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Wirtschaft Volkswagen will in den USA die Kurve kriegen
Nachrichten Wirtschaft Volkswagen will in den USA die Kurve kriegen
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11:22 16.04.2017
Hinrich Woebcken führt das Nordamerika-Geschäft von Volkswagen. Quelle: Uli Deck
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New York

Anfang 2016 erklärte sich Hinrich Woebcken bereit, bei Volkswagen einen der schwierigsten Jobs anzutreten: Der frühere BMW-Manager wurde verpflichtet, um das Ruder in Nordamerika herumzureißen.

Noch dicker kam es, als das Unternehmen ihn kurz darauf in Personalunion auch noch zum Nachfolger des überraschend zurückgetretenen US-Chefs Michael Horn machte. Damit stand Woebcken inmitten des Dieselskandals allein an vorderster Front. Nun zieht er eine erste Bilanz und erklärt, warum er VW auf dem schwierigen US-Markt trotz Abgasaffäre und Trump-Risiken gut aufgestellt sieht.

„Es war ein Jahr voller Herausforderungen, wir haben glaube ich in einer sehr kurzen Zeit viele Sachen wieder geradegerückt“, sagte Woebcken der Deutschen Presse-Agentur bei der New York Auto Show. VW habe sich in den USA mit den Umweltbehörden und mit dem Justizministerium geeinigt, zudem Vergleiche mit Kunden und Autohändlern geschlossen. Der VW-Manager spricht von einem „bemerkenswerten“ Tempo bei der Krisenbewältigung. Die hat für den Konzern allerdings auch einen hohen Preis: Über 20 Milliarden Euro nimmt man für die Vergleiche in den USA in die Hand.

Die „Dieselthematik“ sei damit nicht abgehakt, betont Volkswagens Nordamerika-Statthalter. „Wir müssen nach wie vor um unseren Ruf kämpfen“. Doch der Blick kann jetzt wieder stärker nach vorne gerichtet werden. Mit dem Diesel, der bis zum Skandal 25 Prozent der VW-Verkäufe ausmachte, sei man zwar erstmal durch. „Nach so einer schwierigen Phase muss man nachdenken - und wir haben derzeit in der Tat keine Pläne, Diesel wieder einzuführen“, sagt Woebcken. Doch: „Die Marke strahlt ein Vertrauen aus, das weit darüber hinausgeht“.

Mit einer SUV-Offensive sollen 2017 endlich die richtigen Produkte auf den US-Markt gebracht werden, auf dem sich die Wolfsburger seit Jahren schwer tun. Man setze, so Woebcken, auf den „Hoffnungsträger“ Atlas, einen Stadtgeländewagen mit sieben Sitzen. Zudem ist eine den Vorlieben der US-Kunden angepasste XL-Variante des Tiguan in den Startlöchern. Vor einer abflauenden US-Autokonjunktur hat Woebcken keine Angst. „Wir gehen mit der SUV-Strategie in Segmente rein, in denen wir vorher nicht vertreten waren, insofern gibt es für Volkswagen auf dem US-Markt große Wachstumschancen“.

Durch den freihandelsfeindlichen „Amerika zuerst“-Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump, der Autobauern mit hohen Strafzöllen auf Importe droht, gibt es jedoch schon ein neues Geschäftsrisiko. Woebcken demonstriert Gelassenheit. „Wir alle müssen jetzt erstmal abwarten“. Man habe viele verschiedene Signale aus Washington erhalten. „Es ist für die ganze Industrie, aber auch für Volkswagen noch nicht ganz klar, in welche Richtung es gehen wird.“

Obwohl VW eine große Fertigungsbasis in Mexiko unterhält, dem Nachbarland, das Trump wegen seiner niedrigen Löhne besonders auf dem Kieker hat, ist Woebcken nicht bange. „Natürlich gucken wir uns das an, sind aber relativ selbstbewusst, was die Standortsituation in den USA betrifft.“ VW beschäftige dort über 6000 Mitarbeiter direkt, inklusive Händler- und Zuliefernetz stütze man über 120 000 US-Jobs. Jüngst erst habe das Unternehmen 900 Millionen Dollar in die Atlas-Produktion im US-Werk in Chattanooga (Tennessee) gesteckt, wo mittelfristig auch noch ein neuer Fünfsitzer-SUV gefertigt werde.

„Insofern stehen wir zu dem Land und werden auch weiter hier investieren“, verspricht Woebcken. Wie viele seiner Drohungen Trump wahr mache, darüber könne ohnehin nur spekuliert werden. Aber: „Volkswagen ist ein Unternehmen mit über 100 Standorten weltweit und natürlich haben wir diverse Möglichkeiten zu reagieren.“ Man wolle sich aber erst damit auseinandersetzen, wenn mehr Klarheit herrsche, was kommen werde. „Und“, so Woebcken, „ob überhaupt etwas kommen wird.“ Grundsätzlich wünsche sich VW als internationales Unternehmen einen „fairen und globalen Handel“.

dpa

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