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Sommer-Boom auf dem Bau: Handwerk arbeitet unter Volllast

Rostock Sommer-Boom auf dem Bau: Handwerk arbeitet unter Volllast

Der Rückstand nach dem langen, kalten Winter wird jetzt langsam abgearbeitet. Neue Kunden müssen teilweise schon auf freie Termine warten.

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Egbert Martens (l., 49) und Friedrich Schicht (58) am Vögenteichplatz in Rostock. Dort entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus.

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Auf den Baustellen des Landes herrscht derzeit Hochbetrieb: Die Branche nutzt das schöne Wetter, um den Auftragsrückstau, der sich wegen des langen, kalten Winters gebildet hat, nach und nach abzuarbeiten. Die Bauunternehmen arbeiten unter Volllast — jede Hand, die zupacken kann, wird gebraucht. Einige Firmen stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen und brauchen dringend Verstärkung, doch der Arbeitsmarkt für Baufacharbeiter ist leer gefegt. Und der Nachwuchs ist rar gesät. Für neue Kunden bedeutet das teils lange Wartezeiten, bis sie einen Termin bekommen.

„Bis Mitte April konnten wir gar nicht arbeiten. Jetzt haben die meisten Firmen gut zu tun“, sagt Jörg Schnell, Hauptgeschäftsführer des Bauverbands MV. Vor allem der Wohnungs- und Eigenheimbau blühe jetzt dank des Immobilienbooms auf. „Das hilft uns darüber hinweg, dass die Aufträge von der öffentlichen Hand immer weiter zurückgehen.“ Der Wohnungsbau im Land konnte 2012 um satte 23 Prozent zulegen, während öffentliche Aufträge um 12,2 Prozent zurückgingen. Die Nachfrage aus der Wirtschaft sank um 6,4 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten liegt konstant bei rund 16 000. Und es werden wohl trotz der aktuell guten Lage nicht mehr werden: „Der Fachkräftemangel hat die Branche erreicht“, konstatiert Schnell. „Auf dem Arbeitsmarkt sind kaum noch Leute zu bekommen.“ Hinzu komme, dass 2013 nur etwa 150 Lehrlinge ihre Ausbildung beginnen, das ist laut Schnell etwa die Hälfte von dem, was gebraucht wird.

Das bestätigt Rainer Bauer, Obermeister der Bauinnung Bad Doberan-Rostock: „Oft können wir nur noch die Kinder unserer Mitarbeiter für den Beruf gewinnen.“ Dabei würden gerade jetzt junge Leute gebraucht: „Das ist ja das Schöne an einem langen Winter, dass im Sommer genug Arbeit da ist.“ Auch die Wetterbedingungen seien jetzt gut. „Es regnet nicht, und es ist auch nicht zu heiß.“ Gerade für den Straßenbau, in dem Bauer selbst zu Hause ist, sei das optimal.

Zufrieden zeigt sich auch Thomas Richter, Geschäftsführer der Warnemünder Bau GmbH: „Wir bauen an allen Ecken, wir können nicht klagen.“ Wegen der hohen Nachfrage sei es wichtig, gut zu planen, damit auch alle Kunden zufriedengestellt werden können. „Viele sind auch bereits, einen Monat zu warten. Neue Aufträge müssen allerdings auch mal bis in den Herbst verschoben werden“, so Richter. Neue Mitarbeiter könne er nicht einstellen, weil einfach keine da seien: „Die guten Leute stehen schon alle in Lohn und Brot.“

Bei der Hochbau GmbH in Greifswald kommt man noch mit dem Personalbestand aus, obwohl es auch in Greifswald genug zu tun gibt. „Derzeit läuft es so, wie man es sich vorstellt. So könnte es bleiben“, freut sich Geschäftsführer Dirk Herrmann. Noch können fast alle Kundenwünsche erfüllt werden. „Wenn es eng wird, kooperieren wir mit anderen Firmen. Nur wenn einer heute vor der Tür steht und erwartet, dass wir gestern anfangen, das funktioniert nicht.“ Allerdings gelte es aufzupassen, dass man sich nicht übernimmt. „Zur Not muss man dann auch mal Nein sagen“, so Herrmann.

Nervige Ferien-Baustellen
Einheimische und Touristen ärgern sich Jahr für Jahr über nervige Ferien-Baustellen auf den Straßen des Urlaubslandes MV. Der Bauverband weist die Verantwortung dafür von sich:

„Die Kommunen verabschieden oft ihre Haushalte so spät, dass wir zu wenig Planungszeit haben“, sagt Hauptgeschäftsführer Jörg Schnell. „Wir brauchen eine gewisse Vorlaufzeit, etwa für die Materialbeschaffung.“ Der Verband fordere selbst schon lange, früher mit den Planungen beginnen zu können. „Solange das nicht passiert, kann ich leider keine Besserung versprechen“, so Schnell.

 

 

Axel Büssem

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