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Weniger Insolvenzen bei Firmen und Verbrauchern

Rostock Weniger Insolvenzen bei Firmen und Verbrauchern

Gute Konjunktur, steigende Einkommen und niedrige Zinsen – vielfältige Ursachen für wirtschaftliche Stabilität

Rostock. /Düsseldorf. Dank der guten Konjunktur und niedriger Zinsen sind im ersten Halbjahr 2017 erneut weniger Unternehmen und Verbraucher in die Pleite gerutscht. Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland sank auf 10300 – das sind, gemessen am Vorjahreszeitraum, 5,9 Prozent weniger. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ging noch stärker zurück, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform gestern in Düsseldorf mitteilte: um 7,5 Prozent auf 36

300 Fälle.

Auffällig sei die positive Entwicklung in MV, heißt es von der Creditreform Mecklenburg-Vorpommern von der Decken KG: Insgesamt wurden im ersten Halbjahr landesweit 1160 Insolvenzen registriert, das waren 10,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Darunter waren 140 Unternehmen, 12,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2016, informiert Gerd Seddig, Abteilungsleiter Vertrieb in Rostock.

Unternehmen wie Bürger profitieren von den Niedrigzinsen, da diese sie bei Tilgungen von Krediten entlasten. Verbraucher hätten ferner von der niedrigen Arbeitslosigkeit und steigenden Einkommen profitiert, so Creditreform.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es bundesweit weniger Insolvenzen von Unternehmen und Verbrauchern gegeben. Die Zahl der Firmenpleiten war auf den niedrigsten Stand seit 1999 gefallen.

Unternehmensinsolvenzen haben weiterhin häufig Arbeitsplatzabbau zur Folge, doch wurde im ersten Halbjahr 2017 erstmals im Zehnjahres-Vergleich die 100000er-Grenze unterschritten. Von Januar bis Juni verloren rund 99000 Beschäftigte als Folge einer Pleite ihres Arbeitgebers ihre Stelle – 9,2 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2016. Opfer von Zahlungsunfähigkeit wurden wie zuvor überwiegend Kleinstunternehmen mit einem Jahresumsatz bis 250 000 Euro. Auf sie entfiel gut die Hälfte aller Firmenkonkurse.

Rückläufig war im ersten Halbjahr auch der Insolvenz-Gesamtschaden für die Gläubiger – von der Bank über die Lieferanten bis zum Fiskus. Er belief sich auf 13 Milliarden Euro und fiel damit um rund ein Fünftel niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Größte Insolvenzfälle in den ersten sechs Monaten waren die Bonner Solar World AG und die Hamburger Rickmers Holding. Durch die Pleiten des Anbieters von Solarstrom-Anlagen und der Großreederei gingen zusammen über 5000 Arbeitsplätze verloren.

Aufgrund der rückläufigen Gründungszahlen der letzten Jahre gab es erneut weniger Insolvenzen junger Firmen. 2690 der insolventen Unternehmen waren noch nicht einmal fünf Jahre am Markt, im ersten Halbjahr 2016 waren es 3260.

Obwohl es immer weniger Verbraucherinsolvenzen gibt, sei „der private Schuldenberg jedoch nach wie vor hoch“, sagt Creditreform-Geschäftsführer Volker Ulbricht. Vor allem bei den Insolvenzen ehemals Selbstständiger habe es sogar einen Anstieg gegeben.

Esther Soth/thomas Luczak

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