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„Wer die Entwicklung im Netz verschläft, hat verloren“

Rostock „Wer die Entwicklung im Netz verschläft, hat verloren“

Strategieberater Stefan Gröner über die Chancen der Digitalisierung für die Wirtschaft und die Rolle sozialer Medien. Am Freitag spricht er vor 350 Unternehmern in Warnemünde.

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Professor Stefan Gröner.

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Welche neuen Entwicklungen kommen mit der Digitalisierung auf die Unternehmen zu?

Professor und Berater

Prof. Stefan Gröner ist am Freitag Redner auf dem Rostocker Unternehmertag unter dem Motto „Wie digital ist unsere Zukunft?“ mit 350 Teilnehmern im Neptun-Hotel Warnemünde. Gröner berät Unternehmen in Strategiefragen. Zuvor war er Geschäftsführer der Bauer Media Gruppe („Bravo“). Er ist Professor für Medienmanagement und Unternehmensstrategie an der Hochschule Fresenius München.

Stefan Gröner: Meine Gegenfrage lautet: Was ist nicht neu? Neue Technologien, neue Zielgruppen, neue Märkte gab es in der Geschichte der Wirtschaft schon immer. Das ist auch an sich nichts Schlechtes. Durch die Digitalisierung wird der Wandel jedoch dynamischer: Wenn ich eine Entwicklung verschlafe, habe ich verloren. Das hat sich etwa beim Handy-Hersteller Nokia gezeigt, der den Trend zum Smartphone zu spät erkannt hat.

In MV gibt es viele kleine und mittlere Unternehmen. Welche Rolle spielt die Digitalisierung für sie?

Kleine Unternehmen haben es oft leichter, mit neuen Gegebenheiten zurechtzukommen. Sie sind näher an ihren Kunden dran und erkennen schneller geänderte Bedürfnisse. Große Unternehmen haben dagegen oft lange gewachsene Strukturen. Es fällt ihnen schwer, sich davon zu trennen und etwas ganz anderes zu machen. Bei kleinen gibt es weniger Diskussionen um Besitzstandwahrung.

Eine der wichtigsten Branchen in MV ist der Tourismus. Welche Bedeutung hat hier die Digitalisierung?

Da geht es vor allem um die Vermarktung. Das Online-Übernachtungsportal Airbnb bietet eine breite Transparenz bei Angebot und Nachfrage und bereitet so in vielen Städten den Hotels bereits große Schwierigkeiten. Zudem werden auch in dieser Branche viele Arbeitsschritte digitalisiert. So kann ich etwa meinen Zimmerschlüssel digital aufs Smartphone herunterladen – eine Rezeption wird damit eigentlich überflüssig.

Große Bedeutung in MV hat auch die Gesundheitswirtschaft…

Auch hier gibt es einige Berufsgruppen, die verschwinden werden. Ein Computer wird ein Röntgenbild bald besser analysieren können als ein Radiologe. Es werden natürlich auch neue Berufsbilder entstehen, etwa bei der Medizintechnik.

Wie vermarkte ich mich richtig?

Jeder Unternehmer wird sich künftig mit dem Thema soziale Medien anfreunden müssen, sonst wird er keinen Erfolg mehr haben. Um mit der jungen Zielgruppe kommunizieren zu können, muss ich ihre Sprache sprechen. Auch der Umgang mit Kritik ist heute wichtiger: Wenn ich auf eine Beschwerde im Netz falsch reagiere, kann ich innerhalb kürzester Zeit einen Shitstorm ernten. Und ich muss flexibler werden, rund um die Uhr Anfragen beantworten und nicht bis zum nächsten Montag warten. Wichtig ist aber: Ich kann über soziale Medien nichts verkaufen. Dort ist es deutlich schwerer, für mein Produkt zu werben als z.B. in einer Zeitungsanzeige. Daher muss ich die Brücke schlagen von den sozialen Medien zum direkten menschlichen Kontakt. Das ist die entscheidende Herausforderung.

Manche sehen in der Digitalisierung eine Gefahr für Beschäftigung – zu Recht?

Die Geschichte zeigt, dass Arbeit bisher immer neu verteilt wurde. Aber wir brauchen dafür die richtigen Voraussetzungen: Bildung, Kreativität, Emotionalität – diese drei Fähigkeiten werden Roboter in absehbarer Zeit nicht haben. Die Politik muss dafür sorgen, dass die Ausbildung dieser Fähigkeiten etwa in der Schule gefördert wird.

Alexander Loew und Axel Büssem

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