Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft US-Senat fordert nach „Autopilot“-Crash Aufklärung von Tesla
Nachrichten Wirtschaft US-Senat fordert nach „Autopilot“-Crash Aufklärung von Tesla
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:22 16.07.2016
Anzeige
Palo Alto/Washington

Die Folgen des tödlichen Unfalls mit dem umstrittenen Fahrassistenten „Autopilot“ werden für Tesla-Chef Elon Musk immer unangenehmer. Der US-Senat fordert vom schillernden Tech-Milliardär Aufklärung.

In einem Brief verlangt Senator John Thune, der Vorsitzende des Ausschusses für Handel, Wissenschaft und Transport, von Tesla das bis zum 29. Juli Informationen über Hintergründe des Unfalls.

Thune unterstütze generell als Ausschussvorsitzender autonomes Fahren mit Blick auf Sicherheit und Mobilität, hieß es in dem Schreiben. Der technologische Fortschritt bringe die Chance, Unfallzahlen deutlich zu senken. Um dies zu erreichen, müssten Unternehmen die Kunden jedoch nicht nur über die Vorteile, sondern auch über die Grenzen solcher Systeme zu informieren.

Zugleich scheint „Autopilot“ in einen Unfall weniger als zuletzt geglaubt verwickelt zu sein. Bei einem Unfall im Bundesstaat Pennsylvania sei das System den Log-Dateien aus dem Fahrzeug zufolge ausgeschaltet gewesen, schrieb Tesla-Chef Musk bei Twitter. „Mehr noch, der Crash hätte sich nicht ereignet, wenn es eingeschaltet gewesen wäre“, erklärte er.

Der Fahrer des Elektroautos hatte der Polizei nach bisherigen Informationen gesagt, er sei am 1. Juli mit „Autopilot“ unterwegs gewesen, als der Wagen von der Straße abkam und sich überschlug. Tesla hatte zunächst erklärt, man könne diese Behauptung nicht überprüfen - das Auto habe dazu per Funk keine Daten übermittelt, möglicherweise, weil beim Unfall die Antenne beschädigt gewesen sein. Dann habe Tesla den Besitzer des Wagens zunächst nicht erreichen können, um die Log-Daten direkt aus dem Wagen auszuwerten.

Nach Musks kurzen Tweets blieb nun allerdings auch offen, ob „Autopilot“ eventuell vor dem Unfall noch eingeschaltet gewesen sein könnte. Auf die Frage eines Twitter-Nutzers, warum der Fahrer dann etwas anderes erzählt habe, mutmaßte der Tesla-Chef, vielleicht habe dieser nicht bemerkt, dass er das System ausgestellt habe. Dabei ertöne allerdings ein deutliches akustisches Signal, räumte Musk ein. Die Software habe sich auch nicht von allein abgeschaltet, das wäre in den Log-Dateien vermerkt worden, betonte er.

Nach dem tödlichen Crash Anfang Mai in Florida, bei dem ein vom Computer gesteuerter Tesla unter einen querenden Lastwagen-Anhänger raste, wird das System von US-Behörden untersucht. Jeder neue mutmaßliche Unfall mit „Autopilot“ zieht dadurch viel Aufmerksamkeit auf sich. Zuletzt bestätigte Tesla, dass am vergangenen Wochenende ein per Lenkassistent gesteuerter Wagen nach Mitternacht von einer Bergstraße abkam. Tesla betonte, das seien nicht die Bedingungen, unter denen der „Autopilot“-Assistent derzeit eingesetzt werden sollte.

Das einflussreiche US-Magazin „Consumer Reports“ forderte Tesla auf, das System zu deaktivieren. Der Autobauer habe zu schnell zu weitreichende Funktionen eingeführt. Indem Tesla das System unter dem Namen „Autopilot“ vermarkte, gebe das Unternehmen den Nutzern ein falsches Gefühl der Sicherheit. „„Autopilot“ kann das Auto nicht allein fahren, erlaubt Verbrauchern aber, ihre Hände minutenlang vom Steuer zu nehmen.“

Der Präsident des deutschen Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag), die Tesla-Unfälle zeigten, dass die Produzenten bei der Entwicklung von der gegenwärtigen Teilautomatisierung eines Autos zur Vollautomatisierung ab 2025 „das Thema Sicherheit nie aus dem Auge verlieren dürfen“.

dpa

Mehr zum Thema

Nach dem tödlichen Tesla-Crash stört sich das Kraftfahrt-Bundesamt an der Bezeichnung „Beta“, mit dem der Autobauer sein „Autopilot“-System versehen hat. In der Tech-Branche wird damit noch unfertige Software gekennzeichnet. Tesla-Chef Musk sagt, so sei das nicht gemeint.

12.07.2016

Schon viele Firmen mussten lernen, dass mit der US-Börsenaufsicht SEC nicht zu spaßen ist. Jetzt prüft sie dem „Wall Street Journal“ zufolge, ob Tesla den Investoren den tödlichen „Autopilot“-Crash zu lange verschwieg. Das könnte auch Folgen für andere Autobauer haben.

12.07.2016

Tesla wird nach dem ersten tödlichen Crash eines vom Computer gesteuerten Autos von US-Aufsehern gründlich unter die Lupe genommen. Die Verkehrsbehörde will alles über das „Autopilot“-System wissen. Die Börsenaufsicht prüft, ob Anleger rechtzeitig informiert wurden.

13.07.2016

Der Start ins Börsenjahr 2016 war turbulent. Das haben auch Privatanleger zu spüren bekommen. Dennoch steigt das Geldvermögen der Haushalte in Deutschland.

16.07.2016

Einen Absatzeinbruch hat VW aufgrund der Abgas-Manipulationen bei Dieselfahrzeugen nicht erlitten. Doch der Autobauer verliert Anteile auf einem seiner wichtigsten Märkte.

16.07.2016

Der SMS-Ersatz Line hat die hohen Erwartungen an seinen Börsengang nicht enttäuscht: Nach dem starken Debüt in New York sprang die Aktie auch in Tokio hoch. Mit den Milliarden-Einnahmen des Börsengangs will Line bei künstlicher Intelligenz und Daten-Auswertung nachlegen.

16.07.2016
Anzeige