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00:11 21.02.2015
Der Landwirt Hubertus Paetow steuert in Finkenthal bei Rostock seine Drohne. Mit Internet und Datenbanken machen sich immer mehr Bauern an die digitale Wende. Quelle: Stefan Sauer/dpa

Auf dem Bauernhof von Hubertus Paetow in Finkenthal bei Gnoien (Kreis Rostock) beginnt der Arbeitstag am Computer: Wettervorhersage checken, Börsenpreise für Getreide prüfen, E-Mails lesen. Auf dem Traktor schaltet der Landwirt dann auf GPS um, Satellitendaten führen die Maschine zentimetergenau über den Acker. „Mein Vater war es noch gewohnt, seinen Leuten morgens eine Arbeitseinweisung für den ganzen Tag zu geben, manchmal für drei bis vier Tage“, erinnert sich Paetow. „Heute ändern wir das im Laufe eines Tages ständig ad-hoc mit Handy und WhatsApp.“

Hightech ist für viele Bauern längst Alltag. Jetzt wird die nächste Runde eingeläutet. Landtechnikhersteller und Agrarhändler arbeiten an der digital vernetzten Landwirtschaft. Daten wie Feldmaße und Düngerverbrauch werden miteinander kombiniert, Ackermaschinen schicken sie untereinander hin- und her. Das Ziel: höhere Erträge, geringerer Verbrauch. Kommt der digitale Hof? Es gibt viele, die beim Thema leuchtende Augen bekommen. „Wir stehen erst am Anfang“, sagt Klaus-Josef Lutz, Chef von Europas größtem Agrarhändler BayWa. „Das Fell des Bären ist noch nicht verteilt.“

Lutz‘ Ziel sind mehr automatisierte Abläufe. Längst können Bauern satellitengeleitet auf jeden Quadratmeter genau die passende Düngemenge ausbringen. Wenn der Dünger zur Neige geht, soll künftig automatisch auch eine Bestellung bei der BayWa eingehen. Um solche Abläufe voranzutreiben, hat BayWa sich die Softwareschmiede PC Agrar einverleibt. Und der westfälische Landmaschinenbauer Claas — einer der größten der Welt - stieß die Gründung von 365farmnet an. Auf dem Portal des Start-ups aus Berlin können Bauern am PC oder Tablet Hofkarten anlegen, ihre Lagerbestände speichern, den Mitarbeiter-Einsatz planen, Standorte ihrer Maschinen überwachen und Arbeitsaufträge schreiben. Demnächst soll ein Milchbauer dort auch festlegen können, wie Sortieranlagen die Kühe zum Melkstand leiten.

Milchvieh digital überwachen — in dieses Geschäft stieg schon vor zwei Jahren die Telekom ein. Sie verkauft den Bauern Thermometer und Sensoren eines französischen Herstellers, die feststellen, ob eine Kuh besamungsbereit ist oder ob sie bald ihr Kalb zur Welt bringt. Dann erhält der Landwirt automatisch eine entsprechende SMS.

Mit Bauernhöfen, wie viele sie noch aus Kinderbüchern kennen, hat das alles wenig zu tun. Die Hersteller setzen auf den Trend zu immer größeren Betrieben und auf die Gleichung „mehr Technik = mehr Ertrag und mehr Effizienz“. Landwirte werden noch stärker zu Unternehmern.

Ein Bauer ernährt nach Zahlen des Deutschen Bauernverbands heute rechnerisch 144 Menschen — mehr als dreimal so viele wie 1980. In den vergangenen 20 Jahren habe sich das Anlagevermögen auf den Höfen verdoppelt. 5,4 Milliarden Euro gaben deutsche Bauern im vorigen Jahr für Landtechnik aus — nur zwei Prozent weniger als im Rekordjahr 2013.

Um Daten zu sammeln, lässt Bauer Paetow über seinen Äckern in Mecklenburg eine kleine Drohne aufsteigen. Die Bilder des Flugroboters verraten ihm, ob das Getreide irgendwo schlecht wächst, ob es nasse Stellen gibt oder irgendwo Mäuse am Werk sind. „Mein Großvater ist dafür noch über den Acker geritten“, sagt Paetow. „Ich lade meine Bodenproben-Daten auf ein Portal im Netz, ich beauftrage jemanden, mit diesen Daten eine Anwendungskarte zu machen, und die wird dann an unsere Maschinen gesendet.“

Wir stehen erst am Anfang. Das Fell des Bären ist noch nicht verteilt.“Klaus-Josef Lutz, Chef von Europas
größtem Agrarhändler BayWa.



Burkhard Fraune

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