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Wirtschaft Volkswerft droht Aus noch im April
Nachrichten Wirtschaft Volkswerft droht Aus noch im April
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00:00 04.04.2014
Die Transportschiffe „Ark Germania“ (r.) und „Ark Dania“ liegen am Ausrüstungskai der insolventen P+S Volkswerft in Stralsund. Quelle: Stefan Sauer
Schwerin

Schwerer Schlag für Stralsund: Gut 19 Monate nach der Pleite der Volkswerft steht der traditionsreiche Schiffbaubetrieb schneller als erwartet vor der Schließung. Wie Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gestern vor dem Finanzausschuss des Landtages einräumen musste, verhandelt der letzte verbliebene Auftraggeber der Werft, die dänische Reederei DFDS, mit der Insolvenzverwaltung über die Aufhebung von Verträgen. Die Dänen hatten insgesamt zwei Spezialschiffe, sogenannte Roll-On-Roll-Off-Fähren, bestellt.

Nach Angaben von Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann war es der Stralsunder Schiffbaugesellschaft mit ihren verbliebenen 500 Mitarbeitern nicht gelungen, die erste der beiden Fähren, die „Ark Germania“, ohne Beanstandung fristgerecht bis zum 20. Februar auszuliefern. Laut Brinkmann wurden deshalb bereits Strafzahlungen geleistet. In welcher Höhe, sagte Brinkmann auf Nachfrage nicht.

Der Hamburger Anwalt erklärte, Mängel hätten zu „erheblichen Verzögerungen“ geführt. Brinkmann nannte einen Ruderschaden, Probleme mit einem Kabel-Zulieferer sowie zu hohe Schwingungen im Leerlauf der Maschine. Motor und Getriebe stammten nicht von derselben Firma. Ein Planungsfehler, der noch aus Zeiten vor der Insolvenz stamme. Laut Brinkmann sind zurzeit beide Seiten daran interessiert, neue Verträge auszuhandeln.

Wirtschaftsminister Glawe betonte unterdessen, es gebe kaum noch Hoffnung, die Fähren in Stralsund zu halten. „Es ist zu befürchten, dass die Aufhebungsverträge mit einem vorzeitigen Ende der Arbeit für die Beschäftigten auf der Werft verbunden sind“, sagte Linksfraktionschef Helmut Holter im Anschluss an die Ausschusssitzung. Holter weiter: „Damit erhöht sich der Druck, einen Investor zu finden, bevor die Werft vollends erkaltet“. Vom „Erkalten“ einer Werft wird in Fachkreisen gesprochen, wenn der Betrieb über keine Aufträge mehr verfügt und deshalb Strom, Gas und Wasser abstellt.

Den rund 120 Ingenieuren der Shipdesign Stralsund war bereits vorsorglich zum 30. April gekündigt worden. Geschäftsführer Helge Sell hatte den Mitarbeitern keine Hoffnung mehr auf eine Fortführung des Schiffbaus in Stralsund gemacht (OZ berichtete).

Nach OZ-Informationen denkt DFDS offenbar darüber nach, seine beiden Fähren auf der Hamburger Sietas-Werft zu Ende bauen zu lassen. Damit würde den DFDS-Schiffen ein ähnliches Schicksal drohen wie zuvor bereits den beiden Scandlines-Fähren. Auch dort hatten erhebliche Baumängel und massive Verzögerungen bei der Fertigstellung zu einem Aufheben der Verträge geführt. Neben Gewichtsüberschreitungen waren auch dort Probleme mit der Verkabelung ausschlaggebend. Auch die Scandlines-Schiffe werden inzwischen andernorts fertiggestellt. Nicht zuletzt die Probleme beim Bau dieser Schiffe waren ausschlaggebend für die Pleite der P+S-Werften.

Glawe betonte, dass dem Land bei einer Kündigung ein finanzieller Schaden von 40 Millionen Euro entstehen könnte. Die Reederei wolle allerdings keinerlei Anzahlungen zurückverlangen. Sollte die Reederei sofort aus den Verträgen aussteigen, drohe der Werft eine um vier Wochen frühere Schließung — also bereits Ende dieses Monat. Laut Landesregierung hat DFDS kein Vertrauen mehr in den Standort. Dadurch werde es immer schwerer, einen Investor für die Werft zu finden.

Protestaktion mit Sellering und Glawe: Endet der Schiffbau am 30. April?
Die Industriegewerkschaft (IG) Metall hat zu einer großen Demonstration aufgerufen. Aus Angst vor dem endgültigen Aus der Volkswerft rüsten sich die Stralsunder Schiffbauer zu einer großen Protestaktion am Montag um 17 Uhr auf dem Alten Markt in Stralsund. Die Arbeiter der Volkswerft wollen von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) wissen, ob und wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Stralsund braucht die Werft“. Neben Sellering und Glawe hat auch Oppositionsführer Helmut Holter sein Kommen angekündigt. Das von der Landesregierung versprochene Konzept für Stralsund liege bisher nicht vor, kritisierte der IG-Metall-Bevollmächtigte Guido Fröschke. Hinter vorgehaltener Hand wird vermutet, Sellering und Glawe könnten am Montag das endgültige Aus für den Schiffbau in Stralsund zum 30. April verkünden.



Jörg Köpke

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