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Überflieger: Mehdorn soll Pannen-Flughafen retten

Berlin/Schönefeld Überflieger: Mehdorn soll Pannen-Flughafen retten

Aufsichtsrat beruft ehemaligen Air-Berlin-Manager (70) einstimmig für drei Jahre. Personalie stößt in der Politik auf ein geteiltes Echo.

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Hartmut Mehdorn�(v. l.), Matthias Platzeck und Klaus Wowereit auf dem unfertigen Hauptstadtflughafen.

Quelle: dpa

Berlin. Was für ein Affront. Kurz nach 9.00 Uhr gestern Morgen prescht Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vor: Er erzählt den Medien, dass Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn künftig die Geschicke des von Pleiten, Pech und Pannen geprägten neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld lenken wird. Ramsauer kommt dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), zuvor. Der hatte für 12.00 Uhr zur Pressekonferenz geladen. Aber Platzeck bleibt gelassen.

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Hartmut Mehdorn�(v. l.), Matthias Platzeck und Klaus Wowereit auf dem unfertigen Hauptstadtflughafen.

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Nur eine kleine Spitze schickt er in Richtung Ramsauer. Auf die Frage von Journalisten, ob der Bund die Personalie geklärt habe, sagt der brandenburgische Regierungschef: Nach einem per Handschlag besiegelten Vertrag sei der Bund dann auch mit einbezogen worden.

Mehdorns Berufung zum Chef des Berliner Hauptstadtflughafens stößt indes auf ein geteiltes Echo in der Politik. Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast ist bestürzt: So setze sich die Flughafengesellschaft „endgültig dem Gespött aus“. Aus Sicht Dieter Dombrowskis, CDU-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, hat der Manager eine „Chance verdient“. Andere Politiker jedoch verweisen auf umstrittene Entscheidungen Mehdorns, insbesondere in seiner ehemaligen Funktion an der Spitze der Deutschen Bahn.

Platzeck dagegen lobt das langjährige vertrauensvolle Verhältnis zwischen ihm und Mehdorn. Dieser habe eine „reiche Berufserfahrung“ und als ehemaliger Chef der Fluggesellschaft Air Berlin auch Bezug zum Flugwesen. Der Aufsichtsrat habe ihn gestern einvernehmlich gewählt. Sogar Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) freut sich über Mehdorns Engagement: „Sicher hat die Entscheidung einige überrascht. Ja, er hat Ecken und Kanten, die werden wir auch nicht mehr schleifen.“ Mehdorn wird für drei Jahre verpflichtet. Seinen Dienst tritt er am Montag, 7.00 Uhr, an. Er werde sich dann erst einmal einarbeiten müssen, um die Dinge zu verstehen, sagt der 70 Jahre alte Flughafenchef und spricht angesichts der Pannen beim Bau des Hauptstadtflughafens von einer „schwierigen Zeit“.

Zaubern könne er allerdings auch nicht. Er wolle das Management „revitalisieren“. Zudem setze er auf die Unterstützung der Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund. „Ich habe jede Stimme bekommen.

Jetzt müssen Sie mich auch aushalten“, sagt der Manager, der für seine teils ruppige Art bekannt ist.

Dies erkennt zwar der Generalsekretär der Bundes-FDP, Patrick Döring, an. Jedoch: „Ob er das Chaos am BER wirklich richten kann, das muss man erst noch sehen“. Dagegen ist Mehdorn für den Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, genau der richtige Mann auf dem Posten. Mit seiner Berufung habe die „unsägliche Hängepartie“ endlich ein Ende. Und Linke- Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi hofft, dass Mehdorn „den Lärmschutz für die Anwohner“ hinsichtlich eines wirklichen Nachtflugverbots deutlich ernster nehme als seine Vorgänger.

BER — Eine unendliche Geschichte
Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen.

September 2006: Erster Spatenstich.

Juni 2010: Die für November 2011 geplante Eröffnung wird auf den 3. Juni 2012 verschoben.

17. Mai 2012: Der BER soll nun am 17. März 2013 eröffnet werden.

3. September 2012: Dritte Verschiebung auf den 27. Oktober 2013.

6. Januar 2013: Vierter Eröffnungstermin frühestens 2014.

Ich kann auch nicht zaubern.“ Hartmut Mehdorn mit Blick auf das bisherige Flughafen-Desaster

Christina Schultze und Susann Fischer

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