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Studie: Obst soll billiger werden

Rostock/Berlin Studie: Obst soll billiger werden

Die Steuersätze auf Obst und Gemüse sollten laut Uni Hamburg sinken, die für Fettiges und Süßes steigen, um eine gesunde Ernährung zu fördern.

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Obst ist zwar vermeintlich gesund, enthält aber auch viele Kalorien.

Quelle: Foto: Fotolia

Rostock/Berlin. . Unterschiedliche Steuersätze für gesunde und ungesunde Lebensmittel könnten die Deutschen schlanker machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Hamburger Ökonomen Tobias Effertz. Ein Apfel würde danach um etwa drei Cent billiger, eine Bockwurst um rund zehn Cent teurer. In MV stößt diese Idee auf wenig Gegenliebe.

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Die Steuersätze auf Obst und Gemüse sollten laut Uni Hamburg sinken, die für Fettiges und Süßes steigen, um eine gesunde Ernährung zu fördern.

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Tobias Blömer, Vorsitzender der Agrarmarketing

MV. FOTO:

NORBERT FELLECHNER

Eine Staffelung der Mehrwertsteuer, die sich an der sogenannten Lebensmittelampel orientiert, wäre am wirkungsvollsten, besagt die Studie, die unter anderem von der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Auftrag gegeben wurde. Gesunde Produkte wie Obst und Gemüse sollten mit null Prozent, Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch weiter mit sieben Prozent und besonders zuckerhaltige oder fettige Produkte sowie Fertiggerichte mit mindestens 19 Prozent besteuert werden. Dies könnte nach Ansicht der Forscher dazu führen, dass der Anteil stark übergewichtiger Menschen um zehn Prozent sinkt.

Für Tobias Blömer, den Vorsitzenden des Vereins Agrarmarketing MV, wäre dies jedoch der falsche Weg. „Die Leute müssen von sich aus bereit sein, sich gesund zu ernähren.“ Statt über den Preis sollte dies durch Aufklärung erreicht werden. Der Verein engagiere sich etwa mit dem Projekt Vitalmenü dafür, gesunde Ernährung an die Schulen zu bringen.

„Die Staffelung der Steuersätze würde vielleicht kurzfristig etwas bringen“, meint Blömer, „aber das ist ein gesellschaftliches Problem, das nachhaltig gelöst werden muss.“ Zudem würden dadurch besonders Menschen getroffen, die keine Zeit oder Gelegenheit zum Kochen haben und daher häufig auf Fertiggerichte zurückgreifen müssten. „Und ob man sich gesund oder ungesund ernährt, ist auch immer eine Frage der Menge“, ergänzt Blömer.

Der Bonbon-Hersteller Sweet Tec in Boizenburg (Kreis Ludwigslust-Parchim) wäre wohl von dem höheren Satz betroffen. „Wir lehnen eine politische Steuerung des Konsums und eine Bevormundung der Verbraucher durch Steuererhöhungen für vermeintlich ungesunde Lebensmittel ab“, sagt Geschäftsführer Oliver Schindler. „Eine ausgewogene Ernährung erreicht man nicht durch Steuern, sondern durch Bildung, Aufklärung und Vorbilder.“ Sweet Tec fördere daher unter anderem Sportprogramme für Kinder und Jugendliche.

Auch der Landesbauernverband sieht in dem Modell keine Vorteile für die Landwirte in MV: „Nur etwa fünf Prozent unserer Produkte werden direkt vermarktet, daher würden wir von einem verringerten Mehrwertsteuersatz auf Obst und Gemüse kaum profitieren“, sagt Hauptgeschäftsführer Martin Piehl. Auf den Nettopreis, den die Landwirte vom Handel bekommen, hätten die Änderungen gar keine Auswirkungen, so Piehl.

Marianne Prabel, Diätassistentin im Adipositaszentrum des Südstadtklinikums Rostock , sagt: „Das hört sich erst mal gut an, bei Patienten mit Übergewicht könnte die Idee sinnvoll sein.“ Allerdings würden damit auch Menschen bestraft, die keine Probleme mit Übergewicht hätten und sich auch mal etwas gönnen wollen.

Zudem hätten auch vermeintlich gesunde Lebensmittel viele Kalorien: „Wenn Sie drei große Äpfel essen oder einen Liter Saft trinken, sind das 500 Kalorien. Das ist die Menge, die man eigentlich einsparen sollte, wenn man abnehmen will“, gibt Prabel zu bedenken.

Nach Angaben des Robert- Koch-Instituts (RKI) ist inzwischen jeder vierte bis fünfte Deutsche stark übergewichtig. In MV ist der Anteil besonders hoch. Eine deutliche Zunahme bei der Zahl der Fettleibigen gab es unter jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren. Starkes Übergewicht erhöht Experten zufolge das Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs.

Die Idee einer stärkeren  Regulierung der Lebensmittelpreise ist nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Verbraucherorganisation Foodwatch eine Zucker-Abgabe für Getränkehersteller gefordert. Die Idee stieß politisch auf ein geteiltes Echo. Während das Bundesernährungsministerium ablehnend reagierte, begrüßten Gesundheitspolitiker aus den Reihen der Bundesregierung den Vorschlag.

Im Ausland ist man bereits weiter: Frankreich erhebt seit 2012 eine Steuer auf gesüßte Getränke. In Großbritannien müssen Getränkehersteller ab April 2018 eine Zucker-Abgabe zahlen.

Mehrwertsteuer auf Lebensmittel

7 Prozent Mehrwertsteuer zahlen Kunden derzeit in Deutsch- land für Lebensmittel im Handel oder an Stehimbissen. Werden Lebensmittel dagegen in Restaurants angeboten, sind es 19 Prozent. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fordert daher seit Jahren eine Gleichbehandlung, zuletzt gestern auf dem Branchentag des Gastgewerbes in Rostock.

Getränke (außer Milch und Mineralwasser) werden mit 19 Prozent besteuert.

Die Experten der Universität Hamburg schlagen nun folgende Staffelung vor:

0 Prozent für Obst und Gemüse 7 Prozent für „normale“ Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch 19 Prozent für Produkte mit viel Zucker, Salz oder Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten 29 Prozent für Softdrinks wie Cola oder Fanta.

Axel Büssem und Janne Kieselbach

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