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Wirtschaft Vita 34 kauft Seracell aus Rostock
Nachrichten Wirtschaft Vita 34 kauft Seracell aus Rostock
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18:42 13.08.2017
Blick in ein Labor der Seracell Pharma AG in Rostock. Der medizinisch-technische Assistent Sebastian Hakus lagert eine Kassette mit Eizellen in einem mit flüssigem Stickstoff gefüllten Tank ein. Quelle: Foto: Frank Söllner
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Rostock/Leipzig

Die Fusion der beiden größten Nabelschnurbanken Deutschlands ist vollbracht: Für 14 Millionen Euro übernahm der Leipziger Marktführer Vita 34 den Rostocker Konkurrenten Seracell, Deutschlands Nummer zwei.

Die Megafusion der Nabelschnur- blutbanken ist perfekt: Deutscher Marktführer aus Leipzig schluckt die bisherige Nummer zwei aus dem Norden.

„Mit der Akquisition von Seracell erreichen wir ein neues Niveau in Bezug auf unsere Unternehmensgröße“, sagte der neue Vita-34- Chef Wolfgang Knirsch. „Die gestärkte Position wird es uns erlauben, neue Preismodelle zu entwickeln.“ Für Vita 34 sei das ein „äußerst attraktives Geschäft“. Durch die Übernahme der 40000 Seracell-Kunden kommt die Firma erstmals auf über 200000 Kunden.

Das Tiefkühllager in Rostock will Vita 34 vorerst weiter betreiben. Nach Informationen der Leipziger Volks-Zeitung war zunächst ein Umzug nach Sachsen geprüft worden. Die Kapazitäten in Rostock wolle man aber für weiteres Wachstum behalten, sagte Knirsch jetzt. Auflösen will er dagegen bis Ende September die Seracell-Verwaltung in Berlin. Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung (LVZ) betrifft das rund die Hälfte der 56 Mitarbeiter der Firma.

Die Seracell Stammzelltechnologie GmbH war 2002 als Ausgründung der Uniklinik Rostock entstanden, auf Initiative der Hämatologen und Onkologen Professor Mathias Freund und Dr. Hans-Dieter Kleine.

Seracell gehörte bisher den Gründern der Firma, die rund 75 Prozent der Anteile hielten. Sie ziehen sich nach Vita-34-Angaben aus dem Unternehmen zurück. Prof. Mathias Freund bestätigte gestern auf Anfrage, dass er am 3. Juli aus dem Vorstand ausgeschieden ist.

In den großen silbernen Tanks in Rostock lagern mehr als 75000 vermeintliche Lebensversicherungen – bei minus 180 Grad auf Eis gelegte Stammzellen. Eltern aus Deutschland, Spanien, Italien, Serbien und Rumänien haben sie bei der Geburt ihrer Kinder aus dem Blut der Nabelschnur entnehmen lassen. Im Fall einer schweren Erkrankung bieten körpereigene Stammzellen laut einigen Studien in Zukunft Aussicht auf Heilung.

Den Leipzigern waren die Aktivitäten der Hansestädter seit längerem ein Dorn im Auge. Bei den Sachsen kostet die Einlagerung von Nabelschnurblut mindestens 1990 Euro zuzüglich einer Jahresgebühr von 48,20 Euro. Das ist das Fünffache dessen, was Seracell bisher verlangte: Dort war das günstigste Paket bereits für einmalig 390 Euro plus sechs Euro Monatsgebühr zu haben. Vita 34 nannte die Angebote „Kampfpreise“. Die neuen Eigner nutzen den Zukauf von Seracell nun, um den Markt zu bereinigen.

Das Neukundengeschäft von Seracell wurde eingestellt, Interessenten werden dagegen an das Mutterunternehmen Vita 34 verwiesen. „Es besteht keine Möglichkeit mehr zum Abschluss eines Neuvertrages bei Seracell“, heißt es aktuell auf der Internetseite. Nur die Verträge mit Bestandskunden werden weitergeführt. „Alle Vereinbarungen und Preise gelten wie festgelegt.“

Indes hat sich nach der Übernahme in Leipzig das Personalkarussell kräftig gedreht. Großaktionär und Online-Apotheker Michael Köhler ist als Investor eingestiegen und hält nun 11,6 Prozent der Anteile bei Vita 34. Er wurde ins Boot geholt, um den Millionen-Zukauf zu stemmen, und hat nun sofort den bisherigen Chef André Gerth und den Aufsichtsratschef Hans-Georg Giering entlassen. Neuer Vorstandschef ist Wolfgang Knirsch. An der Spitze des Kontrollgremiums wirkt nun der Bruder des Großaktionärs, Frank Köhler.

Michael Köhler ist Chef der niederländischen Online-Apothekengruppe Shop Apotheke Europe. „Vita 34 hat für mich ein interessantes Wachstumspotenzial“, begründete Köhler seinen Einstieg. „Als zweitgrößte Nabelschnurblutbank Europas hat Vita 34 eine interessante kritische Größe erreicht.“ Aufmerksam geworden war er auf die Leipziger Firma offenbar durch die Ankündigung der Übernahme von Seracell Mitte April – und die sich anschließende Suche nach einer Finanzierung.

2002 in Rostock gegründet

14 Millionen Euro hat der Kauf der Rostocker Firma Seracell Stammzelltechnologie GmbH den Leipziger Marktführer

Vita 34 gekostet.

Als Ausgründung aus der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock entstand 2002 auf Initiative der Hämatologen und Onkologen Prof. Mathias Freund

(Foto) und Dr. Hans-

Dieter Kleine die Seracell Stammzelltechnologie GmbH. Neben den Stammzellen von Neugeborenen aus deren Nabelschnurblut lagern in dem Rostocker Unternehmen auch Eizellen in der sogenannten Eizellbank. „Social Freezing“ heißt das Verfahren, bei dem Eizellen für viele Jahre eingefroren werden können und dann, je nach Bedarf, später aufgetaut und befruchtet werden.

Frank Johannsen und Virginie Wolfram

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