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Studie: Industrie baut Schwachstellen in Geräte

Rostock Studie: Industrie baut Schwachstellen in Geräte

Produkte sollen dadurch schneller kaputtgehen. Leidtragende sind die Kunden und die Umwelt, kritisieren Verbraucherschützer.

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Rostock. Jeder Verbraucher kennt das: Das Elektrogerät ist nur wenige Jahre alt, gibt jedoch schon den Geist auf. Und: Sowohl Gewährleistung als auch Garantie sind bereits abgelaufen. Dahinter steckt laut einer Studie der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Methode: Hersteller von elektronischen Geräten wie Druckern, Kopfhörern, Waschmaschinen oder Elektrozahnbürsten bauen immer öfter Schwachstellen in ihre Produkte ein. Auch Schuhe oder Bekleidung sind davon betroffen. Dadurch sollen die Produkte schneller verschleißen oder kaputtgehen. Die Untersuchung führt zahlreiche Beispiele auf, bei denen die Industrie laut Experten täusche oder trickse.

Die Studie listet auf, dass Hersteller Bauteile verwenden, die einen frühzeitigen Defekt auslösen. Ebenso würden technische Tricks angewendet, um die Nutzungsdauer eines Geräts zu verkürzen.

Grünen-Politikerin Dorothea Steiner nennt die Strategie eine „Schweinerei“. Zudem verursache der frühzeitige Verschleiß „immense Müllberge“.

Leidtragende seien die Kunden, die in immer kürzeren Abständen neue Produkte kaufen müssten. Der künstliche Verschleiß koste sie mehrere Milliarden Euro im Jahr, erklärt Verbraucherexperte Stefan Schridde, einer der Autoren. „Firmen fördern auf diese Art und Weise bewusst Umsatzsteigerungen“, sagt Matthias Wins, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Rostock. So sei es auffällig, dass sich oft Verbraucher meldeten, deren Geräte kurz nach den ersten sechs Monaten defekt seien. „Nach einem halben Jahr muss der Kunde nachweisen, dass er das Gerät nicht beschädigt hat“, so Wins. Zuvor liege die Beweislast beim Hersteller.

Um die Verbraucher vor minderwertigen Produkten zu schützen, reiche es jedoch nicht, nur auf die Industrie zu schimpfen. „Die gesetzliche Regelung der Gewährleistung gibt Firmen dazu Anreize“, betont der Rostocker Verbraucherschützer. Denn: Für fast alle Produkte — egal, ob billig oder hochwertig — würden zwei Jahre gelten. „Für eine Waschmaschine ist das viel zu kurz, für eine Neun-Euro- Bohrmaschine dagegen zu lange“, meint Wins. Am besten wäre es, wenn die Hersteller die Fristen selbst festlegten. Dann könnten die Kunden leichter die Seriosität des Angebots erkennen und prüfen.

Einer der bekanntesten Fälle des geplanten Produktverschleißes ist das Glühbirnenkartell von 1924. Damals einigten sich alle internationalen Hersteller darauf, dass Glühbirnen künftig nach 1000 Stunden Brenndauer — zuvor waren es 2500 Stunden — kaputtgehen. Bei einer längeren Brenndauer sei die optimale Lichtausbeute nicht mehr gewährleistet, so die Unternehmen.

Schwachstellen-Beispiele
Bauteile werden so gewählt, dass sie funktionell unterdimensioniert sind, vorzeitig verschleißen oder frühzeitig Schäden auslösen: Heizstäbe bei Waschmaschinen; Elektrolytkondensatoren in Computern; minderwertige Kunststoffzahnräder in Handmixern; Schuhsohlen oder Reißverschlüsse.

Nutzungsdauer wird konstruktionsbezogen verkürzt: fest eingebaute Akkus in Elektrozahnbürsten, die nicht zu wechseln sind. Verklebte Gehäuse und Teile in Laptops, was Reparaturen erheblich erschwert.

Technische Einschränkungen: Eingebaute Zähler bei Tintenstrahldruckern melden nach bestimmter Druckanzahl Wartungsbedarf an — das Gerät druckt dann nicht mehr.

Bernhard Schmidtbauer

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