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17:23 13.04.2018
Der 59-jährige Diess galt bereits länger als „Kronprinz“ Müllers. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Wolfsburg

Der bisherige VW-Markenchef Herbert Diess hat es an die Spitze des weltgrößten Autobauers Volkswagen geschafft: Er löst Matthias Müller als Konzernchef ab, wie der Aufsichtsrat am Donnerstag in Wolfsburg beschloss.

Gleichzeitig führt Volkswagen im Zuge eines umfassenden Konzernumbaus neue Markengruppen ein. Laut Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch soll die Neuordnung die Entscheidungen bei dem riesigen Autokonzern beschleunigen.

Müller gibt in gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vorstandsvorsitzender ab, wie Volkswagen mitteilte. Aus dem Unternehmen allerdings scheidet er nach Angaben eines Sprechers nicht aus. Er wird demnach seinen Vertrag bis 2020 erfüllen. Dem seit Herbst 2015 - seit „Dieselgate“ mit Millionen manipulierter Dieselfahrzeuge - amtierenden bisherigen Konzernchef soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen worden sein. Erst am Dienstag hatte VW überraschend angekündigt, die Führungsetage umbauen zu wollen.

Pötsch erklärte nun, Müller habe den Vorstandsvorsitz im Herbst 2015 übernommen, als das Unternehmen „vor der größten Herausforderung seiner Geschichte stand“. Er habe den Konzern sicher durch diese Zeit gesteuert, das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet, einen Kulturwandel in die Wege geleitet und dafür gesorgt, dass der Konzern „nicht nur in der Spur geblieben ist, sondern robuster als jemals zuvor dasteht“. Volkswagen hatte 2017 trotz weiter drückender „Dieselgate“-Lasten deutlich mehr verdient.

Pötsch sagte nach der Sitzung des Aufsichtsrats, VW wolle die individuelle Mobilität von morgen an führender Stelle mitgestalten. Dafür sei Diess der richtige Mann. Er habe bei der Neuausrichtung der Marke VW bewiesen, „mit welchem Tempo und mit welcher Konsequenz er tiefgreifende Transformationsprozesse umsetzen kann“. Es war Diess gelungen, die Effizienz der lange Zeit ertragsschwachen Kernmarke zu verbessern.

Diess erklärte es zu seiner wichtigsten Aufgabe, „den Weg hin zu einem profitablen, weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität konsequent weiter zu verfolgen“. Volkswagen müsse Tempo aufnehmen und Akzente bei Elektromobilität, bei der Digitalisierung des Autos und des Verkehrs und bei neuen Mobilitätsdiensten setzen.

Auch die Neuorganisation der Marken des Zwölf-Marken-Konzerns soll kommen: Eingeführt werden die Markengruppen „Volumen“ (VW, Skoda und Seat), „Premium“ (Audi) und „Super Premium“ (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini). Für die Nutzfahrzeugeinheit Truck & Bus sollen die Voraussetzung geschaffen werden, diese an die Börse zu bringen, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Autobranche ist mitten in einem umfassenden Wandel, hin zu alternativen Antrieben und autonomem Fahren. VW wurde in der Vergangenheit zentralistisch geführt und galt als schwerfällig. Dazu kam der Abgasskandal, der schließlich fast die ganze Branche erfasste, außerdem wurden Kartellvorwürfe gegen die Autobauer laut.

Darüber hinaus beschlossen die Aufseher weitere Personalien: Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat und ein enger Vertrauter des mächtigen VW-Betriebsratschefs Bernd Osterloh, wird Personalvorstand und damit Nachfolger von Karlheinz Blessing.

Der langjährige Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch, seine Aufgaben wird der Beschaffungsvorstand der Marke, Ralf Brandstätter, kommissarisch übernehmen. Sanz ist seit 2001 Vorstand bei VW und auch Aufsichtsratschef beim Bundesligisten VfL Wolfsburg. Zugleich rückt Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand auf.

Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzlich Konzernführungsaufgaben. Der neue Konzernchef Diess verantwortet demnach die Konzernentwicklung- und Forschung, Audi-Chef Rupert Stadler den Konzernvertrieb und Porsche-Chef Blume die Konzernproduktion.

Der 59-jährige Diess galt bereits länger als „Kronprinz“. Er scheut auch Konflikte mit dem Betriebsrat nicht und lag mit Betriebsratschef Osterloh wegen des „Zukunftspakt“ genannten Sparprogramms im Clinch. Diess gilt in Teilen der Belegschaft aber auch als umstritten.

dpa

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