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Teller oder Tank: Agrarbranche diskutiert über Anbau von Lebensmitteln und Energie-Rohstoffen

Mühlengeez Teller oder Tank: Agrarbranche diskutiert über Anbau von Lebensmitteln und Energie-Rohstoffen

Sollen Bauern ihre Flächen für die Produktion von Lebensmitteln oder für die Energie-Erzeugung nutzen? „Teller und Tank — Landwirtschaft zwischen Ernährungssicherheit,

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Schwein gehabt: Bei der Eröffnungsshow wird dieser prächtige Eber in den Ring geführt. Züchter präsentieren auf der Agrarmesse Mela in Mühlengeez rund 1200 Tiere.

Quelle: Fotos: dpa, Lilienthal, Ehlers

Mühlengeez. Sollen Bauern ihre Flächen für die Produktion von Lebensmitteln oder für die Energie-Erzeugung nutzen? „Teller und Tank — Landwirtschaft zwischen Ernährungssicherheit, Energiewende und Umweltschutz“, zu dieser Thematik diskutieren Landwirte, Agrarpolitiker und Umweltschützer heute beim Landesbauerntag auf der Agrarmesse Mela in Mühlengeez bei Güstrow.

Bei der Eröffnung der Messe forderte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern die Land- und Ernährungswirtschaft auf, mehr Produkte zu entwickeln, die unverwechselbar für die Marke Mecklenburg-Vorpommern stehen. Sellering mahnte eine bessere Zusammenarbeit mit Tourismus, Gesundheitswirtschaft, Gastronomie und Einzelhandel an. Die Verknüpfung regionaler Spezialitäten mit Natur, Urlaub und Gesundheit hebe das Land heraus. „Das müssen wir nutzen — noch viel offensiver als bisher“, sagte der Regierungschef.

Das Getreide wurde in diesem Jahr in Rekordzeit geerntet — und mit Rekorderträgen. Mit über 78 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) im Landesdurchschnitt wurde der bisherige Spitzenwert von 2010 um rund 4 dt/ha übertroffen.

Noch bis zum Sonntag präsentieren auf der Mela mehr als 1000 Aussteller ihre Produkte. Gezeigt werden Zuchttiere und moderne Landtechnik. Die Ernährungsbranche bietet Spezialitäten an. Höhepunkte sind die großen Tierschau- Programme am Wochenende.

• Bildergalerie und Video

auf www.ostsee-zeitung.de

Ökobauer setzt auf solidarische Landwirtschaft
„Bauern mit Kühen und Schweinen geht es schon nicht gut, aber Schafe sind das letzte Rad am Wagen“, meint Frank Freytag (52), Schäfer in Warstorf bei Rostock. Er hat miterlebt, dass „immer mehr Kollegen aufgeben“. Auch seine Herde ist heute nur noch halb so groß wie vor einigen Jahren.

Freytag sieht Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft: „Wer nur Acker hat, steht am besten da — das darf nicht so bleiben.“ Auch viele Biogasanlagen sieht er kritisch. „Die waren mal für Abfälle gedacht, jetzt gehen da Pflanzen rein, die auf Flächen wachsen, der für Nahrungsmittel gebraucht werden.“ Acker ist knapp. Freytag hat nur 13 Hektar. Tierhalter haben im Wettbewerb um Flächen oft das Nachsehen, weil Investoren mehr zahlen.

Der Schäfer beteiligt sich am Projekt „Solidarische Landwirtschaft Rostocker Land“, einer Gemeinschaft aus Verbrauchern, Landwirten und Gärtnern. 100 Mitstreiter erhalten für einen Jahresbeitrag Naturalien: Tomaten, Kartoffeln, Fleisch, Wurst, Gemüse. Brot, Milch, Käse kommen dazu — wenn der Ökobauer mehr Fläche hat.ee

„Als erstes sind wir für die Ernährung da“
„Natürlich sind wir als Erstes für die Ernährung da“, bekräftigt Christiane Opitz (47) von der Produktivgenossenschaft Leyerhof bei Grimmen. Doch auch sie wünscht sich eine Biogasanlage als neues, sicheres Standbein für den Betrieb. „Das könnte stabile Einkünfte bringen“, hofft sie. Bei der Milchproduktion zahlte die Genossenschaft jahrelang drauf. Der Milchpreis war einfach zu niedrig. „Kaum jemand weiß, wie viel Aufwand in Milch und Joghurt steckt“, bedauert die Landwirtin. „Wir hätten die Tiere abschaffen und acht Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit schicken können“, sagt die Genossenschafts-Chefin. „Doch das wollen wir nicht.“

Opitz fordert ein, dass Tierproduzenten bei der Agrarreform deutlich bessergestellt werden.

Die Wärme aus Biogas will die Genossenschaft zur Getreidetrocknung nutzen und für das Dorf bereitstellen. Kühe und Jungvieh hält der Betrieb auf Stroh, „weil der Dung wichtig für den Boden ist“, betont Opitz. ee

„Gejammer über Windräder und zu viel Mais hilft nicht“
„Ich bin stolz, dass wir mit der Mela die andere große Agrarschau im Norden, die Norla in Schleswig-Holstein, übertreffen“, sagt Michael Constien (59) von der Agrargenossenschaft Jürgenshagen (Landkreis Rostock). Er begrüßt, dass der heutige Bauerntag das umstrittene Thema „Teller und Tank — Ernährung oder Energie“ aufgreift. Constien meint: „Der Atomkraft-Ausstieg ist beschlossen. Da hilft jetzt kein Gejammer, dass Windräder stören und überall Mais wächst. Wir brauchen alternative Energie, wenn Atomstrom nicht gewollt ist.“ Sein Agrarbetrieb betreibt seit 2012 eine Biogas-Anlage, die Methan ins Netz der Rostocker Stadtwerke einspeist. „Neben Mais und Gülle setzen wir viel Gras ein“, sagt der Bauer.

Mehr Unterstützung verlangt Constien für Direktvermarkter. „Die Handelsketten dürfen regionale Anbieter nicht blockieren“, meint er. Wichtig ist ihm auch, mehr Aufmerksamkeit auf die Ausbildung zu lenken. „Wir müssen uns intensiv um landwirtschaftlichen Nachwuchs kümmern, sonst trifft uns der Generationenknick.“ Elke Ehlers

 

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