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Trends der Spielwarenmesse: Teamgeist ist Trumpf

Gemeinschaftssinn und Dialog Trends der Spielwarenmesse: Teamgeist ist Trumpf

Der Einzelkämpfer kann einpacken. Wenn es nach den Trendsettern der Spielwarenbrache geht, hält der Teamgeist in den Kinderstuben Einzug. 2018 sind Spiele angesagt, die soziale Kompetenz und Dialog fördern sollen.

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Blick in eine Halle der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg.

Quelle: Daniel Karmann

Nürnberg. Prinzessin Zaffira ist in großer Gefahr. Ein Drache hat die Schönheit in einen Turm gesperrt. Also höchste Zeit für den Auftritt eines Prinzen. Wer aber meint, dass es auf den Einzelkämpfer ankommt, irrt gewaltig.

Um die Prinzessin aus ihrer misslichen Lage zu befreien, muss der Prinz auf seine Gefährten zählen können. Die Zeit drängt - denn wenn der Drache aus seinem Schlaf erwacht und die Retterschar entdeckt, lässt er den Turm einstürzen. Und dann hätten alle verloren.

Das Märchenszenario ist die Handlung eines Spiels für Mädchen und Jungen ab fünf Jahren, das offenbar schwer in Mode kommt. So sieht es zumindest ein internationales Gremium aus Branchenexperten, das vor der Spielwarenmesse in Nürnberg Trends ausgemacht hat. „Team Spirit“ heißt eine der großen Wellen, die aus Sicht der Fachleute 2018 in die deutschen Kinderzimmer schwappen dürfte.

Dabei geht es um sogenannte Kooperationsspiele, die Gemeinschaftssinn und Dialog fördern sollen. Also Fähigkeiten, die auch im Berufsleben wichtiger denn je sind, wie die Macher der Spielwarenmesse erläutern. Denn ohne Kooperation, soziale Interaktion und Flexibilität komme man heutzutage nicht weit.

Da sei schon etwas dran, findet Volker Mehringer von der Universität Augsburg - auch wenn man „die Trends auf der Spielwarenmesse immer mit einem Augenzwinkern“ betrachten sollte. Denn das Rad werde mit „Team Spirit“ nicht ganz neu erfunden. Sozialkompetenz folge vielmehr einer „kulturübergreifenden Entwicklungslogik“ im Spielverhalten.

Das fange bei „Explorationsspielen“ an, bei denen es darum gehe, die Welt zu erkunden. Hier bahnten sich schon erste soziale Interaktionen an - gerade im Umgang mit den Eltern: „Ich baue drei Klötze aufeinander, das Kind wartet, und dann schmeißt es das Ganze um und hat diebischen Spaß dabei“, sagt Mehringer. Irgendwann kämen Fantasiespiele hinzu, Rollenspiele, Konstruktionsspiele und zuletzt Regelspiele, zu denen etwa Mannschaftssportarten zählten.

Jens Junge ist Gründer und Direktor des an der Design-Akademie in Berlin angesiedelten Instituts für Ludologie - einer Disziplin, die das Phänomen des Spielens erforscht. Die Bewegung zum Teamgeist bringt Junge mit „Exit/Escape Games“ in Verbindung, die seit einigen Jahren in vielen Städten angesagt sind: Erwachsene Teilnehmer finden sich in Gruppen zusammen, um unter Zeitdruck knifflige Rätsel gemeinsam zu lösen und sich so aus einem geschlossenen Raum zu befreien.

Das habe die Brettspielbranche aufgegriffen und mit jugend- und kindgerechten Inhalten weiterentwickelt - mit beachtlichem Erfolg, erklärt Junge. Der Experte spricht von einem Boom: Anfang der 80er Jahre habe es 250 Neuerscheinungen pro Jahr in der Brettspielbranche gegeben - inzwischen „sind wir bei 1500 pro Jahr“.

Überhaupt scheint es gerade bei Kooperationsspielen einen Gegentrend zur Digitalisierung zu geben. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, wenn man sich eine Übersicht über Spiele und Spielwaren ansieht, die das internationale Expertengremium für gelungene Beispiele für den Trend „Team Spirit“ hält: Viele verzichten völlig auf elektronische Spielereien oder Digitales, der eingangs beschriebene „Drachenturm“ besteht zum Beispiel aus Kunststoff, Pappe und Holz.

„Es gibt Menschen, die nach einem Berufsalltag vor dem Computer und am Smartphone verstärkt das Bedürfnis haben, real zusammenzukommen“, sagt Junge. Abends werde dann „Digital Detox“ - also eine digitale Entgiftung - betrieben. „Das Handy wird heute ausgeschaltet, der Computer bleibt kalt, und wir treffen uns im Wohnzimmer und machen wieder eine Pappschachtel auf.“

Mit anderen Worten: In einer immer komplexeren Welt gäben Eltern die Achtsamkeit an ihre Kinder weiter, erläutert Christian Schuldt, Trendforscher beim Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main. „Je menschenähnlicher Technologie wird, desto wichtiger ist es, dass wir uns wieder auf unsere ureigenen menschlichen Fähigkeiten berufen. Und da steht das Spielerische und Soziale an oberster Stelle.“

dpa

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