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Wirtschaft Weinlese beginnt so früh wie nie zuvor
Nachrichten Wirtschaft Weinlese beginnt so früh wie nie zuvor
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10:16 30.07.2018
Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um gut drei Wochen voraus. Quelle: dpa
Lörzweiler

Die Traubenlese in Deutschland beginnt schon in der nächsten Woche – so früh wie nie zuvor. Den Anfang macht am 6. August ein Weingut in Lörzweiler (Kreis Mainz-Bingen), wie das Deutsche Weininstitut mitteilte. Einen früheren Erntetermin habe es noch nie gegeben, sagte Weininstituts-Sprecher Ernst Büscher.

Möglich macht es der lange und warme Sommer. Die bisherige Rekordmarke hielten die Jahre 2007, 2011 und 2014 mit einem Beginn jeweils am 8. August. Im vergangenen Jahr startete die Lese am 16. August, damals in einem Weingut in der Pfalz.

„In diesem Jahr sind wir extrem früh dran“, sagte Büscher. „Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um gut drei Wochen voraus.“ Der immer frühere Start sei ein Indiz für den Klimawandel. Langjährige Messungen im Rheingau zeigten, dass es seit 1988 mit den mittleren Temperaturen ständig nach oben gehe.

Deutscher Federweißer ist früher im Handel

Die ersten Trauben gehen diesmal in die Federweißer-Produktion. Dafür werden vor allem die Rebsorten Solaris, Ortega, Bacchus und Huxel genutzt. Später wird auch Müller-Thurgau verarbeitet.

Der frühe Lesebeginn begünstige den deutschen Federweißen im Wettbewerb mit den Importen aus Italien, sagt Albrecht Ehses von der Industrie- und Handelskammer Trier. „Im Vergleich zum Federweißen aus Apulien sind wir sonst vier Wochen hinten dran, in diesem Jahr können wir das schneller aufholen.“ Über den Handel werden laut Ehses bundesweit schätzungsweise elf Millionen Liter Federweißer im Jahr vertrieben. Der Anteil der deutschen Produktion liegt im Schnitt bei 50 Prozent. „In diesem Jahr könnten wir auf 60 Prozent hochspringen.“

Federweißer wird in allen 13 Weinanbaugebieten in Deutschland hergestellt und meist im Direktvertrieb der Winzer oder auch im regionalen Handel verkauft. In den bundesweiten Handel kommt vor allem Federweißer aus der Pfalz und Rheinhessen, den beiden größten deutschen Anbaugebieten.

Anders als bei Wein handelt es sich beim Federweißen um Frischware mit besonderen Anforderungen an die Logistik, etwa mit einer ununterbrochenen Kühlkette. Die Flaschen sind nur locker mit einer luftdurchlässigen Kapsel verschlossen. Dabei hat die Gärung gerade erst eingesetzt, so dass nach dem Kauf empfohlen wird, den Federweißen noch einen Tag bei Zimmertemperatur gären zu lassen.

Steigende Temperaturen machen höhere Lagen möglich

Mit den heißer werdenden Sommern werden für Winzer auch andere Anbauflächen interessant. So werden an der Mosel wieder höhere Lagen bepflanzt, die „oberen Riegel“. „Hundert Meter höher bedeuten ein Grad Durchschnittstemperatur weniger“, erklärt Büscher. Dort können weiter leichtere Weißweine erzeugt werden.

Damit es mit steigenden Temperaturen nicht so schwere Weine gibt wie in Spanien oder Portugal, schneiden Winzer auch das Laub der Reben stärker zurück. Denn Blätter erzeugen in der Photosynthese Zucker, der in die Trauben eingelagert und dann zu Alkohol umgewandelt wird.

Neue Rebsorten: Dem Trollinger wird es zu heiß

Mittelfristig schauen sich Winzer auch nach neuen Rebsorten um. „Dem Trollinger wird es zu heiß, er verträgt Hitze nicht so gut“, sagt Büscher über die beliebte Rebsorte der Württemberger. Daher gebe es die Überlegung, den Trollinger durch andere Rebsorten zu ersetzen wie Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon oder Merlot. Allerdings seien die Winzer mit Blick auf die Trinkgewohnheiten vorsichtig und legten zunächst kleinere Parzellen mit südländischen Rotweinsorten an.

Von dpa/RND