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Wirtschaft Werften-Ausschuss: Zeugen verstricken sich in Widersprüche
Nachrichten Wirtschaft Werften-Ausschuss: Zeugen verstricken sich in Widersprüche
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04:01 23.04.2013
Im Gutachten von KPMG standen 2009 nur Annahmen.“Hans-Christoph Saur, Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium

Die Pleite der P+S-Werften ist in eine neue Phase getreten. Erstmals befragte gestern der Untersuchungsausschuss des Landtages Zeugen. Ziel: die Aufarbeitung der Insolvenz. Gleich der Beginn hatte es in sich. Mehr als acht Stunden dauerte die öffentliche Vernehmung im Plenarsaal des Schweriner Schlosses. Die Obleute der fünf Fraktionen schenkten den drei Befragten nichts.

Den Auftakt machte Michael Axhausen von der Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Dessen Experten hatten am 14. Dezember 2009, rund ein Jahr nach Beginn der Finanzkrise, in einem Gutachten die Sanierungsfähigkeit der angeschlagenen Schiffbaubetriebe attestiert. Sie hatten damit nicht nur weitere Überbrückungskredite des Landes in Höhe von 48 Millionen Euro ausgelöst, sondern letztlich auch öffentliche Bürgschaften über 326 Millionen Euro.

Eines zeigte der Sitzungsgsmarathon deutlich: Wäre dieses Gutachten anders ausgefallen, hätten die Werften bereits Ende 2009 Insolvenz anmelden müssen. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass dieses Gutachten und dessen spätere Versionen auch künftig zu den entscheidenden Dokumenten zählen werden.

Zu entsprechend widersprüchlichen Urteilen kamen die Zeugen. Motto: Rette sich, wer kann. Axhausen erklärte, das „vorläufige“ Gutachten habe die weitere Finanzierung der Werften „vorbereitet“.

Grundlage: die Aussagen der Werft. KPMG sei klar gewesen, wie wichtig es sei, dass man die Sanierungsfähigkeit feststellte. „Es hingen viele Arbeitsplätze davon ab.“ Es habe allseits ein Interesse am Weiterbestand der Werften gegeben, speziell bei den Banken. „Das Gutachten sollte die Banken in die Lage versetzen, Kredite ausreichen zu können.“ Politischen Druck habe es aber nicht gegeben.

Der Haken: Erst nach dem 14. Dezember hätten die beteiligten Akteure Stück für Stück offen gelegt, welche Gesamtkosten für die Sanierung auflaufen würden. Klartext: Das Land hatte schon Millionen bewilligt, ohne dass alle Fakten auf dem Tisch lagen. Axhausen, dessen Unternehmen den Werften 4,2 Millionen Euro an Kosten aufgebürdet hatte, erklärte vielsagend: „Obwohl wir alle Risiken benannt hatten, wollte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr an der Sanierungsfähigkeit der Werften rütteln.“

Hans-Christoph Saur, zuständiger Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium, vertrat eine andere Auffassung. Er habe den damaligen Minister Jürgen Seidel (CDU) gewarnt. KPMG lasse „zu viele Hintertürchen offen“. Dennoch habe das Gutachten die Grundlage für Kredite und Bürgschaften gebildet. Saur gab zu bedenken, dass das Land wenige Monate nach der Pleite der Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde eine zweite große Pleite 2009 nicht verkraftet hätte. Auch das habe eine Rolle gespielt. Während Axhausen zu Protokoll gab, erst Verzögerungen einzelner Aufträge wie die der Scandlines-Fähren hätten den Werften das Genick gebrochen, gab Saur dem schlechten Krisenmanagement des früheren Bremer Werften-Patriarchen Detlef Hegemann die Hauptschuld. Dieser habe den Ernst der Lage zu lange verkannt.

Ex-Hegemann-Manager Siegfried Crede sagte zwar aus, ohne aber etwas zu sagen. Auf die meisten Fragen wusste er nichts zu entgegnen. Standardfloskel: „Dazu kann ich nichts sagen.“

Jörg Köpke

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