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Stahlkrise trifft Thyssenkrupp

Essen Stahlkrise trifft Thyssenkrupp

Billigimporte aus China und Überkapazitäten - die Krise der Stahlkonzerne trifft nun auch Thyssenkrupp. Langsam steigen die Preise zwar wieder. Doch die Erholung schlägt sich noch nicht in der Bilanz des Konzerns nieder.

Essen. Die stark gesunkenen Stahlpreise haben tiefe Spuren in der Bilanz des Industriekonzerns Thyssenkrupp hinterlassen. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres brach der Gewinn um 62 Prozent auf 37 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen in Essen mitteilte.

Der Umsatz ging um acht Prozent auf 19,4 Milliarden Euro zurück. Der Verfall der Preise sei stärker gewesen und habe länger angedauert als erwartet.

Deshalb senkte der Vorstand die Prognosen für das Ende September endende Gesamtjahr. Zuletzt hatten sich die Preise angesichts besserer Aussichten vor allem der chinesischen Wirtschaft zwar recht deutlich erhöht. Doch das kommt für Thyssenkrupp zu spät, um die bisherigen Einbrüche aufzuholen. An der Börse ging der Kurs des Industriekonzerns zunächst deutlich zurück.

Das Management erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Rückgang des bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf nur noch gut 1,4 Milliarden Euro (1. Halbjahr 2015/16: 560 Mio Euro). Im vergangenen Jahr hatte der Konzern noch knapp 1,7 Milliarden Euro verdient. Bislang lag das Ziel für dieses Jahr bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Auch die Aussicht auf einen deutlich steigenden Nettogewinn gab der Vorstand nun auf. Er hält nun noch einen Überschuss auf dem Niveau des Vorjahres für möglich, als unter dem Strich 210 Millionen Euro übrig geblieben waren.

Die Ergebnisse wären ohne das neuerliche Sparprogramm noch schlechter ausgefallen, denn dies verbesserte allein den operativen Gewinn um 450 Millionen Euro. Im Gesamtjahr soll es Einsparungen von 850 Millionen Euro bringen.

Auch die Finanzlage verschärfte sich wieder. Die Nettoschulden stiegen von Ende Dezember bis Ende März um rund 400 Millionen auf 4,8 Milliarden Euro. Zugleich schmolz das Eigenkapital im gleichen Zeitraum um 600 Millionen auf 2,8 Milliarden Euro.

Grund für die dünneren Finanzpolster sind immer noch die Fehlinvestitionen in den vor mehr als zehn Jahren begonnenen Bau von zwei Stahlwerken in Brasilien und den USA. Sie haben für Milliardenverluste gesorgt und die Substanz des Konzerns aufgezehrt. Während das Werk in den USA seit gut zwei Jahren verkauft ist, lastet die Anlage in Brasilien weiter auf dem Konzern. Sie steckt noch tief in den roten Zahlen.

Im Streit um Stahllieferungen zu Dumpingpreisen forderte der Vorsitzende des EU-Handelsausschusses in Europa, Bernd Lange (SPD), im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ indes eine schnellere Umsetzung von Anti-Dumping-Maßnahmen. Die EU-Kommission müsse das Recht bekommen, auch ohne Klage von betroffenen Unternehmen aktiv zu werden und höhere Strafzölle zu verhängen als bislang. „Wir brauchen ein scharfes Schwert“, sagte Lange.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl berichtete am Dienstag von einer Stabilisierung der Stahlkonjunktur zum Jahresbeginn 2016. In den ersten drei Monaten nahmen die Auftragseingänge bei Walzstahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,2 Prozent auf 10,422 Millionen Tonnen zu. Hintergrund seien jedoch vor allem niedrige Lagerbestände bei Händlern und Verarbeitern gewesen. Die grundlegenden Strukturprobleme der Branche seien davon jedoch nicht berührt.

dpa

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