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Wer nicht aufisst, zahlt extra: Strafe für volle Teller umstritten

Rostock Wer nicht aufisst, zahlt extra: Strafe für volle Teller umstritten

Erste Gastronomen verlangen mittlerweile Gebühren für übrig gelassenes Essen / Das Konzept stößt im Tourismusland MV auf wenig Verständnis

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Quelle: Harms/dpa

Rostock. Viele Kinder wachsen mit der Mahnung auf, immer schön brav den Teller leer zu essen. Doch offensichtlich fruchtet dieser Satz nicht bei allen: Gerade Buffet-Restaurants (hier gibt es einen Festpreis, egal wie viel die Kunde nimmt) klagen über halbvolle Teller, die die Gäste zurückgehen lassen. Viel Essen muss so weggeschmissen werden. Erste Gastronomen wollen jetzt dagegen angehen: Sie erheben einen Zuschlag für volle Teller. In Mecklenburg-Vorpommern stößt diese Maßnahme auf wenig Verständnis.

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Erste Gastronomen verlangen mittlerweile Gebühren für übrig gelassenes Essen / Das Konzept stößt im Tourismusland MV auf wenig Verständnis

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Gastronom Guoyu Luan aus Stuttgart erhebt einen Euro Gebühr, wenn ein Gast in seinem Restaurant „Yuoki“ Reste übrig lässt.„Als Gastronom will man natürlich keine n Gast verärgern. Aber manche Gäste nutzen das ,All you can eat’ aus“, sagt Guoyu Luan. „Ich komme aus einer nicht so reichen Familie. Wir sind sehr sparsam mit Lebensmitteln umgegangen“, sagt der gebürtige Chinese. „Es heißt ,All you can eat’ und nicht ,All you can wegschmeißen’. Zu Hause machen die Leute das ja auch nicht.“

Auch in anderen Städten gibt es Restaurants mit einer Gebühr für Essensreste. Die Restaurantkette „Okinii“ aus Düsseldorf etwa hat ähnliche Regeln wie das „Yuoki“. „Verschwendung wird nicht geschätzt – bestellen Sie bitte nur so viel, wie Sie verzehren können“, heißt es auf der Internetseite. Auch das „Himalaya“ im sauerländischen Menden berechnet für Reste ab 100 Gramm pro Teller einen Aufpreis von zwei Euro.

Lebensmittelverschwendung ist ein gesellschaftliches Problem: Laut einer Studie der Uni Stuttgart wirft jeder Deutsche täglich 225 Gramm Lebensmittel in den Müll.

Für Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbands MV, wäre eine Strafe für volle Teller „kein gutes Signal“: „Wenn zu viel weggeschmissen wird, sollte der Gastronom eher über den Preis nachdenken.“ Sprich: Wenn das Essen wenig kostet, greift man auch unbedachter zu.

Gerade im Tourismusland MV seien Buffets in Hotels weit verbreitet: „Es ist eine sehr flexible Art, seine Gäste zu bewirten und viele Kunden mit unterschiedlichen Interessen in kurzer Zeit satt zu machen.“ Um Verschwendung zu vermeiden, müsse der Wirt klug kalkulieren, anstatt den Gast zu bestrafen.

Auch Spitzenkoch Tillmann Hahn, Sprecher der Bewegung Slow Food in Rostock, die sich für mehr Wertschätzung für gutes Essen einsetzt, hält nichts von der Idee: „Lebensmittelverschwendung fängt schon bei der Produktion an: Was nicht bestimmten Normen bei Größe, Form und Qualität entspricht, wird dem Landwirt nicht abgenommen. Und im Handel wird dann noch einmal viel entsorgt.“ In der Gastronomie werde dagegen meist knapp kalkuliert und wenig weggeschmissen.

Für viele Gäste sei nun mal wichtig, viel für ihr Geld zu bekommen. „Das muss auch nicht falsch sein, solange sie aufessen“, meint Hahn und hat einen Tipp für seine Kollegen: „Wo Qualität eine Rolle spielt, wird wenig übrig bleiben und auch wenig weggeschmissen.“

Im Rostocker Restaurant „Likörfabrik“ ist man vor einigen Jahren einen anderen Weg gegangen: „Wir haben von ,All you can eat’ auf Einzelbestellung umgestellt“, sagt Mitarbeiterin Kathrin Prohn.

„Manche Kunden hatten deutlich mehr gegessen, als sie sonst bestellt hätten.“ Daher hätte die „Likörfabrik“ das Buffet deutlich teurer machen müssen – oder eben auf à la carte umstellen. „Das ging auch auf Anfragen von Kunden zurück, die lieber bedient werden wollten, als sich am Buffet zu drängen“, sagt Prohn.

Norwegen will Diesel und Benziner verbannen

. Norwegen will im Kampf gegen den Klimawandel drastische Maßnahmen ergreifen. Wenn es nach der Regierung geht, sollen ab 2025 keine neuen Benzin- und Dieselfahrzeuge mehr zugelassen werden. Damit soll der Ausstoß von klimaschädlichen Abgasen verringert werden. Das ist ein wichtiger Punkt im Nationalen Transportplan, der derzeit im Land diskutiert wird. Der Transportsektor ist für ein Drittel des C02-Ausstoßes in Norwegen verantwortlich. Auch andere Verkehrsträger sollen umgekrempelt werden: Nach 2030 sollen alle neuen Schiffe und Fähren abgasfrei sein, im Flug- und im  Schwerlastverkehr soll mehr Biotreibstoff eingesetzt werden.

Das Land mit etwas mehr als fünf Millionen Einwohnern ist in Sachen E-Mobilität bereits führend. In keinem anderen Staat in Europa werden gemessen an der Bevölkerung so viele Elektroautos verkauft.

15 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen fahren mit Strom. Und es sollen noch viel mehr werden. Norwegen, dank großer Öl- und Gasvorkommen reich geworden, gewinnt nahezu 100

Prozent seines Stroms aus umweltfreundlichen Quellen: Wasser und Wind.

Die Anschaffung von Elektroautos wird in Norwegen bereits seit Jahren massiv gefördert, mit Steuererleichterungen und Abgabenfreiheit. Das hat den Verkauf der Stromer mächtig angekurbelt. Doch dem Staat sind damit geschätzt 2,3 Milliarden Kronen (243 Mio. Euro) Steuern durch die Lappen gegangen.

Millionen Tonnen Essen landen im Müll

11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von etwa 25 Milliarden Euro landen in Deutschland jährlich im Müll – von der Lebensmittelherstellung bis zum Privathaushalt. Um diese Menge zu transportieren, wären laut Bundesverbraucherzentrale rund 275000 Sattelschlepper nötig. Hintereinandergestellt ergäbe das die Strecke von Düsseldorf nach Lissabon und zurück.

Hinzu kommen schätzungsweise bis zu vier Millionen Tonnen Lebensmittelverluste, die in der Landwirtschaft entstehen. So werden Salate untergepflügt, weil sie in Form, Farbe oder Größe abweichen oder zu niedrige Preise erzielen. Sensible Lebensmittel, wie Erdbeeren, verderben teils schon beim Transport oder im Lager. In Kantinen müssen Buffetreste aus hygienischen Gründen entsorgt werden.

Antonia Lange und Axel Büssem

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