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Wirtschaft TV-Hit: Fiberglas-Möbel aus MV
Nachrichten Wirtschaft TV-Hit: Fiberglas-Möbel aus MV
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00:05 26.10.2016
Sylvia Frank (54, vorn), Karin Schünemann (48) und Amal Jeong (36) nähen die Polster-Bezüge für die Fiberglasmöbel.

. Mit filigranen Kunststoff-Fäden wickelt Susanne Masson-Wawer weltweit tausende Kunden ein. Die 59-Jährige ist Chefin der Masson-Group, die in Groß

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Weltweit reißen sich Kunden um die Produkte der Manufaktur Masson-Wawer. Jetzt schmücken sich sogar Liebesfilme damit.

Lüdershagen bei Stralsund Möbel und Deko aus Fiberglas fertigt. Das Material wird vor allem im Boots- und Windradbau verwendet. Susanne Masson-Wawer stellt daraus Schmuckstücke her. Und zwar in XXL:

Meterhohe Weihnachtssterne, Tannenbäume und Ostereier stehen neben der Produktionshalle. Mit solchen Mega-Objekten statten Dekorateure in 35 Ländern auf der ganzen Welt Einkaufszentren, Parks und Fußgängerzonen aus. Jedes Stück ist Handarbeit. Genau wie die Flechtmöbel, die die Manufaktur produziert: Tische, Stühle, Liegen verschönern bundesweit unzählige Gärten. Selbst Angela Merkel hat eine Fiberglas-Kugel Marke Masson-Wawer zu Hause.

Jetzt machen die Gartengarnituren aus Groß Lüdershagen sogar Karriere im Sonntagabend-Fernsehprogramm. Als dekorative Nebendarsteller sind sie demnächst in romantischen TV-Produktionen zu sehen. Um welche Filme es sich handelt, darf Susanna Masson-Wawer nicht verraten. Nur so viel: Das Herzkino spielt in Cornwall und hat Millionen Fans. Allen voran Susanna Masson-Wawer. Weil ihr der Anblick von Billig-Möbeln vor englischen Gutshäusern nicht gefiel, rief sie die Produktionsfirma an. Mit Erfolg. Die Set-Ausstatter waren gleich Feuer und Flamme für ihre Produkte. Kein Wunder: Die Unternehmerin setzt auf Romantik. Die Sitzpolster aller Sessel sind üppig mit Blüten bedruckt. „Wir sind Blümchen“, sagt die Chefin und lacht. Auch sie steht regelmäßig vor der Kamera: Bei einem Teleshopping-Sender preist sie ihre Ware an.

Ob Riesen-Stern oder kleiner Schemel: Basis aller Produkte ist ein mehrere hundert Meter langer Fiberglas-Faden. Der wird in Polyesterharz getränkt und mit patentierter Wickeltechnik um eine Form geschlungen. Die ist mit Nägeln gespickt, um die die Möbelbauer den Endlosfaden flechten. Sobald das Fiberglasnetz ausgehärtet ist, werden Form und Nägel entfernt, Überstände abgeschliffen und Löcher verspachtelt. Dann geht’s über Nacht zum Ausdampfen in die Temperkammer. Fertig ist das Möbelstück. Von denen hat Susanna Masson-Wawer mehr als 80 verschiedene im Portfolio. Dazu kommen gut 200 unterschiedliche Deko-Objekte. Mehr als 20000 Flechtkunstwerke stellt die Manufaktur im Jahr her: „Wir haben uns schon etliche Male um die Welt gewickelt.“ Das Erfolgsrezept: Anders als Rattan-Möbel seien ihre Produkte wetterfest und „ewig haltbar“.

3,6 Millionen Euro hat Susanna Masson-Wawer im Jahr 2015 mit Fiberglas-Artikeln umgesetzt. Dass sie sich mal vor Aufträgen kaum retten könne, hat sich die Geschäftsfrau nicht träumen lassen.

Früher verdienten sie und ihr Mann Geld mit Wintergärten – erst mit einer Firma in Köln, nach der Wende dann in Groß Lüdershagen. Die Glasbauten sind nach wie vor Kerngeschäft der Masson-Gruppe. Das Herz der Firmenchefin aber schlägt für die Fiberglas-Manufaktur. Deren Erfolgsgeschichte beginnt in der Garage: Nachdem sie in den USA Fiberglas als Werkstoff entdeckt hatte, versuchte sich Susanna Masson-Wawer als Konstrukteurin. Aus Styropor, Wollfäden und Stecknadeln bastelte sie erste Modelle. Als sie raushatte, wie man die Fäden zu stabilen Möbeln wickelt, besorgte sie sich Glasfasern und Harz. Ihr Erstlingswerk: ein Papierkorb. Der hängt noch heute in der Manufaktur. Die wäre übrigens um ein Haar gar nicht in Groß Lüdershagen gebaut worden. Die Gewerbeaufsicht riet Susanna Masson-Wawer, im Ausland zu produzieren. Dort seien gesetzliche Auflagen weniger streng. Doch davon wollte die Geschäftsfrau nichts wissen, fand für jedes Problem eine Lösung und startete 2004 schließlich die Fiberglas-Produktion: „Ich bin eine Kämpfernatur. Für mich fängt bei einem ,Nein’ das Spiel erst an“, sagt sie. Auf potenzielle Geschäftspartner gehe sie genauso unbefangen zu wie auf TV-Bosse. Was habe sie schon zu verlieren? „Nicht verkauft hab’ ich schon“, erklärt sie ihre Philosophie.

Susanna Masson-Wawer hat nicht nur Mut und Sinn fürs Geschäft, sondern auch ein großes Herz. Mit einer Stiftung macht sie sich für Kinder und Krebspatienten stark. Unlängst ist die 59-Jährige mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet worden. Am vergangenen Wochenende gab’s die Ehrenplakette dazu. Mit der hat die Oskar-Patzelt-Stiftung nur fünf von insgesamt 4800 nominierten Unternehmen prämiert. Ein hochemotionaler Triumph für die taffe Unternehmerin. Erst im Mai hat Susanne Masson-Wawer ihren Mann an den Krebs verloren. Den Mittelstands-Oskar brachte sie ihm ans Grab.

„Der Erfolg ist auch sein Werk.“

Erfolgsmasche

3,6 Millionen Euro hat die Manufaktur Masson-Wawer im vergangenen Jahr mit Fiberglas-Möbeln und -Dekoartikeln umgesetzt.

Rund 20000 Produkte verlassen das Werk pro Jahr. Firmenchefin Susanna Masson-Wawer beschäftigt 38 Mitarbeiter. Hinzu kommen rund 60 weitere Beschäftigte, die im zweiten Unternehmensbereich – dem Wintergartenbau- und -vertrieb – tätig sind.

2004 ging die Manufaktur in Betrieb, damals in einem Container. Heute wird in einer Halle auf 1600 Quadratmetern produziert.

Antje Bernstein

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