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Weniger Milch? Molkereien und Landwirte blocken ab

Upahl/Bützow Weniger Milch? Molkereien und Landwirte blocken ab

Forderung der Politik nach Reduzierung der Milchmenge stößt in MV auf Ablehnung

Upahl/Bützow. . Die Botschaft der Politik ist eindeutig: Deutsche Bauern sollen freiwillig weniger Milch produzieren. Die Molkereien wurden aufgefordert, dafür Modelle zu entwickeln — und obendrein Anreize zu bieten, die den Bauern die Drosselung der Milchmenge schmackhaft machen. So hatten es die Agrarminister der Bundesländer auf ihrer Tagung in Göhren-Lebbin (Mecklenburgische Seenplatte) vor einer Woche beschlossen, um einen Weg aus der Milchkrise zu finden.

Die Reaktionen von Molkereien und Landwirten aus Mecklenburg-Vorpommern allerdings machen wenig Hoffnung, dass der Appell der Politik Gehör findet. „Wenn wir weniger produzieren, freuen sich andere über freiwerdende Marktanteile“, sagt Manfred Sievers (60), Aufsichtsratsmitglied der Arla-Molkerei Upahl (Nordwestmecklenburg). Bauern in Irland und Neuseeland zum Beispiel stünden schon bereit, um Marktanteile der deutschen Lieferanten zu übernehmen. Sinnvoll wäre eine Einschränkung aus seiner Sicht nur, wenn sie global mitgetragen würde. „Oder zumindestens in ganz Europa“, meint der Landwirt, der 500 Milchkühe hält.

In Mitgliederversammlungen habe sich die Mehrheit der Hansano-Bauern gegen eine Mengenreduzierung ausgesprochen. Denn der Vorstand hatte es durchgerechnet: Liefert jeder Arla-Milchbauer zehn Prozent weniger Milch, würde das den Milchpreis um 0,5 bis 0,75 Cent pro Liter Milch stabilisieren, allerdings bei steigenden Kosten. „Pro Liter würde das also nicht mal einen halben Cent bringen. Das überzeugt niemanden, dafür weniger zu liefern“, meint Sievers.

Das Deutsche Milchkontor (DMK), zu dem in MV Molkereien in Bergen auf Rügen sowie in Waren, Dargun und Altentreptow (alle Mecklenburgische Seenplatte) gehören, schafft seinen Milchbauern keine Anreize zum Produktionsausstieg. DMK-Pressereferentin Vera Hassenpflug verweist dazu auf den Raiffeisenverband als genossenschaftliches Spitzengremium. Dessen Präsident, Manfred Nüssel, hatte sich klipp und klar gegen staatliche Eingriffe verwehrt: „Die Diskussionen über eine Mengensteuerung sollten endlich abgeschlossen sein“, sagte er.

Mehrere Molkereien haben signalisiert, den Bauern demnächst nicht einmal 20 Cent pro Liter zu bezahlen. Vor zwei Jahren — als sie große Mengen Milchprodukte — vor allem Käse und Milchpulver — nach China, Russland und in arabische Länder verkaufen konnten, erhielten sie doppelt so viel. Als danach diese Exporte einbrachen, schlitterte die Branche in eine Überproduktionskrise.

Milchbauer Sievers spricht es nicht gern aus: „Jeder hofft, dass der Nachbar aufhört, damit es ihn nicht selbst trifft.“ Michael Constien aus Jürgenshagen bei Bützow (Landkreis Rostock), wird deutlicher: „Einige müssen aufhören, damit die anderen überleben können“, sagt der Agrargenossenschaftschef. Für seinen Betrieb heißt das: „Im Sommer fällt eine Entscheidung.“ Es sei nicht zu verantworten, dass jeden Monat Tausende Euro Verlust auflaufen.

Deutsche Bauern schauen in dieser akuten Situation neidisch nach Amerika: In den USA zahlt der Staat den Landwirten Schlachtprämien für Kühe, weiß Genossenschafts-Chef Constien. Motiviert das einige Milchviehhalter, Kühe abzuschaffen, entlaste es die Branche. In den USA gebe es außerdem Milchpreisversicherungen, die die Bauern bei starken Preiseinbrüchen stützen, ergänzt Bauer Sievers. In Deutschland gibt es diese Ausfall-Versicherungen nicht.

Harsche Töne schlägt indessen Agrarminister Till Backhaus (SPD) in Schwerin an: Wollen Bauern und Molkereien die Milchmenge nicht „eigenverantwortlich“ reduzieren, werde der Staat die Notbremse ziehen, sagt Backhaus — und droht mit Sanktionen.

Von Elke Ehlers

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