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Vorsicht, giftig! Biogas-Anlagen gefährden Trinkwasser

Rostock Vorsicht, giftig! Biogas-Anlagen gefährden Trinkwasser

Die Nitrat-Werte sind an verschiedenen Stellen im Nordosten durch den zunehmenden Einsatz von Dünger und Pestiziden bereits mehrfach überschritten. Die nötige Reinigung treibt Preise in die Höhe.

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Nebenwirkung: Der Ausbau der Energieerzeugung aus Biomasse – hier in Welzin auf Usedom – führt zur Verschlechterung der Wasserqualität.

Quelle: Dietmar Pühler

Rostock. Wasser-Versorger in MV schlagen Alarm: Der Bau immer weiterer Biogas-Anlagen im Land gefährdet das Trinkwasser! Eine „ausufernde Biomasseproduktion“, etwa mit Mais, zur Versorgung der Anlagen stelle durch Rückstände von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ein enormes Risiko dar. „Wir machen uns ernsthaft Sorgen um die Qualität des Wassers“, betont der Geschäftsführer des Zweckverbands Kühlung, Klaus Rhode.

Bei Untersuchungen in MV sei an drei von fünf Messstellen der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser überschritten worden. Mit Nitrat belastetes Grundwasser müsse aufwendig mit Membranfiltern aufbereitet werden. „Das wirkt sich auf die Kosten aus“, sagt der Geschäftsführer des Zweckverbands Grimmen, Eckhart Zobel. Im Nordosten wird 83 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen.

Derzeit sind im Land nach Angaben des Schweriner Energieministeriums 238 Biogas-Anlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 166 Megawatt in Betrieb. Und der Ausbau schreitet zügig voran:

Weitere 162 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 69 Megawatt seien im Bau beziehungsweise im Genehmigungsverfahren.

Generell ablehnen wollen die Wasser-Versorger die Biogasproduktion nicht. „Die Energiewende ist wichtig“, so der Vorsteher des Zweckverbands Grevesmühlen, Eckhard Bomball. Der extreme Anstieg der Zahl der Anlagen und der damit verbundene exzessive Anbau der Biomasse sei jedoch ein Irrweg. Die Wasserwirtschaftler fordern den Stopp weiterer Anlagen. In Wasserschutzgebieten sollten sie vollständig verboten werden, sagt Rhode. Überschüssiges Nitrat und Phosphor aus Dünge- und Pflanzenschutzmitteln gelange durch die Bodenschichten ins Grundwasser, erklärt die Geschäftsführerin der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW), Christa Hecht.

Nitrat selbst ist gesundheitlich undenklich; es kann aber im Körper in Nitrit umgewandelt werden. Insbesondere bei Säuglingen kann sich durch Nitrit eine mitunter tödliche Blausucht (Zyanose) entwickeln. Die Landwirte weisen Vorwürfe der Überdüngung weit von sich. „Bei der Biomasseproduktion werden nicht verstärkt Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, widerspricht der Pflanzenbaureferent des Bauernverbandes MV, Ralf Benecke. Zahlreiche Unternehmer nutzten bereits modernste Technologien, die auf den Feldern die Dosierung entsprechend dem tatsächlichen Nährstoffbedarf variieren können.

Zudem zeichneten sich Maispflanzen durch „eine sehr effektive Ausnutzung der gedüngten Nährstoffe aus“, ergänzt Benecke. Auch müssten beim Mais nur vergleichsweise wenig Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. In diesem Jahr wird in MV auf einer Gesamtfläche von 135 000 Hektar Mais angebaut (Vorjahr: 146 000 Hektar).

Axel Meyer

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