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US-Notenbank lässt Leitzins unberührt - Anleger gelassen

Letzte Erhöhung Ende 2015 US-Notenbank lässt Leitzins unberührt - Anleger gelassen

Zum sechsten Mal in Folge lässt die US-Notenbank Fed den Leitzins unangetastet. Im Dezember könnte es wieder aufwärts gehen. Die Anleger rund um den Globus bleiben gelassen.

Frankfurt/Washington. Hinweise der US-Notenbank Fed auf eine mögliche Leitzinsanhebung noch in diesem Jahr haben am Donnerstag die Anleger an den Finanzmärkten unbeeindruckt gelassen. Die Notenbank hat am Mittwoch zwar wie erwartet ihre Leitzinsen nicht erhöht.

Fed-Chefin Janet Yellen hat aber gleichzeitig Signale für eine baldige Anhebung gegeben. An den Börsen war dennoch von Sorge vor bald steigenden Zinsen keine Spur. Der Dollar schwächelt und an den Märkten für Staatsanleihen gerieten die Renditen rund um den Globus unter Druck.

Die Argumente für eine Leitzinsanhebung hätten sich „verstärkt“, hatte Yellen am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Washington gesagt. Zuvor hatte die Notenbank ihren Leitzins wie erwartet in einer Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent gelassen. Sie erwarte eine Zinserhöhung im laufenden Jahr, falls der Arbeitsmarkt weiterhin gut laufe, so Yellen. In Frage kommen dafür die Sitzungstermine im November und im Dezember. An den Märkten gilt aber der Dezember als sehr viel wahrscheinlicher.

Die Aussage Yellens wurde dadurch noch unterstrichen, dass erstmals seit Einleitung der Zinswende im Dezember 2015 gleich drei von zehn stimmberechtigten Fed-Mitgliedern für einen sofortigen Dreh an der Zinsschraube gestimmt hatten. Darunter war sogar ein Notenbanker, der eigentlich für einen eher lockeren Kurs bekannt ist.

„Eigentlich wäre all das für den Markt ein klarer Hinweis, dass eine Zinserhöhung unmittelbar bevorsteht“, schreibt Lutz Karpowitz, Experte bei der Commerzbank. Doch von entsprechenden Reaktionen an den Finanzmärkten ist nichts zu sehen. Die Fed erreiche mit ihren Signalen den Markt nicht mehr. „Im Pokern würde man sagen: Der Markt will sehen. Worte allein helfen nicht mehr.“

Die Kursbewegungen sprechen für sich. An den Börsen kann von Angst vor bald steigenden Zinsen keine Rede sein. Stattdessen legten die Kurse an der Wall Street deutlich zu. Die Aktienindizes Dow Jones Industrial und S&P-500-Index kletterten nach oben, der Technologieindex Nasdaq 100 erreichte sogar ein neues Rekordhoch. Diesen Trend nahmen dann am Donnerstag auch die asiatischen und europäischen Börsen auf. Die Anleger sind laut dem Marktanalysten Ric Spooner von CMC Markets nun noch zuversichtlicher geworden, dass das Tempo weiterer Schritte mittelfristig ziemlich moderat sein wird.

Die Renditen von US-Staatsanleihen mit längerer Laufzeit gerieten unter Druck. Auch in Deutschland und allen anderen Ländern der Eurozone mit Ausnahme Griechenlands machte sich das bemerkbar. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatspapiere fiel von der Nullmarke in den negativen Bereich bis auf minus 0,05 Prozent. Zudem schwächelt der US-Dollar seit der Zinsentscheidung. Der Euro legte im Gegenzug kräftig zu und stieg am Donnerstagvormittag bis auf 12,40 Dollar.

Für eindeutige Klarheit über ihren Kurs habe die Fed am Mittwoch nicht gesorgt, meint auch Stefan Kipar, Experte bei der Bayerischen Landesbank. Einerseits scheine eine Zinsanhebung im Dezember sehr wahrscheinlich. Andererseits habe sich die Fed erneut von ihrer vorsichtigen Seite gezeigt, indem sie die längerfristigen Leitzinsprognosen gesenkt habe.

Die Bank of Japan (BoJ) hatte zuvor die Börsen mit einem neuen Rahmenwerk überrascht: Statt ihre massiven Staatsanleihekäufe auszuweiten, setzte sich die Notenbank ein neues langfristiges Zinsziel. So soll der Zins zehnjähriger japanischer Staatsanleihen bei etwa null Prozent gehalten werden - die Politik des billigen Geldes hält in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt also noch lange an. Ihren Strafzins von minus 0,1 Prozent verschärfte sie aber nicht.

dpa

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