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VW beendet Zulieferer-Streit: Autobranche atmet auf

Rostock VW beendet Zulieferer-Streit: Autobranche atmet auf

Händler in MV sind erleichtert über rasche Einigung. Eine längere Krise hätte auch im Nordosten ihre Spuren hinterlassen.

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Autohausbesitzer Holger Neu

Quelle: Volker Stephan

Rostock. Die überraschende Einigung von Volkswagen mit zwei Lieferanten sorgt für ein Aufatmen – auch in der Autobranche von Mecklenburg-Vorpommern. Holger Neu, Chef der Neu-Gruppe, ist erleichtert, dass bei VW die Produktion nun wieder anläuft. „Es wäre von Tag zu Tag kritischer geworden“, sagt Neu. Zu seiner Gruppe gehören acht Autohäuser, die mehrere Marken des VW-Konzern verkaufen, unter anderem in Greifswald und Stralsund.

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Händler in MV sind erleichtert über rasche Einigung. Eine längere Krise hätte auch im Nordosten ihre Spuren hinterlassen.

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Durch die rasche Einigung von VW mit den zwei Unternehmen der Prevent-Gruppe werde es so gut wie keine Auswirkungen für Kunden geben, schätzt Neu. Er wisse von Einzelfällen, bei denen sich die Auslieferung des Passat, der in Emden gebaut wird, um zwei Wochen verzögere. Emden drosselte am Donnerstag als erstes Werk die Produktion, nachdem die Zulieferer Car Trim und ES Automobilguss aus Sachsen keine Sitzbezüge und Getriebegehäuse mehr lieferten.

Anlass war offenbar ein Streit über Entschädigungszahlungen, nachdem der Wolfsburger Konzern einen 500-Millionen-Euro-Auftrag für Sitzbezüge für VW und Porsche storniert hatte. Vergangene Woche eskalierte die Auseinandersetzung. Nach 20-stündigen Verhandlungen einigten sich schließlich beide Seiten gestern und beschlossen eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Laut „Süddeutscher Zeitung“

machte VW die Kündigung einer Kooperation teilweise rückgängig, die den nun beendeten Lieferstopp ausgelöst hatte. Zudem bleiben die Firmen der Unternehmensgruppe Prevent bei VW weitere mindestens sechs Jahre lang im Geschäft.

„Ich habe auf eine schnelle Einigung gehofft“, sagt Peter Kuboth, Geschäftsführer beim VW-Autohaus Eschengrund in Neubrandenburg. Kunden müssten keine Nachteile befürchten, heißt es sowohl bei ihm als auch bei der Neu-Gruppe. Sollten sich dennoch Auslieferungen von Neuwagen verzögern, werde man dafür sorgen, dass die Käufer in der Übergangszeit mobil bleiben, versprechen die Händler.

Bei manchen Modellen müssten sich Käufer zurzeit ohnehin in Geduld üben. Die Lieferzeiten für das neue Modell des Kompakt-SUV Tiguan betragen laut Kuboth wegen der großen Nachfrage derzeit vier bis fünf Monate. Für beide Seiten stand zu viel auf dem Spiel, vermuten Experten als Grund für die schnelle Einigung. Laut VW waren 27700 Mitarbeiter betroffen, in Emden, Zwickau und Kassel, sowie in Wolfsburg, wo zeitweise die Produktion des Golf ruhte. Ein längerer Stillstand hätte auch andere Zulieferer erreicht. Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach, warnte vor einer möglichen gefährlichen Kettenreaktion. „Unsere Unternehmen sind nicht betroffen“, hieß es bei der Zulieferer-Vereinigung Automotive MV. Bei den 20

Mitgliedsfirmen des Nordost-Verbands arbeiten 5000 Beschäftigte. Der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall sprach von einem „guten Signal für den Automobilstandort Deutschland“.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht dagegen nach dem Streit beide Seiten beschädigt. „Der eigentliche Grund für die Posse liegt aber auf dem VW-Einkaufssystem“, sagt der Wirtschaftsprofessor. Das setze bei manchen Teilen auf einen einzigen Lieferanten. Bei Preis-Verhandlungen gilt VW als „harter Knochen“, ebenso Prevent. Die aus Bosnien-Herzegowina stammende Zulieferer-Gruppe streitetauch mit Daimler über Entschädigungszahlungen.

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Normalerweise laufen in Wolfsburg täglich rund 2200 Golf vom Band. Das Wichtigste: Seit gestern bringen Lkw die Getriebeteile von ES Guss in Schönheide wieder Richtung VW-Getriebewerk in Kassel. Dort soll die Produktion morgen wieder laufen. Nach der Durchlaufzeit dort müssen die Getriebe nach Wolfsburg und Zwickau. Im Stammwerk Wolfsburg sei die Teileversorgung dann voraussichtlich in wenigen Tagen wieder hergestellt.

Gerald Kleine Wördemann

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