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Sparer in MV scheuen Anlage-Risiko

Rostock Sparer in MV scheuen Anlage-Risiko

Trotz Niedrigzinsen: Privatkunden setzen auf Sparbuch und Tagesgeld

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Rostock. Die Deutschen mögen’s traditionell. Zumindest wenn es um ihr Geld geht. Das parken sie am liebsten auf Sparbüchern, Tages- oder Festgeldkonten. Obwohl die durch Niedrig- oder Strafzinsen längst keine müde Mark mehr abwerfen und die steigende Inflation mühsam Angespartes auffrisst. Trotzdem scheut Otto Normalverbraucher das Risiko. Fonds und Aktien sind ihm suspekt. Bei Bank- und Sparkassenkunden in Mecklenburg-Vorpommern hat Sicherheit Vorrang vor Rendite. „Im Sparen sind wir Weltmeister, im Clever-Anlegen ein Entwicklungsland“, sagt Karsten Pannwitt, Vorstand der Ostsee-Sparkasse (Ospa) in Rostock. Auf 3,1 Milliarden Euro beläuft sich das Anlagevolumen der Ospa-Privatkunden, nur sechs Millionen Euro davon entfallen auf Depots. Nur jeder zehnte Haushalt, der bei der Ospa Kunde ist, besitzt Fonds oder Wertpapiere. Dabei lohne es sich für jeden, altbewährte Strategien zu überdenken, sagt Pannwitt. „Wer 10000 Euro auf Giro-, Tagesgeldkonto oder Sparbuch hat, nimmt allein für dieses Jahr einen Wertverlust von 200 Euro hin.“

Der Osten hängt am Sparbuch

Karsten Pannwitt, Vorstand Ostsee-Sparkasse

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ANTJE BERNSTEIN

Bei den 65000 Kunden der Volks- und Raiffeisenbank Wismar sind traditionelle Sparer noch in der Überzahl. „Unsere Kunden sind sehr vorsichtig“, sagt Vorstand Dieter Heidenreich. Die meisten hätten Angst – vor Verlusten und Bindung. „Fonds sind nichts fürs schnelle Geld. Viele scheuen sich, langfristig Geld anzulegen.“ Dabei könne, wer geduldig sei und bei Finanzkrisen nicht gleich in Panik verfalle, binnen weniger Jahre gute Renditen erzielen. Bei denen, die das Risiko eingehen, seien Immobilienfonds gefragt. „Da erleben wir gerade einen regelrechten Run.“

Postbankkunden, die nach attraktiven Renditechancen suchen, investieren aktuell bevorzugt in Wertpapiere, Versicherungen und Bausparen, sagt Sprecher Ralf Palm. Bei Anlegern der Commerzbank gewännen Vermögensmanagementfonds und Immobilien an Bedeutung, sagt Daniela Rubbert-Göhner, Niederlassungsleiterin in MV. Wer sein Geld nach wie vor in klassischen Spareinlagen deponiert, könne es „genauso gut ins Sparschwein stecken und hoffen, dass es sich von selbst vermehrt“. Jeder fünfte Commerzbank-Kunde im Land habe sein Sparverhalten inzwischen angepasst. „Je vermögender die Kunden sind, umso mehr steht für sie der Werterhalt ihrer Geldanlagen im Vordergrund, desto sensibilisierter und auch aktiver ist die Kundschaft.“

Privatkunden der Deutschen Bank (DB) zögen bislang kaum Konsequenzen „aus dem Zins-Dilemma“, sagt Stefan Hasse, Filialdirektor in Rostock. Er empfiehlt, Geld zu streuen und in verschiedene Produktklassen anzulegen, um sich gegen Verluste abzusichern. Dabei sollten Anleger aber die Gebührenstrukturen und Kosten im Blick behalten, betont Commerzbank-Sprecher Mathias Paulokat. „Hier verschenken, ja verlieren viele bares Geld, weil sie zu teure Preismodelle wählen.“ Die Bandbreite an Möglichkeiten scheint viele Verbraucher zu überfordern. „Das Unverständnis gerade gegenüber Aktien ist noch weit verbreitet“, sagt DB-Experte Hasse. Musterlösungen gebe es nicht. Wie man Geld am gewinnbringendsten anlegt, hänge von individuellen Faktoren ab, etwa dem Vermögen des Sparers oder seiner Risikobereitschaft.

Sparbuch oder Tagesgeld sollten die Basis jeder Geldanlage sein, sagt Axel Drückler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale MV. „Als Liquiditätsreserve.“ Wenn die Autoreparatur „kreditfinanziert werden muss, können Sie Renditen aus Geldanlagen vergessen“. Sparern empfiehlt er offene Investmentfonds. „Insbesondere ETFs auf marktbreite Indizes.“ Bei Exchange Traded Funds fallen in der Regel keine Ausgabeaufschläge an und die laufenden Kosten sind geringer als bei aktiv gemanagten Investmentfonds. Sie müssen also wesentlich weniger Gewinne erwirtschaften, damit der Anleger eine positive Rendite erzielt. Drückler warnt vor Lockangeboten: Eine Geldanlage könne nicht zugleich sicher, jederzeit verfügbar und hochrentabel sein. „Wenn Ihnen ein Angebot mit vier Prozent Zinsen unterbreitet wird, müssen Sie auch den Totalverlust des Geldes einplanen.“ Zudem sollten Anleger nicht auf einen einzigen Berater vertrauen, sondern sich über mehrere Quellen informieren.

Die Ostdeutschen sind offenbar weniger offen für Veränderungen als der Rest der Republik: Einer von der Versicherung Comdirect in Auftrag gegebenen Forsa- Umfrage zufolge halten acht von zehn Bankkunden in den neuen Bundesländern an altbewährten Geldanlagen fest. Bundesweit haben hingegen 22 Prozent ihr Sparverhalten dem Niedrigzins angepasst. Am behäbigsten sind die Bayern: Hier wollten sich bislang 82 Prozent nicht von alten Spartaktiken trennen.

Anlegerforum: Ostsee-Sparkasse Rostock, Am Vögenteich, 24. und 25.2., 10-17 Uhr, Programm online unter ospa.de/anlegerforum

Antje Bernstein

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