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Wirtschaft US-Kaufhäuser in Not: „Amazon-Effekt“ als Job-Killer
Nachrichten Wirtschaft US-Kaufhäuser in Not: „Amazon-Effekt“ als Job-Killer
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12:32 16.05.2017
Die Macy's-Filiale in West Palm Beach ist eine von 68, die bereits bis Mitte des Jahres geschlossen werden sollen. Quelle: Greg Lovett
New York

Der Niedergang des klassischen Einzelhandels in den USA scheint nicht mehr aufzuhalten: Immer mehr Kunden shoppen im Internet, für Kaufhaus-Ikonen wie Macy's, Sears, JC Penney's oder Kohl's wird die Lage deshalb zusehends kritischer.

Zum Jahresauftakt liefen die Geschäfte miserabel - Anleger reagierten schockiert. Für die US-Wirtschaft insgesamt stellt die Entwicklung eine ernste Bedrohung dar, denn am Einzelhandel hängen zahlreiche Jobs. US-Präsident Donald Trump fördert dennoch lieber andere Branchen.

„Dies sind ungewöhnliche und herausfordernde Zeiten“, räumte Macy's-Chef Jeff Gennette vergangene Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen ein. Der angeschlagene US-Traditionskonzern, zu dem auch die Luxuskette Bloomingdale's gehört, macht zwar schon länger mit Stellenabbau und Filialschließungen von sich reden.

Doch obwohl man schlechte Nachrichten gewohnt ist, überkam Börsianer angesichts der Ergebnisse das kalte Grauen: Macy's vermeldete im ersten Quartal einen Rückgang der Verkäufe um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, auch bedingt durch Filialschließungen. Die Aktie fiel um 17 Prozent. Seit Jahresbeginn ist ihr Kurs um 35 Prozent abgestürzt.

Das Problem: Macy's ist in der Branche keine Ausnahme und der Negativtrend keine Momentaufnahme. Die 1858 gegründete US-Warenhauskette mit dem markanten roten Stern als Logo und der bei Touristen beliebten Flaggschiff-Filiale am New Yorker Herald Square ist wegen ihrer Strahlkraft nur besonders im Fokus.

Aber auch bei den Wettbewerbern Kohl's, JC Penney's und Nordstrom sanken die Verkäufe im ersten Vierteljahr stärker als erwartet, Anleger verlieren hier ebenfalls zunehmend die Geduld. Das Shopping-Urgestein Sears macht indes ohnehin nur noch durch Pleitegerüchte Schlagzeilen.

Die stationären Einzelhändler, die ihr Geld im Gegensatz zu Online-Shops noch immer hauptsächlich mit klassischem Ladenverkauf verdienen, haben einen gemeinsamen Feind: Amazon. Der rasant expandierende Internet-Gigant hat enorm viel Geld für den Aufbau einer komplexen Liefer- und Lagerinfrastruktur ausgegeben, über die heutzutage fast alle Produkte günstig und schnell per Mausklick online geordert werden können. Amazon-Chef Jeff Bezos verspricht anhaltendes Turbo-Wachstum: Er will weiter kräftig investieren, um der Konkurrenz noch mehr Kunden abzujagen.

Für das Leiden, das die Übermacht des E-Commerce-Riesen bei den Einzelhändlern verursacht, haben Analysten mittlerweile einen eigenen Fachbegriff: Der „Amazon-Effekt“. Bei Macy's und Co. hat man die Bedrohung lange Zeit nicht ausreichend ernst genommen und den Ausbau des eigenen Online-Handels schleifen lassen.

Ist der Zug nun abgefahren? „Sie wollen wissen, wann wir wieder wachsen werden“, sagte Macy's-Chef Gennette entwaffnend bei einer Telefonkonferenz nach der Bilanzvorlage. „Wir haben die Antwort noch nicht gefunden, aber wir arbeiten mit größter Dringlichkeit dran.“

Für die USA wäre der Verlust einst schillernder Traditionsmarken wie Macy's oder Sears eine Tragödie. Nicht nur, weil sie die Wirtschaft über Jahrzehnte so stark geprägt haben - auch weil zahlreiche Menschen in den Kaufhäusern angestellt sind. Jeder vierte US-Arbeitsplatz hängt dem Branchenverband National Retail Federation zufolge indirekt am Einzelhandel, etwa jeder neunte Beschäftigte arbeitet direkt in dem Wirtschaftszweig. Viele dieser Jobs sind gesellschaftlich wichtig, weil sie geringe Qualifikationen voraussetzen. Damit bieten sie Menschen ohne höhere Berufsbildung ein - wenn auch meist bescheidenes - Auskommen.

Doch Macy's, Sears und viele andere US-Kaufhausketten bauen bereits in großem Stil Stellen ab. Nach Regierungsdaten sind im stationären Warenhandel seit Oktober fast 90 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Zum Vergleich: Das sind mehr, als in der Kohleindustrie und der Stahlbranche jeweils insgesamt bestehen. Diesen Branchen will Trump mit gelockerten Umweltauflagen zu einem Comeback verhelfen. Für das Job-Wunder, das der US-Präsident versprochen hat, bedeutet der Niedergang des Einzelhandels also nichts Gutes.

Trotzdem legt Trump den Fokus auf die Wiederbelebung der „Old Economy“, betont stets, der US-Industrie wieder zu altem Glanz verhelfen zu wollen. Ungünstig: Dort ist nur ein Bruchteil der US-Arbeiter beschäftigt. Das Rückgrat des Arbeitsmarks ist der Dienstleistungssektor. Dort hat Trumps Regierung aber bislang kaum Unterstützung in Aussicht gestellt. Immerhin: Den Stellen, die in Warenhäusern und anderen Geschäften wegfallen, stehen Einstellungsoffensiven etwa von Amazon gegenüber. Die dürften aber kaum reichen, um die Job-Verluste im Einzelhandel zu kompensieren.

dpa

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