Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Was es mit dem Treffen der Automanager bei Trump auf sich hat
Nachrichten Wirtschaft Was es mit dem Treffen der Automanager bei Trump auf sich hat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:24 05.12.2018
Daimler-Chef Dieter Zetsche verläßt das weiße Haus nach einem mit Präsident Trump. US-Präsident Trump und Vertreter seiner Regierung trafen sich mit deutschen Automanagern. Quelle: Evan Vucci/AP/dpa
Frankfurt

 Top-Manager der deutschen Autobauer haben Präsident Donald Trump bei einem Gespräch im Weißen Haus Investitionen in den USA zugesichert. Wir erläutern, wie die Strategie der Besänftigung wirken kann und warum Strafzölle auch Jobs in den Vereinigten Staaten bedrohen.


Was ist bei den Gesprächen der Autobosse mit Trump herausgekommen?

Herbert Diess (Volkswagen), Dieter Zetsche (Daimler) und BMW-Finanzchef Nicolas Peter haben sich auf die Sprachregelung „konstruktiv“ geeinigt. Was alles und nichts bedeutet. Diess betonte immerhin, man sei einen großen Schritt vorwärts gekommen, um Strafzölle für Autos und Komponenten zu verhindern. Die Drei haben zudem bekräftigt, dass sie sich stärker in den USA engagieren und Jobs schaffen wollen. Dem Präsidenten dürfte das zunächst genügen, damit kann er seinen Anhängern twittern, er habe die deutschen Autobauer zu Zugeständnissen gezwungen.


Wie ist die Einladung generell zu bewerten?

Die deutschen Autobosse hätten gar nicht absagen können, das hätte den Konflikt zwischen den USA und der EU nur eskaliert. Beobachter berichten, dass die Gäste im Weißen Haus wie Bittsteller behandelt wurden. Auch das war für Trump als Signal wohl wichtig. Auch andere Führungskräfte, wie die GM-Chefin Mary Barra, haben in der Vergangenheit gelernt, dass sich Trump mit Demutsgesten zumindest vorübergehend besänftigen lässt – was Barra nicht davon abgehalten hat, ihre Strategie unbeirrt fortzuführen. Die Einladung kann man aber auch anders lesen: Trump geht nicht mit voller Härte vor und erlässt zuerst Strafzölle und bietet dann Gespräche an – wie er es in anderen Fällen getan hat. Das kann darauf hindeuten, dass man im Weißen Haus erkannt hat, dass die Sache etwas komplexer ist.


Welche Trümpfe halten die deutsche Autoindustrie in der Hand?

Der wichtige Faktor ist, dass deutsche Hersteller in den USA derzeit schon rund 120.000 Frauen und Männer beschäftigen, und zwar zu einem großen Teil in strukturschwachen Regionen, wo viele Anhänger von Trump zu Hause sind. Vor allem die Werke von BMW und Daimler sind aber auf Motoren und andere Komponenten aus Europa angewiesen. Werden diese mit einem zusätzlichen Einfuhrzoll von 25 Prozent belegt, würde das die Fertigung bremsen. Die Beschäftigten im Daimler-Werk in Tuscaloosa (Alabama) bekommen bereits den Handelsstreit zwischen USA und China zu spüren. Die dort gebauten und für den chinesischen Markt bestimmen Mercedes-SUV leiden unter den Vergeltungszöllen, die China für Autos „Made in USA“ verhängt hat. Wirklich kompliziert würden Strafzölle übrigens für den italo-amerikanischen Autobauer FCA, dessen Marke Chrysler ist mittlerweile eng mit der italienischen Mutter verzahnt, zu der unter anderem die Marke Fiat gehört.


Welche Zugeständnisse haben die Autobauer konkret gemacht?

Von Zugeständnissen im engeren Sinn kann keine Rede. Es gibt unverbindliche Absichtserklärungen über Projekte, die schon zuvor auf den Weg gebracht wurden. Volkswagen will in den USA expandieren und plant unter anderem ein zusätzliches Werk für E-Autos errichten. Der Weg dahin ist aber noch sehr weit. Zudem ist eine Kooperation mit Ford bei Nutzfahrzeugen und bei neuen Mobilitätskonzepten wie automatischem Fahren geplant. Es sei noch zu früh, über Details zu reden, sagte eine Ford-Sprecherin der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Denkbar ist nach den Worten von Diess auch, Fertigungskapazitäten von Ford zu nutzen, um Autos der Marken VW und Audi zu bauen. BMW prüft, ein US-Werk für Motoren und Getriebe zu bauen. Standorte in den USA bieten viele Vorteile. Das Lohnniveau ist niedriger als hierzulande. Bei Neuansiedlungen winken hohe Subventionen. Währungsrisiken werden vermindert.


Braucht Trump Investitionen aus dem Ausland?

Ganz bestimmt. In der US-Autobranche sind Krisensymptome deutlich erkennbar. GM hat kürzlich angekündigt, vier Werke zu schließen und Tausende von Jobs zu streichen. Die großen US-Autobauer hinken technologisch in vielen Feldern hinterher. Sie tun sich bei E-Mobilität, autonomen Fahren und neuen Mobilitätsdiensten im Vergleich zur internationalen Konkurrenz schwer. Kein Wunder, dass eine Sprecherin des Weißen Hauses nach dem Gespräch darauf hinwies, der Präsident strebe an, dass alle Autobauer in den USA fertigten und damit eine friedlichere Situation schaffen könnten.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

Der Bundesgerichtshof verhandelt die Klagen von Mietern zweier Wohnungen in Schleswig-Holstein verhandelt. Die Kläger wollen weniger Miete zahlen und begründen dies mit dem Risiko von Schimmel. Das Karlsruher Gericht lässt deutliche Zweifel erkennen.

05.12.2018

Reiche tragen die Hauptlast der Einkommensteuer, so das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ein interaktives Tool des IW zeigt: Bereits mit 21.000 Euro Jahresbruttoeinkommen zählt ein Single zur oberen Hälfte der Steuerzahler.

05.12.2018

Alle Jahre wieder: Zu den Ritualen der Gewerkschaft Verdi zählen im Jahresendspurt auch Streiks bei Amazon. Doch der weltgrößte Versandhändler versichert den Kunden: Alle Vorbereitungen für pünktliche (Geschenke-)Lieferungen sind getroffen. Denn das Netzwerk des Branchen-Primus wächst.

05.12.2018