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Tragödie statt Triumph: Fußballteam stirbt bei Absturz

Dreitägige Staatstrauer Tragödie statt Triumph: Fußballteam stirbt bei Absturz

Der Aufstieg aus der vierten Liga bis ins Finale des Südamerika-Cups war eine der besonderen Geschichten, die der Fußball schreibt. Dann zerschellt der große Traum des brasilianischen Clubs Chapecoense an einem Berg in Kolumbien - beim Flug zum Finalhinspiel in Medellín.

Medellín (dpa) - Die Spieler in den grünen Trikots liegen sich in den Armen. Sie hüpfen und singen in der Kabine. Der Held des Provinzclubs AF Chapecoense aus Brasilien ist ihr Torwart Danilo.

Mit prächtigen Paraden hat er die Spieler von San Lorenzo aus Argentinien, dem Lieblingsclub von Papst Franziskus, zur Verzweiflung getrieben. Ein 0:0 im Rückspiel reicht, das Finale um die Südamerikameisterschaft ist erreicht. Das Team schafft Historisches, der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Eine Woche später leben die meisten nicht mehr.

Am Stadion, der Arena Condá, in der Stadt Chapecó, versammeln sich die Angehörigen, liegen sich schluchzend in den Armen. Aus dem Traum vom Triumph wird an diesem 29. November 2016 für sie eine Tragödie. Der Bürgermeister im fernen Medellín versucht, das Unfassbare in Worte zu fassen. „Etwas, das ein großes Fest werden sollte, ist in einer Tragödie geendet“, sagt Federico Gutiérrez. Bilder aus dem Flugzeug zeigen wenige Stunden vorher fröhliche Spieler. In Erwartung ihres größten Spiels, das Finale der Südamerikameisterschaft gegen Atlético Nacional aus Medellín. Dann geht es los nach Kolumbien.

Doch das Flugzeug kommt dort nicht an, das Finale 2016 der Copa Sudamericana wird nicht stattfinden. Der Traum zerschellt an einem Berg, 19 Spieler der Mannschaft aus Brasilien sind tot. Kurz vor 22 Uhr am Montagabend (Ortszeit) melden die Piloten technische Probleme, Sekunden später verschwindet das Flugzeug vom Typ Avro RJ85 vom Radar. Suchtrupps machen sich sofort auf den Weg und werden am Berg El Gordo („Der Dicke“) fündig, 38 Kilometer von Medellín entfernt.

Das Flugzeug ist zerbrochen in drei Teile. Die Gegend ist hügelig, Medellín liegt in einem Talkessel. Die Maschine könnte wegen Treibstoffmangels abgestürzt sein, meint Alfredo Bocanegra, Direktor der Luftfahrtbehörde. 71 Menschen sterben - zunächst ist lange von 75 Toten die Rede, aber vier Passagiere, darunter der Bürgermeister von Chapecó, waren entgegen der Planungen nicht an Bord. Die bereits gefundenen Blackboxes müssen nun weiteren Aufschluss geben.

Atlético Nacional teilt mit: Chapecoense soll den Titel der Copa Sudamericana 2016 bekommen. Der Wettbewerb ist der Europa League vergleichbar. Und die brasilianischen Erstliga-Teams wollen Chapecoense kostenlos Spieler ausleihen, drei Jahre soll der Club nicht absteigen können.

Eine noble Geste, aber das kann das Leid nicht lindern. Ein Drama entwickelt sich um Torwart Danilo, die Hölle für die Angehörigen: Mal soll er tot sein, dann wieder leben. Laut einer Liste der Luftfahrtbehörde wird er nach vielen Stunden für tot erklärt. „Jeder sagt was anderes. Mein Herz ist verzweifelt“, klagt seine Mutter in Brasilien. Sechs Passagiere - drei Spieler, ein Journalist (22 begleiteten das Team), eine Stewardess und ein Techniker - sollen überlebt haben. Auf Bildern ist zu sehen, wie Abwehrspieler Alan Ruschel auf einer Trage in ein Krankenhaus gebracht wird.

Der Account des Clubs auf Twitter zeigt statt des grünen Wappens ein schwarz gefärbtes. Brasiliens Präsident Michel Temer ordnet eine dreitägige Staatstrauer an, bis zu Bayern München und Real Madrid reicht die Anteilnahme. „Betet für @ChapecoenseReal und ihre Familien“, schreibt der frühere deutsche Nationalspieler Lukas Podolski. Ein Märchen endet tragisch. 2009 spielte Chapecoense noch in der vierten Liga, dann ging es immer weiter bergauf, bis nun zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte. 1995 spielte auch der spätere deutsche Nationalspieler Paulo Rink eine Saison lang für den Club.

„Das ist eine Riesenkatastrophe“, sagte Rink der „Rheinischen Post“. Das Drama erinnert an die Katastrophe von Manchester United 1958: Auf dem Rückflug von einem Spiel bei Roter Stern Belgrad stürzte ebenfalls das Flugzeug ab. 23 Menschen sterben. 15 Insassen überlebten die Katastrophe, darunter Fußball-Legende Bobby Charlton.

Das Charterflugzeug der bolivianischen Gesellschaft Lamia (Kennzeichen: CP2933) ist in der südamerikanischen Fußballszene wohlbekannt. Früher war die Firma in Venezuela stationiert, seit kurzem in Bolivien. Am 11. November nutzte auch Superstar Lionel Messi die Maschine. Nach der 0:3-Klatsche in der WM-Qualifikation gegen Brasilien flog die argentinische Nationalelf mit der nun verunglückten Maschine von Belo Horizonte nach Buenos Aires.

Der Flieger landete damals mit drei Stunden Verspätung in Buenos Aires, weshalb Nationalcoach Edgardo Bauza ein Training streichen musste. Auch Messi meldet sich nun bestürzt zu Wort: „Mein tiefstes Mitgefühl für alle betroffenen Familien.“ Was aufhorchen lässt: Ein Charterflug direkt von Brasilien wurde nicht genehmigt, weshalb die Mannschaft von Chapecoense erst per Linie nach Santa Cruz in Bolivien flog, von dort startete dann der Lamia-Unglücksflug nach Medellín.

Am Sonntag war Chapecoense noch Meistermacher in Brasilien: Der Club verlor gegen Palmeiras São Paulo mit 0:1, Palmeiras sicherte sich dadurch vorzeitig den ersten Meistertitel seit 22 Jahren. Chapecoense gratulierte. Nun kondoliert alle Welt Chapecoense. Keiner weiß, wie es mit dem Club weitergehen wird. Das letzte Spiel der Saison gegen Atlético Mineiro sollte am Sonntag stattfinden. „Der Verein ist ja jetzt praktisch ausgelöscht“, sagt der frühere Spieler Paulo Rink.

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Dramatischer Funkverkehr
Die Maschine verschwand in der Nähe der Ortschaft La Unión vom Radar.

Minutenlang versuchen Pilot und Tower, den Flug LaMia 2933 mit dem Fußballteam Chapecoense an Bord noch Richtung Piste zu bekommen. Der Absturz ist Resultat einer unglaublichen Verkettung seltsamer Umstände. Auch für die Fluggesellschaft hat die Katastrophe Folgen.

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