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Umweltschützer finden Pestizid im Bier

Rostock/Berlin Umweltschützer finden Pestizid im Bier

Die 14 beliebtesten Marken enthalten Rückstande des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat / Die EU entscheidet in zehn Tagen darüber, ob Landwirte das Mittel weiter verwenden dürfen

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Das Münchner Umweltinstitut hat die 14 beliebtesten Biersorten in Deutschland auf den Glyphosatgehalt untersucht.

Quelle: Samuel Schlagintweit

Rostock. Nicht lecker: Die Entdeckung von Glyphosat-Rückständen in den 14 beliebtesten Biersorten der Republik kratzt am sauberen Image des inoffiziellen Nationalgetränks. In der Politik ist unterdessen die Debatte um die Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels neu entbrannt.

Pflanzen brauchen Medizin, wenn sie krank sind.“

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) zum Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft

Das Umweltinstitut München ließ Zufallsstichproben von Biermarken wie Radeberger und Krombacher im Labor analysieren. Ergebnis: Alle Proben enthielten Glyphosat. Das Pestizid steht unter Verdacht, Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu schädigen. Am meisten belastet war Hasseröder Pils, in dem die Tester fast 30 Mikrogramm je Liter nachwiesen. Auch Jever und Warsteiner enthielten Werte von mehr als 20 Mikrogramm. Die gefundenen Mengen seien klein, räumt das Umweltinstitut ein. Einen Grenzwert für Bier gibt es nicht. Aber bereits geringe Dosen krebserregender und hormonwirksamer Stoffe könnten die Gesundheit dauerhaft schädigen.

Die Umweltschützer glauben, dass Glyphosat über das Braumalz ins Bier gelangt, das aus Gerste oder Weizen erzeugt wird. „Verbraucher sollten sich bei ihren regionalen Brauereien informieren, wie sie mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln im Bier umgehen“, sagt Karl Bär, Referent beim Umweltinstitut München.

Brauereien aus Mecklenburg-Vorpommern reagieren zurückhaltend auf die Kritik. Brauwasser und Malz werden regelmäßig analysiert, sagt Elisa Preuß von der Stralsunder Störtebeker-Brauerei. Im Malz sei Glyphosat entdeckt worden, jedoch weniger als 0,01 Mikrogramm je Kilo. Der zulässige Grenzwert sei 2000-fach höher. Die Hanseatische Brauerei Rostock will sich nicht äußern und verweist auf Stellungnahmen des Deutschen Brauerbundes und des Bundesinstituts für Risikobewertung. Der Brauerbund bezeichnet den Vorwurf mangelnder Kontrollen als „völlig haltlos“. Glyphosat finde sich inzwischen überall, selbst in Bio-Produkten. Zudem verweist der Brauerbund auf sein eigenes Malz-Monitoring. „Da will jemand der ganzen Branche schaden“, sagt Wolfgang Voß, Betriebsleiter der Darguner Brauerei (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) zu den Vorwürfen aus München.

Der Schweriner Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bezeichnet das umstrittene Glyphosat als Medizin, die Pflanzen brauchen, „wenn sie krank sind“. Das Landesinstitut für Lebensmittelsicherheit testete vergangenes Jahr 135 Lebensmittel auf Rückstände des Pestizids. Bei drei Sorten Haferflocken fanden sich geringe Mengen, aber weit unter dem Grenzwert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung wirft den Umweltschützern Panikmache vor. Man müsse 1000 Liter Bier am Tag trinken, um eine gefährliche Menge Glyphosat aufzunehmen, sagt ein Sprecher. Ein vom Umweltinstitut angeführter Vergleich der Bierbefunde mit dem Glyphosat-Leitwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm je Liter sei unsinnig — dies sei kein Grenzwert, ab dem gesundheitliche Risiken möglich sind.

Die Enthüllung kommt für Glyphosat-Hersteller wie Monsanto ungelegen: Am 8. März stimmt ein EU-Ausschuss über die Zulassungsverlängerung des Pflanzenschutzmittels ab. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion weist Forderungen nach einem Stopp des Verfahrens zurück. Die SPD geht auf Distanz: Solange die Folgen für die Gesundheit unklar seien, müsse der Einsatz reduziert werden.

Biersorte Glyphosat
Augustiner Helles 0,46 µg/l
Franziskaner Weißbier 0,49 µg/l
Beck‘s Pils 0,50 µg/l
Bitburger Pils 0,55 µg/l
Paulaner Weißbier 0,66 µg/l
Erdinger Weißbier 2,92 µg/l
Krombacher Pils 2,99 µg/l
König Pilsener 3,35 µg/l
Oettinger Pils 3,86 µg/l
Veltins Pilsner 5,78 µg/l
Radeberger Pilsner 12,01 µg/l
Warsteiner Pils 20,73 µg/l
Jever Pils 23,04 µg/l
Hasseröder Pils 29,74 µg/l
(Angaben in Mikrogramm je Liter) 



Gerald Kleine Wördemann und Reinhard Zweigler

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