Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Umstrittener Atommülltransport startet

Castor-Behälter auf Neckar Umstrittener Atommülltransport startet

Der Energieversorger EnBW will hoch radioaktive Abfälle per Schiff von einem Kraftwerk zum anderen bringen. Umweltschützer kündigen Proteste gegen die Castor-Transporte an. Bleibt es friedlich?

Voriger Artikel
Obstbauern rechnen mit höheren Preisen für Kirschen
Nächster Artikel
Wie steht es um den Ex-Drogeriekönig Anton Schlecker?

Ein für den Castortransport vorgesehenes Transportschiff fährt in der Nähe des Atomkraftwerks in Neckarwestheim auf dem Neckar.

Quelle: Marijan Murat

Mannheim. Erstmals soll Atommüll in Deutschland auf einem Fluss transportiert werden. Die in dieser Woche erwartete Beförderung von zunächst drei Castor-Behältern per Schiff auf dem unteren Neckar ist heftig umstritten. Dazu einige Fragen und Antworten.

Ist mit Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegnern zu rechnen?

Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Polizei werde mit Hunderten Beamten im Einsatz sein. Der Transport werde von Booten der Wasserschutzpolizei begleitet, Polizeifahrzeuge seien an der Strecke postiert. Ein Hubschrauber beobachte aus der Luft. Als mögliche kritische Punkte werden sechs Schleusen auf dem etwa 50 Kilometer langen Weg gesehen. Gegner haben Proteste angekündigt. „Konflikte entstehen nur dann, wenn das Versammlungs- und Demonstrationsrecht an den Transporttagen eingeschränkt werden soll. Und wenn die Polizei mit unverhältnismäßigen Mitteln gegen Protestierende vorgeht“, sagt Herberth Würth vom Aktionsbündnis „Neckar castorfrei“.

Wann könnten die Transporte losgehen?

Die erste Beförderung der drei Castor-Behälter erfolgt nach dpa-Informationen noch in dieser Woche - konkret am Mittwoch. Das dazu nötige Transportschiff sollte nach aktuellen Plänen am Montag am stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim eintreffen - nach der Abfahrt in Neckarwestheim, wie aus Sicherheitskreisen verlautet. Am Dienstag soll demnach in Obrigheim die Verladung der drei Castor-Behälter auf das Schiff erfolgen. Insgesamt plant der Energieversorger EnbW fünf Transporte mit je drei Castoren.

Warum soll Atommüll aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk Obrigheim nach Neckarwestheim gebracht werden?

Eigentlich wäre für die Lagerung der 342 ausgedienten Brennelemente ein eigenes Zwischenlager in Obrigheim nötig. Allerdings ist in Neckarwestheim noch Platz: Von den dortigen 151 Lagerstellen sollen nur 125 für Castor-Behälter verplant sein, der Rest wäre demnach frei - etwa für die 15 Behälter mit Brennelementen aus Obrigheim. Die Genehmigung für eine Aufbewahrung der Brennelemente im Zwischenlager am Kernkraftwerk Neckarwestheim war der EnBW bereits 2016 erteilt worden. Atomkraftgegner kritisieren die Entscheidung.

Ein vorhandenes Zwischenlager nutzen statt ein neues zu bauen - was ist daran so umstritten?

Experten wie der Physiker Wolfgang Neumann kritisieren, dass wohl nicht geprüft wurde, ob in Obrigheim ein Zwischenlager möglich wäre, das in puncto Sicherheit besser wäre als andere Zwischenlager im Südwesten - einschließlich Neckarwestheim. „Ist das nicht so, muss eine Sicherheitsabwägung gemacht werden zwischen der Lagerung in Obrigheim und einem Transport nach Neckarwestheim“, sagt der Strahlenexperte aus Hannover. „Leider hat Entsprechendes auch unter einem Grünen-Umweltminister nicht stattgefunden“, sagt Neumann.

Warum soll der Atommüll auf dem Neckar transportiert worden?

EnBW und Polizei argumentieren, dass eine Beförderung auf der Schiene oder auf der Straße aufwendiger sei. Die Sicherheit sieht das Unternehmen nicht gefährdet. Der Chef der Kernkraft GmbH von EnBW, Jörg Michels, nennt das Transportschiff sogar „praktisch unsinkbar“. Hingegen bezeichnet die Landesvorsitzende des Umweltverbandes BUND, Brigitte Dahlbender, den Transport auf dem Neckar als „riskanteste Variante“. Es wäre der EnBW zufolge die erste Verfrachtung von Atommüll auf einem Fluss in Deutschland. In der Vergangenheit waren verbrauchte Brennelemente aber auf dem Wasser etwa nach Großbritannien gebracht worden.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Barth
Silke Beilfuß trauert um den Ahornbaum.

Nachdem im Garten der Familie Beilfuß aus dem nordvorpommerschen Barth klammheimlich ein Ahornbaum gefällt wurde, entschuldigt sich der Mitarbeiter des Bauamts nun bei der Familie.

mehr
Mehr aus Wirtschaft
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.