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Wirtschaft Weltweite Nachfrage steigt: Supermarkt-Fisch wird teurer
Nachrichten Wirtschaft Weltweite Nachfrage steigt: Supermarkt-Fisch wird teurer
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00:04 06.09.2018
Einige Thunfischarten sind durch Überfischung gefährdet. 14,3 Prozent der Fische auf deutschen Tellern sind Thunfische. Quelle: Foto: Newman/dpa
Baabe/Hamburg

Fischgerichte im Restaurant sind angesagt wie noch nie. „Es kommen jedes Jahr mehr“, sagt Roberto Brandt. Der Rügener Fischer betreibt in Baabe ein kleines Fischrestaurant und konnte sich diesen Sommer vor Arbeit kaum retten. „Das lag wohl auch am guten Wetter“, sagt der 62-Jährige. Am häufigsten bestellen seine Gäste gebratenes Dorschfilet („Das ist der Renner“) und Hering, gebraten oder eingelegt. „Zander geht auch sehr gut“, erklärt Brandt, doch der sei „schwer zu bekommen“.

Fischindustrie rechnet mit weiter steigenden Preisen / MV ist beim Einkaufen Schlusslicht im Norden

Bundesweit lässt der Appetit der Deutschen auf Fisch dagegen ein wenig nach: Der Pro-Kopf-Verbrauch sank 2017 auf 13,5 Kilo – 900 Gramm weniger als im Jahr davor. Vor allem außer Haus entschieden sich die Bürger seltener für Fisch. Solche Schwankungen seien normal, sagte Thomas Lauenroth vom Bundesverband der Deutschen Fischindustrie gestern in Hamburg bei der Vorstellung der aktuellen Branchenzahlen.

Komischerweise landet MV landet beim Fischeinkauf, ohne Gastronomie, auf Platz sechs der Bundesländer – als norddeutsches Schlusslicht und sogar hinter Berlin. MV kam 2017 auf durchschnittlich 5,3 Kilo pro Kopf, die Spitzenreiter aus Bremen kauften 6,1 Kilo.

Weniger, dafür teurer: Die Deutschen lassen sich ihren Fisch mehr kosten. 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr gaben sie im Vorjahr für Fisch und Meeresfrüchte aus. 3,9 Milliarden Euro waren es insgesamt. Künftig könnte das noch mehr werden, denn die Preise werden laut Fischverband noch weiter steigen.

„Die Verfügbarkeit ist gut, aber die Nachfrage steigt weltweit an“, sagt Sandra Kess vom Fischinformationszentrum in Hamburg, das vom Fischindustrieverband betrieben wird. In Schwellenländern wächst die Kaufkraft, mehr Leute können sich Fisch leisten. Der Preis steigt, 2017 um 3,8 Prozent. 87 Prozent des in Deutschland verkauften Fischs kommen aus dem Ausland.

Am meisten gekauft wird Lachs, gefolgt von Alaska-Seelachs, Hering, Thunfisch und Forelle. Diese „Großen fünf“ bringen es zusammen auf drei Viertel des Gesamtumsatzes. Der Trend geht zur Dose:

Tiefkühlware mit einem Marktanteil von 25 Prozent wurde von Fischkonserven und Konserven überholt (28 Prozent). Frischer Fisch kommt auf zwölf, Räucherfisch auf elf Prozent. Für Letzteren mussten Genießer besonders tief in die Tasche greifen: Räucherfisch verteuerte sich dieses Jahr von Januar bis Sommer um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für ein Kilo musste der Käufer im Schnitt 18,25 Euro berappen. Frischer und aufgetauter Fisch waren schon für 14 Euro zu haben.

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace fordern seit Jahren geringeren Fischverbrauch, um bedrohte Bestände zu schonen. Die Ausweitung der Produktion in Aquakulturen sei kein Ausweg, um bedrohte Arten zu schützen, sondern sorge für Umweltverschmutzung und Tierquälerei.

In MV steckt die Branche in der Klemme: Beim Ostseehering droht für 2019 eine Null-Fang-Quote, die deutsche Ostsee-Schleppnetz-Heringsfischerei verlor zu Monatsbeginn zudem das wichtige MSC-Siegel (die OZ berichtete).

Fischer Brandt aus Baabe schaute sich früh nach Alternativen um: Vor 23 Jahren trat er aus der Genossenschaft aus. Seitdem verkauft er seinen und zugekauften Fisch nun im eigenen Restaurant. Seine Kollegen, die einen Teil ihres Fangs direkt vom Kutter an die Kundschaft bringen, haben es schwerer: „Das ist viel weniger geworden“, sagt Brandt. Viele würden jetzt lieber im Supermarkt kaufen.

Gerald Kleine Wördemann

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