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Terrorangst: Lufthansa scheut konkrete Gewinnprognose

Frankfurt/Main Terrorangst: Lufthansa scheut konkrete Gewinnprognose

Die Terrorgefahr schlägt sich auch auf das Geschäft der Lufthansa nieder. Manche Passagiere scheinen verunsichert - und die Konzernspitze meidet eine konkrete Gewinnprognose für das Jahr.

Frankfurt/Main. Die Lufthansa scheut angesichts von Terrorangst und Buchungseinbruch vor einem konkreten Gewinnziel für 2016 zurück. „Wir erwarten trotz des verschlechterten Umfeldes immer noch eines der besten operativen Ergebnisse aller Zeiten“.

Damit versuchte Vorstandschef Carsten Spohr am Dienstag Anleger an der Börse zu beruhigen. Der Rekord von 1,8 Milliarden Euro aus dem Vorjahr ist aber wohl nicht mehr zu erreichen.

Eine Untergrenze wollten Spohr und Finanzchefin Simone Menne knapp zwei Wochen nach der jüngsten Gewinnwarnung nicht einziehen. Weiter geht der Stellenabbau bei Fracht, Technik und Bordverpflegung. Die Aktionäre sollen um die Dividende für 2016 jedoch nicht fürchten müssen.

Der Lufthansa-Vorstand kann ausgerechnet in der wichtigsten Reisezeit des Jahres kaum einschätzen, wie viele Menschen kurzfristig noch Tickets kaufen. Es fehlten viele Gruppenbuchungen aus Asien und den USA, sagte Menne. Die Terroranschläge in Europa scheinen Reisewillige aus der Ferne in großer Zahl vom Buchen abzuhalten. Zusammen mit dem niedrigen Ölpreis und dem Wettbewerb sorge dies für sinkende Ticketpreise. Auf Langstreckenflügen verdient die Gesellschaft sonst gutes Geld.

Für das zweite Halbjahr schätzt Menne, dass die Lufthansa pro geflogenem Sitzplatzkilometer acht bis neun Prozent weniger einnimmt als ein Jahr zuvor. Zwar gehen auch die Treibstoffkosten zurück. Weil es aber auch anderswo nicht rund läuft, hat sich der Vorstand von dem Ziel verabschiedet, den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) leicht zu steigern.

Er erwartet 2016 nur noch ein Ergebnis „unter Vorjahr“. „Wir werden uns im dritten Quartal sicher klarer zur Jahresprognose äußern“, sagte Menne. Analysten rechnen mit 1,45 Milliarden Euro - ein Rückgang um 20 Prozent.

Spohr kündigte an, im Winterflugplan sieben Flugzeuge weniger einzusetzen als bisher geplant. Die Frachttochter Lufthansa Cargo, die nach einem operativen Verlust in den ersten sechs Monaten auch im Gesamtjahr rote Zahlen erwartet, soll nach Weihnachten weitere Frachter am Boden lassen.

An der Börse ging es für die Lufthansa-Aktie am Dienstag abwärts. Bis zum frühen Nachmittag verlor das Papier mehr als drei Prozent an Wert. Auf Jahressicht steht bei der Lufthansa ein Kursverlust von mehr als 28 Prozent zu Buche. Auch die British-Airways-Mutter IAG, der Reiseveranstalter Thomas Cook und der Billigflieger Easyjet haben sich von ihren früheren Gewinnprognosen verabschiedet. Selbst der erfolgsverwöhnte Ryanair-Chef Michael O'Leary zog angesichts von Terrorangst und Brexit-Votum sein Jahresziel in Zweifel.

Die Lufthansa-Spitze versuchte, ihre Aktionäre mit der Aussicht auf eine sichere Dividende zu besänftigen. „Alles was derzeit an Kennzahlen vorliegt, macht uns dividendenfähig und lässt eine Auszahlung zu“, sagte Menne. Zuvor hatte Luftfahrt-Analyst Anand Date von der Deutschen Bank die Dividende für 2016 und 2017 in Gefahr gesehen, nachdem die Lufthansa für das Vorjahr je Aktie 50 Cent ausgeschüttet hatte.

In der ersten Jahreshälfte lief es besser. Das Passagiergeschäft der Kernmarke verhalf der Lufthansa zu einem höheren operativen Gewinn, während Lufthansa Cargo und die Billigtochter Eurowings rote Zahlen schrieben. Der Konzernumsatz sank zwar um zwei Prozent auf 15 Milliarden Euro. Doch das bereinigte Ebit legte um 13 Prozent auf 529 Millionen Euro zu. Im zweiten Quartal gingen bereinigtes Ebit und Überschuss jedoch um acht Prozent zurück.

Vorstandschef Spohr hält an seinem harten Sanierungskurs fest. So baut die Lufthansa bis zu 800 Jobs in der Frachtsparte ab, im Wartungsgeschäft stehen in Deutschland 700 von 2000 Arbeitsplätzen auf der Streichliste. Bei den Bord-Verpflegern der LSG Sky Chefs könnten europaweit 2400 Jobs wegfallen.

Finanzchefin Menne, die kommenden Monat zum Pharmakonzern Boehringer Ingelheim wechselt, sieht Lufthansa trotz Turbulenzen auf dem richtigen Kurs. Die Stückkosten - also die Kosten je Sitzplatzkilometer - seien im ersten Halbjahr abseits von Treibstoff und Währungseffekten um 1,3 Prozent gesunken. Für den Rest des Jahres hat sie einen Rückgang um zwei bis drei Prozent im Auge.

dpa

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