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Nachrichten Wirtschaft Webasto will eine Million Heizungen für E-Autos bauen
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00:01 16.08.2016
Fertigungsmechaniker Martin Dobkowitz (27) kontrolliert am Prüfstand eine Hochvolt-Heizung von Webasto. Quelle: Ulrike Seidel

Der Neubrandenburger Autozulieferer Webasto will bis 2025 eine Million Heizungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge bauen. Mit Abstand wichtigster Markt ist dabei aktuell China, wo sich im vergangenen Jahr die Zahl der Elektrofahrzeuge verdreifachte. Langfristig denkbar ist laut Geschäftsführer Andreas Dikow auch eine teilweise Endfertigung in China. Der Standort Neubrandenburg sei dadurch aber nicht bedroht.

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Umweltverschmutzung in China kurbelt das Geschäft an / Wissens-Vorsprung in Neubrandenburg / Verlegung einiger Fertigungsschritte nach Asien denkbar

Mit 189000 wurden in China 2015 fast doppelt so viele Elektroautos zugelassen wie in ganz Europa. Das Kaufmotiv ist laut Dikow für viele Chinesen pragmatisch: „In den Großstädten gibt es bei Smog oft Fahrbeschränkungen. Auch die Zulassung von Neufahrzeugen ist in manchen Städten begrenzt. Elektrofahrzeuge sind davon jedoch nicht betroffen.“ So kommt es, dass derzeit etwa 90 Prozent der jährlich 50000 in Neubrandenburg gefertigten Hochvolt-Heizungen ins Reich der Mitte gehen.

Details der Heizungen und ihrer Fertigung sind streng geheim: „Wir haben etwa zwei bis drei Jahren Vorsprung beim Know-how“, sagt Dikow. „Und wir hoffen, dass es noch ein halbes bis dreiviertel Jahr dauert, bis die Konkurrenz dahinterkommt.“ Daher sei es dringend nötig, die Forschung und Entwicklung weiter voranzutreiben.

In der Elektroheizung wird durchlaufendes Wasser mit Hilfe einer Heizfläche auf 90 Grad erhitzt. Das heiße Wasser gibt dann über einen Wärmetauscher die Wärme an die Luft im Fahrzeuginneren ab.

Eingebaut werden die Heizungen in reine Elektroautos, aber auch in Hybridfahrzeuge, bei denen der Verbrennungsmotor vor allem zum Aufladen der Batterie dient. Wichtige Kunden von Webasto sind neben Chrysler und Volvo vor allem chinesische Autobauer.

Der Vorsprung von Webasto gegenüber der Konkurrenz besteht laut Dikow vor allem im Schichtaufbau des Heizkerns. Der erlaube es, die Wärmeeinkopplung so zu steuern, dass das Wasser zwar heiß genug wird, aber nicht kocht. Die Wettbewerber könnten die Hitze bislang nicht so gut regulieren und müssten daher die Leistung begrenzen, was die Anlage ineffizienter mache.

Sollte die Bedeutung des chinesischen Marktes so dominierend bleiben, könnten laut Dikow langfristig auch einige Fertigungsschritte im Riesenreich erfolgen. „Es ist kaum vorstellbar, dass wir eine Million Heizungen in Neubrandenburg bauen und nach China schicken.“

Der Standort Neubrandenburg mit seinen 640 Beschäftigten sei dadurch aber nicht bedroht, versichert Dikow. „Hier werden voraussichtlich weiterhin die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie die Produktion für den Weltmarkt angesiedelt sein.“ Zudem werden in Neubrandenburg auch herkömmliche Heizungen, die mit Benzin oder anderen fossilen Treibstoffen laufen, produziert. Derzeit sind es rund eine Million Stück jährlich für 150 Fahrzeughersteller.

Gestern besuchte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) das Werk. „Webasto geht den richtigen Weg. Das sichert und schafft Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern“, betonte er. Sein Ministerium unterstützt das jüngste Forschungsvorhaben von Webasto mit 100000 Euro.

Weltweit erfolgreich

640 Beschäftigte hat Webasto in Neubrandenburg. 45 werden in der Fertigung von Elektroheizungen eingesetzt. Der Standort in MV gehört zur Webasto-Gruppe mit Sitz in Stockdorf (Bayern). Der Konzern fertigt vor allem Schiebedächer. Der Bereich Heizung und Klima macht 16 Prozent des Geschäfts aus. Insgesamt hat die Gruppe 12000 Mitarbeiter in 46 Ländern und macht einen Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro.

Axel Büssem

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