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Strompreis-Rabatt soll Industrie in MV ankurbeln

Rostock Strompreis-Rabatt soll Industrie in MV ankurbeln

Industrie- und Handelskammer Rostock spricht sich für niedrigere Energiepreise für Unternehmen aus / Forderungskatalog der Wirtschaft an die neue Landesregierung

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Jens Rademacher, Industrie- und Handels- kammer Rostock

Quelle: Arscholl

Rostock. Industrieunternehmen in MV sollen künftig vom hier produzierten Windstrom profitieren. Ein Rabatt auf den Energiepreis könnte ein wichtiger Standortvorteil für Neuansiedlungen sein, sagte gestern der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rostock, Jens Rademacher.

Kein Wachstum im verarbeitenden Gewerbe

7,5 Milliarden Euro haben die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in MV mit mehr als 50 Mitarbeitern in den ersten sieben Monaten des Jahres umgesetzt. Das entspricht etwa dem Vorjahresniveau. Allerdings waren fünf der sieben Monate umsatzschwächer als die Vergleichs- monate 2015, nur im Februar und Mai lief es besser.

Zehn Tage nach der Landtagswahl legte die IHK einen Forderungskatalog an die künftige Landesregierung vor, durch den der industrielle Rückstand von MV verringert werden soll. Im Land betrug der Anteil des produzierenden Gewerbes an der gesamten Wertschöpfung 2015 gerade einmal 11,8 Prozent. Damit lag MV vor Berlin auf dem vorletzten Platz aller Bundesländer. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 23,9 Prozent.

Zwar stehe insgesamt die Wirtschaft im Land vergleichsweise sehr gut da, meinte Rademacher. So gebe es ein hohes Wachstum und einen Tiefststand bei der Arbeitslosigkeit. „Aber das darf nicht den Blick darauf verstellen, wo wir im industriellen Bereich stehen“, sagte Rademacher. „Im Wahlkampf hat sich die Politik zu sehr auf den Lorbeeren ausgeruht.“

Der Strompreis-Rabatt steht bei den IHK-Forderungen an erster Stelle, gefolgt von einer besseren Koordination der Politikbereiche Wirtschaft, Bildung und Energie. Bernd Romeike, Vorsitzender des Industrieausschusses der IHK Rostock, sprach sich für eine Zusammenlegung der Ressorts aus: „Das wäre naheliegend. Eine Trennung von Wirtschaft und Energie kann nicht sein.“ Romeike betonte aber, dies sei seine Privatmeinung. Eine solche politische Einschätzung als Vertreter der IHK sei ohne Rückendeckung durch die Kammer-Vollversammlung nicht möglich. In der bisherigen Landesregierung war Harry Glawe (CDU) für die Wirtschafts- und Christian Pegel (SPD) für die Energiepolitik zuständig.

Ein weiterer Punkt auf der Liste ist ein besseres Landesmarketing. Hier wünscht sich die IHK, dass vor allem erfolgreiche kleinere Unternehmen stärker herausgestellt werden. „Diese Unternehmen haben es oft schwer, bundesweit Fachkräfte zu finden, weil sie zu wenig bekannt sind“, sagte Christine Grünewald, Leiterin des IHK-Geschäftsbereichs Innovation. An zu geringen Verdienstmöglichkeiten liege das nicht, betonte sie: „Die Bezahlung im industriellen Bereich ist grundsätzlich sehr gut. In der Medizintechnik etwa und bei den großen Unternehmen der Metallbranche liegt sie auf Bundesniveau.“

Aber auch bei den Vorzeigefirmen würden Erfolge außerhalb von MV wenig beachtet, klagte Rademacher: „Die Übernahme der Werften durch Genting ist industriepolitisch sehr bemerkenswert, aber in Hamburg oder Berlin ist das noch gar nicht angekommen.“

Dass der Wahlerfolg der AfD sich negativ auf künftige Industrieansiedlungen auswirken könnte, fürchtet Rademacher nicht. „Dazu haben wir keinerlei Erkenntnisse.“ Romeike sagte, auch der Einzug der NPD in den Schweriner Landtag 2011 habe für die Wirtschaft keine sichtbaren Folgen gehabt.

Axel Büssem

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