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Wirtschaft Werft-Kran wird Liebesnest
Nachrichten Wirtschaft Werft-Kran wird Liebesnest
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00:01 03.06.2017
Blick auf den Ausrüstungskai der Rostocker Neptunwerft Anfang der 1990er Jahre. Quelle: Foto: Jürgen Fensch
Rostock

Einst war er für die ganz schweren Fälle vorgesehen, hievte ganze Schiffssegemente in die Helling. Doch seit dem Ende der Werft ist der große Kran auf dem ehemaligen Neptun-Areal an der Warnow nicht mehr als ein Relikt aus einer vergangenen Epoche Rostocks. Das will Roland Methling ändern: Der Oberbürgermeister will mit dem Förderverein „Tradition Ostseeschifffahrt“ dem sogenannten Hellingkran neues Leben einhauchen. Der Koloss soll zu einem Trauzimmer umgebaut werden – samt Liebesnest in fast 30 Metern Höhe. Das wohl romantischste Umbau-Projekt der Hansestadt.

Hoch oben auf dem alten Hellingkran der Neptunwerft sollen bald Trauungen stattfinden/ Brautpaare können danach im exklusivsten Hotelzimmer der Stadt übernachten

Bereits seit einigen Jahren gehört das exakt 409 Tonnen schwere Industrie-Denkmal dem Förderverein um den Vorsitzenden Roland Methling. Der Investor und Bauunternehmer Hilger Patzner hatte dem Club den Kran zum Geschenk gemacht. „Samt einer kleinen Summe für den Unterhalt und Umbau“, sagt Methling. Erst vor rund zwei Jahren war das Bauwerk für knapp 300000 Euro entkernt und saniert worden.

„Es ist ein Wahrzeichen unserer Stadt“, betont der Oberbürgermeister.

Doch nun soll der Kran noch mehr werden – ein Ort der Romantik: Im etwa 50 Quadratmeter großen, mittlerweile leergeräumten Maschinenraum des Hellingkrans will der Förderverein ein Trauzimmer einrichten. Nach oben geht es mit einem Fahrstuhl. Der soll außen an den Kran angebaut werden und die Brautpaare sowie bis zu 30 Gäste bis auf 26 Meter Höhe befördern. Zudem wird es zwei Gäste-Toiletten geben. „Die Paare heiraten dann mit dem schönsten Ausblick der Stadt“, sagt Methling – und mit einem Augenzwinkern fügt er noch hinzu: „Und wir geben auf jede Ehe, die auf dem Hellingkran geschlossen wird, zehn Jahre Garantie.“

Doch nach der Zeremonie soll es hoch oben noch weitergehen: In der ehemaligen Kranführer-Kabine plant der Förderverein ein kleines Esszimmer – mit Blick auf die Warnow, den Stadthafen und bei gutem Wetter bis nach Warnemünde. „Stellen Sie sich das doch mal vor: Sie sitzen dort bei Kerzenschein und einem tollen Mahl, die ganze Stadt liegt Ihnen zu Füßen und doch sind Sie ganz ungestört.“ Und das alles nicht nur beim Essen: Im zweiten Stock sollen ein kleines Bad, eine kleine Küche und ein Schlafzimmer mit Doppelbett Platz finden. „Damit Verliebte nach der Trauung, am Hochzeitstag oder zu besonderen Anlässen auch in dem Kran übernachten können.“ Das Liebesnest werde das exklusivste Hotelzimmer der Hansestadt. „So etwas gibt es im ganzen Land kein zweites Mal“, verspricht Roland Methling.

Die entsprechenden Bauanträge für den Umbau des Krans seien bereits in Bearbeitung. Die Entwürfe für das Trau- und das Romantikzimmer stammen vom Rostocker Architekten Tilo Ries. Jetzt wurden die Pläne erstmals konkret im zuständigen Ortsbeirat der Kröpeliner-Tor-Vorstadt präsentiert. Auch an die Sicherheit hat Ries gedacht: In den Kran soll eine Löschanlage für Notfälle eingebaut werden. Für Methling ist der Umbau eine Herzensangelegenheit: Zu DDR-Zeiten hat er im Seehafen gearbeitet, war Chef-Technologe an der Warnow. „Mir unterstanden in dieser Funktion sämtliche Kräne im Seehafen“, sagt der Rathaus-Chef.

Unklar ist indes noch die Finanzierung des Vorhabens: „Wir haben einen Grundstock, suchen noch Spender und Sponsoren“, sagt Methling. Für den Großteil der veranschlagten 500000 Euro werde der Verein aber wohl ein Darlehen aufnehmen müssen.

Hellingkran wurde in Leipzig gebaut

60Tonnen konnte der Hellingkran vom Typ „Neptun PWK 40“ einst heben. Er wurde 1971 vom VEB Schwermaschinenbau in Leipzig gebaut.

Er ist der letzte Werftkran.

Ein zweiter Kran, der Kran der DDR-Firma Takraf (Tagebau-Ausrüstungen, Krane und Förderanlagen) am Ausrüstungskai der einstigen Neptunwerft, war im Jahr 2015 demontiert worden. Der 250 Tonnen schwere Kran drohte umzufallen.

Andreas Meyer

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