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Unkraut wird nicht weggespritzt

Borken Unkraut wird nicht weggespritzt

Einige Methoden aus dem Bio-Landbau passen auch für konventionelle Äcker, meint der Chef von Gut Borken, Sven Grumbach.

Borken. Wintereichen, Butterkeller, Schwarzer See – jede Koppel hat einen Namen. Sven Grumbach kennt sie alle. Seit knapp zwei Jahren ist der gebürtige Rostocker Geschäftsführer auf Gut Borken bei Pasewalk im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Mit 5000 Hektar Fläche, 54 Beschäftigten, 6000 Rindern und 3500 Schweinen gehört der Betrieb zu den größten Öko-Höfen in Mecklenburg-Vorpommern.

Das ganze Jahr sind die Mutterkühe mit ihren Kälbern im Freien, immer 60 bis 80 Tiere in einer Herde. Die männlichen Kälber werden als Mastbullen aufgezogen, die „besonders gutes Fleisch liefern“, hebt Grumbach hervor.

Rinder bestimmten von Anfang an das Profil des Betriebes. Denn zwei Drittel der Fläche, die das Gut bewirtschaftet, sind Wiesen und Weiden in den Flussniederungen von Uecker und Randow. Borstenvieh kam erst später dazu. „Weil Bio-Schweine auf dem Markt besonders gefragt sind, wollen wir den Bereich noch ausbauen“, berichtet der promovierte Landwirt.

Sven Grumbach kommt aus der konventionellen Landwirtschaft, wohnt mit seiner Familie in Blankenhagen bei Rostock, arbeitete viele Jahre für die Rinder-Allianz und war Zuchtleiter im Schaf- und Ziegenzuchtverband. Wie wird man da Bio-Bauer am Rande der Ueckermünder Heide? „Öko ist für mich keine Ideologie, sondern eine Wirtschaftsweise“, sagt der 54-Jährige. „Für diese Gegend sogar die beste.“

Dr. Grumbach weiß zu schätzen, dass er eine Kollegin „mit Heimvorteil“ an seiner Seite hat. Birgit Wendlandt ist seit 1978 im Betrieb, seit 1991 als Geschäftsführerin. Die 60-Jährige hat das einstige Volkseigene Gut im Auftrag der Treuhandanstalt durch die Privatisierung begleitet. „44 Bewerber sahen sich damals hier um, sogar aus Belgien war ein Interessent dabei“, erinnert sich die tatkräftige Frau.

Sie war es auch, die in Borken den Öko-Zug auf die Schiene brachte. „Auf Sandböden und Niedermoorstandorten wächst nun mal nicht viel, auch wenn wir noch so viel düngen würden“, weiß die Diplom-Agraringenieurin. „Da war die extensive Rinderhaltung eine Chance.“ Sie ist froh, dass der spätere Besitzer, Rodo Schneider, das akzeptierte und das Gut ökologisch weiterbetreibt. Der Investor aus der bayrischen Fleischbranche brachte aus seiner Heimat auch einen großen Abnehmer mit – den Babykosthersteller Hipp. Bis heute findet sich ein Großteil des Borkener Bio-Fleischs in Gläschen mit Kindernahrung.

22 Jahre führte Birgit Wendlandt Gut Borken zusammen mit Christof Kühnlein, einem Neffen von Inhaber Schneider. „Wir haben uns gut ergänzt“, sagt die Mutter von drei Kindern und sechs Enkeln über diese Zeit. 2015 trennten sich ihre Wege, der promovierte Tierarzt Kühnlein wechselte inzwischen als Geschäftsführer zum Biopark-Verband in Güstrow.

Sven Grumbach ist auf Gut Borken angekommen. „Beruflich ist es für mich wie ein Geschenk.“ Der Landwirt schwärmt davon, dass er viel von dem einbringen kann, was er aus früheren Jobs gut beherrscht.

„Bei den Schafen und Rindern hatte ich viel über Weidehaltung gelernt.“ Bestimmte Arbeitsweisen aus dem Ökolandbau könnte er sich auch im konventionellen Bereich vorstellen. „Mais, Rüben und Kartoffeln sind Hackfrüchte. Damit weiß heute kaum noch jemand etwas anzufangen.“ Durch Hacken mit moderner Technik wird Unkraut in Schach gehalten und der Boden aufgelockert, Wärme und Wasser gelangen besser an die Pflanzen. Grumbach: „Unser Mais steht oft besser als auf Flächen, wo Unkraut konventionell weggespritzt wird. Das alles ist für mich eine tolle Erfahrung.“ Dafür nimmt er in Kauf, dass der Job ihn häufig von der Familie trennt.

Doch Sven Grumbach ist ein Mann, der das Positive sieht: „Bei der Rinder-Allianz bin ich im Jahr mehr als 80000 Kilometer gefahren, jetzt sind es 10000 weniger.“

Elke Ehlers

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