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Weintrauben gedeihen im Norden

Gülzow Weintrauben gedeihen im Norden

Welche Sorten für MV geeignet sind, prüft in Gülzow die Landesforschung. 20 Rebsorten sind derzeit im Test.

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Mitarbeiterin Steffi Gappa präsentiert die Sorten Somerset (r.) und Summer Sweet. Fotos (8): Norbert Fellechner

Gülzow. „Dieses Jahr sind die Trauben eher reif“, freut sich Dr. Friedrich Höhne, Obstbau-Chef der Landesforschungsanstalt in Gülzow (Landkreis Rostock). Die kräftige Septembersonne hat ihren Teil dazu beigetragen. 20 Rebsorten werden im Obst-Versuchsfeld der Landesforschung bei Güstrow getestet. „Um zu sehen, welche Sorten für unsere Region geeignet sind“, erläutert Höhne.

OZ-Bild

Welche Sorten für MV geeignet sind, prüft in Gülzow die Landesforschung. 20 Rebsorten sind derzeit im Test.

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Die Anregung für den Versuchsanbau kam von Prof. Gerhard Flick, einem Agrarwissenschaftler von der Hochschule Neubrandenburg, der aus einer süddeutschen Winzerfamilie stammt. Flick befasst sich bereits seit längerem mit dem Weinbau in nördlichen Ländern, so über Forschungskooperationen mit Schweden und Lettland.

Anfangs sei er skeptisch gewesen, gibt Friedrich Höhne zu. „Wein braucht Wärme“, weiß der international anerkannte Obstforscher. Bei einem Fachbesuch in Estland konnte er sich aber davon überzeugen, dass sogar im hohen Norden Europas Weinreben gedeihen. Höhne: „Und dort sind im Winter manchmal minus 30 Grad.“ Die estnischen Kollegen testeten lettische, russische und kanadische Rebsorten.

Einige davon stehen jetzt auch auf der Gülzower Versuchsfläche.

Da Mecklenburg-Vorpommerns Landesforschung im Rahmen der Norddeutschen Kooperation im Obst- und Gemüsebau für Sonderkulturen zuständig ist, „passt der Wein in unser Portfolio“, erläutert Dr. Höhne.

Mit sechs Sorten starteten die Mecklenburger Forscher 2010 das Vorhaben. Prämisse: Die Pflanzen sollten robust sein und ohne Pflanzenschutzmittel auskommen. Außerdem sollten die Trauben zum Verzehr bestimmt sein, nicht für die kommerzielle Weinherstellung.

Als das Projekt bei einer Führung für Experten von Obstbaubetrieben, Baumschulen und Gartencentern vorgestellt wurde, meldete die Rostocker Firma Grönfingers Interesse an. „Deshalb haben wir den Anbau 2011 und 2012 ausgedehnt – auf Sorten, die hier im Land bei Privatkunden gefragt sind“, erzählt Höhne. An sonnigen Hauswänden erfreuen sich Weinreben auf Bauernhöfen, bei Kleingärtnern und Häuslebauern zunehmender Beliebtheit.

Inzwischen können die Forscher recht verlässliche Aussagen zu Pflanzengesundheit, Wachstum und Ertrag der getesteten Sorten treffen. „Mehrere passen sehr gut in unser Klima, andere nicht“, resümiert Dr. Höhne, der seit 1989 Obstbau-Vorlesungen an der Rostocker Universität hält. Einige Reben seien im Winter erfroren oder hätten im Frühjahr die Spätfröste nicht vertragen. Prächtig gedeiht aber zum Beispiel die Sorte „Nero“ mit ihren fast schwarzen Beeren. „Muskat bleu“ eignet sich bei hiesigen Temperaturen zwar nicht unbedingt für den Feldanbau, wachse an einer warmen Hauswand aber gut.

„Daraus kann man auch wunderbar Marmelade kochen“, verrät der gelernte Gärtner. Die Sorten „Franziska“ und „Lilla“, zwei deutsche Züchtungen, will der Fachmann allerdings nicht empfehlen. Sie hätten zwar schöne große Trauben, doch die neigen zu Fäulnis. „Man müsste wahrscheinlich Pflanzenschutzmittel spritzen, damit sie besser aussehen“, meint der Wissenschaftler. Auch bei der in Gartenkatalogen oft gelobten Sorte „Suffolk red“ ist Dr. Höhne skeptisch. „Der Ertrag ist recht niedrig.“

Eine Überraschung dagegen sei die lettische Züchtung „Zilga“, die auf „eine Wildwein-Sorte aus dem Amur-Gebiet (vitis amurensis) zurückgeht“, berichtet der 65-Jährige. Sie hat nicht nur schöne, große Blätter, sondern auch ein besonderes Aroma, das eher an Wilderdbeeren als an Weintrauben erinnert.

Friedrich Höhne hofft, dass seine Nachfolger die Obstbau-Projekte fortsetzen, wenn er zum Jahresende in den Ruhestand geht. Seit 1988 war der aus einer Gärtnerfamilie in Sachsen-Anhalt stammende Wissenschaftler in MV tätig, zunächst auf der Obstversuchsstation Rostock-Biestow, nach deren Auflösung seit 2005 in Gülzow.

Obstforschung

200 Obstsorten werden in der Versuchsstation der Landesforschung in Gülzow bei Güstrow geprüft. Es soll herausgefunden werden, welche Sorten unter hiesigen Klima- und Bodenbedingungen besonders gut gedeihen. In der norddeutschen Kooperation ist MV auf Spezialkulturen wie Sanddorn, Wein, Holunder und besondere Beeren spezialisiert.

Getestet werden rund 100 Apfelsorten, außerdem Birnen, Quitten, Kirschen und Pflaumen.

Elke Ehlers

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