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Stickstoffdünger belastet Grundwasser

Güstrow Stickstoffdünger belastet Grundwasser

Trinkwasser-Aufbereiter kritisieren Landwirte / Experten suchen Lösungen / 100 neue Messtellen geplant

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Die Einträge aus der Landwirtschaft treiben die Wasserpreise hoch.“ Eckhart Zobel, Zweckverband Wasser- versorgerung Grimmen

Güstrow. „Die bisherigen Anstrengungen im Grundwasserschutz reichen nicht aus, in den nächsten Jahren muss sich mehr tun.“ Der Chef des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in Güstrow, Harald Stegemann, nimmt vor den Bauern kein Blatt vor den Mund. Durch Stickstoffeinträge, die zum größten Teil aus der Landwirtschaft stammen, wird es für die Wasserwirtschaft zunehmend schwieriger, den Verbrauchern sauberes Trinkwasser anzubieten. Fast jeder fünfte Grundwasserkörper im Land weist bereits zu hohe Nitratwerte auf.

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Trinkwasser-Aufbereiter kritisieren Landwirte / Experten suchen Lösungen / 100 neue Messtellen geplant

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Auf einer Fachtagung in Güstrow (Landkreis Rostock) stellte Eckhard Zobel vom Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Grimmen (Vorpommern-Greifswald) die Ergebnisse einer Bachelor-Arbeit vor, in der ein Absolvent der Greifswalder Universität die Probleme mit Nitrat- und Sulfateinträgen im Gebiet um Reinberg bei Grimmen belegt hatte. Sein Fazit: „So kann es nicht weitergehen.“ In Reinberg, aber auch bei Wittenburg (Ludwigslust-Parchim) mussten wegen giftiger Einträge aus der Landwirtschaft 2014 mehrere Brunnen aufgegeben werden. Das Bohren neuer, oft tieferer Brunnen erfordert erhebliche Investitionen, „die den Wasserpreis in die Höhe treiben“. 3,4 Millionen Euro musste der Regionalversorger Rewa in Stralsund für eine neue Filteranlage und die aufwendigere Aufbereitung des Trinkwassers aufbringen. „Kunden zahlen dort jetzt 16,5 Cent mehr pro Kubikmeter.“ Die Bauern sollten deshalb „mehr Einsehen“ zeigen, verlangt Zobel.

Vorschläge zur Reduzierung des Düngereinsatzes treffen bei den Landwirten allerdings auf wenig Gegenliebe. Der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Köchelstorf (Nordwestmecklenburg), Reinhard Drews, sieht nicht ein, dass er mit Einschränkungen rechnen muss, weil der Grundwasserkörper in seiner Region überhöhte Nitratwerte aufweist. „Unter unseren Flächen ist das Grundwasser in Ordnung“, meint er. „Wir brauchen zusätzliche Messstellen, dann bekommen wir ein besseres Bild von der konkreten Situation.“

Rund 100 neue Messstellen sollen in den nächsten fünf Jahren errichtet werden, kündigt Lung-Chef Stegemann an. Aus Modellen und geologischen Untersuchungen sei aber schon jetzt nachvollziehbar, „woher die Stickstoffeinträge kommen“. In der Debatte glättet Stegemann die Wogen. „Es geht uns nicht um Schuldzuweisungen. Und wir wollen auch Landwirte nicht bestrafen, die ordentlich arbeiten.“

Laut Agrarministerium gibt es bisher 647 Grundwassermessstellen im Land, an 264 davon wird die Güte des Rohwassers überwacht.

Allerdings: Im September eröffnete die Europäische Union im September ein lange angedrohtes Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland. „Das kann jetzt teuer werden“, meint Stegemann. Nicht nur in MV, auch in anderen Bundesländern sei zu wenig für die Verbesserung der Gewässergüte getan worden. So gibt es immer noch Widerstand gegen eine strengere Düngeverordnung. Mit deren Umsetzung sei vor 2018 wohl nicht zu rechnen.

In der Debatte verlangten mehrere Landwirte einen finanziellen Ausgleich dafür, wenn sie Flächen zum Gewässerschutz nur eingeschränkt nutzen können. Das Agrarministerium hat bis 2021 mehr als 30 Vorhaben zur Reduzierung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft festgelegt, so zur Aufforstung, Wiedervernässung von Mooren und im Umgang mit Gewässerrandstreifen.

Elke Ehlers

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