnet sich Siemens nach dem Umsatzplus von zuvor 5 Prozent nur noch einen geringen Zuwachs ohne Zukäufe und Wechselkurseffekte aus. Für den Gewinn peilt das Unternehmen eine Spanne von rund 5,8 bis 6,1 Milliarden Euro an. Dabei will der Konzern auch von Kostensenkungen profitieren. Das abgelaufene Jahr sei eines der besten in der Geschichte gewesen, sagte Kaeser. Nun werde man weiter mit voller Konzentration an der Umsetzung des Unternehmensprogramms „Vision 2020“ arbeiten, mit dem Siemens wachstumsstärker und schlagkräftiger gemacht werden soll.

Bei der Medizintechnik macht Siemens mit einer geplanten Börsennotierung den nächsten Schritt, die Sparte auf eigene Beine zu stellen. Über Umfang und Zeitpunkt eines Börsengangs muss noch entschieden werden. Das hänge auch davon ab, wie aufnahmefähig der Markt sei, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas. Die im Siemens-Konzern vergleichsweise profitable Sparte habe ihre Zukunft aber nach wie vor „unter dem Dach von Siemens“. Mit der Suche nach externen Investoren wolle man sich auch für den hohen Investitionsbedarf in den kommenden Jahren wappnen.

Die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten wollte Kaeser derweil nicht als Stolperstein für die Geschäfte verstanden wissen. Beobachter fürchten nach dem Wahlausgang Änderungen in der US-Wirtschaftspolitik und im Verhältnis etwa zum Iran. Ihn beunruhige der Brexit Großbritanniens mehr als die Wahl Trumps zum Präsidenten, sagte Kaeser.

Im neuen Jahr sollen die angeschobenen Kosteneinsparungen bei Siemens weiter greifen. Pro Jahr will das Unternehmen drei bis fünf Prozent produktiver werden. Die operative Marge im Industriegeschäft peilt der Konzern zwischen 10,5 und 11,5 Prozent an - im Vorjahr hatte sie bei 10,8 Prozent gelegen. Analysten erwarten im Schnitt bereits knapp 11,3 Prozent.

Derzeit sind die Bücher mit 113 Milliarden Euro an Aufträgen gut gefüllt. Bei rund vier Fünftel davon wisse Siemens schon jetzt, wann daraus Umsatz werde, sagte Thomas. Außerdem versprächen die vorliegenden Bestellungen auch gute, lukrative Deals. Im vierten Quartal verlor das Unternehmen im Vergleich mit dem starken Vorjahresquartal beim Auftragseingang wegen eines Rückgangs der Großaufträge etwas an Schwung.

Im vergangenen Geschäftsjahr schafften die Münchner vor allem dank milliardenschwerer Kraftwerksaufträge in Ägypten und im Windkraftbereich ein Umsatzplus um fünf Prozent auf 79,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um 5 Prozent auf 86,5 Milliarden Euro zu. Nach Steuern verdiente das Unternehmen 5,6 Milliarden Euro. Der Vorjahreswert von 7,4 Milliarden Euro hatte noch Erlöse aus dem Verkauf des Siemens-Anteils am Hausgerätehersteller BSH an Bosch sowie der Hörgerätesparte enthalten. Kaeser hatte die Prognose angesichts des guten Geschäftsverlaufs im vergangenen Jahr zwei Mal angehoben.

Acht von neun Sparten lieferten Ergebnisse im Rahmen der gesteckten Ziele ab, rund lief es vor allem auch in der Medizintechnik. In der Problemsparte mit großen Antrieben und der Prozessindustrie fiel wegen Umbaukosten von 199 Millionen Euro im Schlussquartal dagegen ein operativer Verlust an. Siemens hatte hier rund 2500 Arbeitsplätze gestrichen, davon 2000 in Deutschland.

Die Dividende soll von 3,50 Euro je Papier auf 3,60 Euro zulegen. Das lasse Raum, bei den Ausschüttungen auch künftig keinen Schritt zurück machen zu müssen, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas.

dpa

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